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Dietmar Pellmann und Ueli Steck

Dietmar Pellmann

19. 12. 1950 - 2. 5. 2017

Der Satz »Die Rente ist sicher« hat viele Zweifler auf den Plan gerufen, doch wenige kritisierten ihn so fundiert wie Dietmar Pellmann. Der promovierte Historiker war in den Fraktionen von PDS und LINKE im sächsischen Landtag, denen er von 1999 bis 2014 angehörte, für Sozialpolitik zuständig. Er füllte die Position mit Fleiß aus, trug akribisch Daten etwa zur drohenden Armut im Alter zusammen, packte sie in profunde Studien - und präsentierte seine Erkenntnisse mit bissigem Witz. Er habe wissen wollen, was die »Legende gewordene Selbstbeweihräucherung« der sächsischen Staatsregierung tatsächlich wert sei, sagte er einmal anlässlich einer Hartz-Analyse.

Pellmann hatte freilich nicht nur den großen Überblick, er half auch im Einzelfall. Das brachte ihm in seiner Heimat Leipzig-Grünau so große Popularität, dass er bei den Landtagswahlen 2004 und 2009 das Direktmandat errang - in Sachsen für Linke alles andere als alltäglich. Pellmann war auch Stadtrat und sieben Jahre lang Stadtvorsitzender seiner Partei, für die er sich auch nach dem Ausscheiden aus dem Landtag ins Zeug legte - zuletzt am vorigen Samstag bei einer Vertreterversammlung. hla

Ueli Steck

4. 10. 1976 - 30. 4. 2017

Ueli Steck galt als einer der besten Extrembergsteiger der Welt. Jetzt verunglückte der Schweizer bei einer Trainingstour am Nuptse im Himalaya tödlich.

Schon als Kind entdeckte er seine Leidenschaft für das Bergsteigen. Sein Ehrgeiz machte ihn schnell zur Berühmtheit, für seine Rekorde im Hochgeschwindigkeitsklettern wurde er bewundert. Sich selbst bezeichnete Steck jedoch als Außenseiter der Szene. 2012 erklomm Steck ohne Sauerstoff den Mount Everest, 2015 bestieg er in 62 Tagen alle 82 Viertausender der Alpen.

Trotz seiner Suche nach Extremen verstand sich Steck weniger als Abenteurer denn als Sportler. Ihm ging es vor allem um Leistung. Anstatt zu klettern, ist er einige Berge, wie den Eiger, hochgerannt. Das Tempo war sein Fokus, weshalb er als Vorreiter des athletischen Bergsteigens gilt. Das brachte ihm auch Kritik ein: Der Kletterer Kurt Diemberger meinte, Steck sei vielleicht der Schnellste, aber nicht der Beste am Berg.

Steck, gelernter Zimmermann und erfolgreicher Buchautor, suchte die Herausforderungen, immer wieder ging er an seine körperlichen Grenzen. Das Risiko nahm er in Kauf. In seinem letzten Interview mit dem Schweizer »Tagesanzeiger« sagte er: »Scheitern heißt für mich: Wenn ich sterbe und nicht heimkomme.« mjo

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