Ringbahn soll pünktlicher werden

Vier Millionen Euro Investitionen sollen die Zahl der Störungen halbieren

Weichenstörung, Signalstörung, Verzögerungen im Betriebsablauf. Fahrgäste der Ringbahn kennen diese Ansagen zu Genüge - und vor allem die Folgen. Mal kommt eine halbe Stunde kein Zug, mal wird aus dem vorgesehenen Fünf- ein Zehnminutentakt. Und eigentlich immer wird es dann richtig voll in den Waggons.

»Die Pünktlichkeit auf dem Ring bleibt unsere größte Herausforderung«, sagt dann auch S-Bahnchef Peter Buchner. Laut Verkehrsvertrag mit dem Land Berlin sollen 96 Prozent aller Züge pünktlich verkehren, das heißt entsprechend der Kriterien mit weniger als vier Minuten Verspätung. 2016 wurde im S-Bahnnetz nur eine Quote von 94,2 Prozent erreicht. »Bei der Ringbahn liegt die Pünktlichkeit noch einmal zwei Prozentpunkte niedriger«, sagt Buchner. Das Problem sind fehlende Pufferzeiten im Fahrplan, eingleisige Streckenabschnitte auf den Zulaufstrecken, zum Teil ist es auch die Signaltechnik, die im Störungsfall eine schnelle Normalisierung des Betriebs ausbremst.

2016 lag über die Hälfte der Störungen im Verantwortungsbereich der S-Bahn, ein Drittel war auf externe Einflüsse wie Notarzteinsätze zurückzuführen, der Rest ging auf das Konto der Infrastruktur der DB Netz.

So weit, so bekannt. Doch nun wollen Infrastrukturbetreiber DB Netz und die S-Bahn für das neue Qualitätsprogramm »Ringbahn PLUS Berlin« in den kommenden drei Jahren insgesamt vier Millionen Euro in die Hand nehmen. Statt 350 Störungen, die 2016 auf der Strecke registriert wurden, sollen durch viele kleine Maßnahmen 2019 nur noch 190 Störungen auftreten, so die Hoffnung.

Die S-Bahn selbst saniert momentan mit Senatsgeldern die Züge der ältesten Baureihen 480 und 485, die noch vor dem Mauerfall jeweils unabhängig voneinander in Ost und West entwickelt wurden. »Wir werden auch über 20 neue Triebfahrzeugführer einstellen, um bei kurzfristigen Ausfällen mehr Personal zur Verfügung zu haben«, kündigt Buchner am Freitag bei einer Pressekonferenz an. Auch die Zahl der Disponenten in der Leitstelle wird verdoppelt. War bisher zu jeder Zeit eine Person für die Ringbahn zuständig, werden es künftig zwei Personen sein. »Dann können wir den Betrieb nach einer Störung schneller wieder hochfahren«, sagt Buchner.

DB Netz, zuständig für Gleise und Signaltechnik, ist mit im Boot bei der Betriebsstabilisierung. Mit zusätzlichen Abdeckungen und Heizungen sollen die Störungen an den rund 100 Weichen auf dem Ring deutlich reduziert werden. Bis Jahresende soll ein Ferndiagnosesystem Auffälligkeiten im Betrieb schon erkennen, bevor ein Schaden auftritt. Beschädigte Kabel und störanfällige Kabeltypen sollen frühzeitig erneuert werden. Kurz gefasst: Wie in den Jahrzehnten vor der Börsenbahn will das Unternehmen vom Fahren auf Verschleiß zu einer vorausschauenden Instandhaltung zurückkehren.

»Es ist alles nett, was der S-Bahnchef hier ankündigt«, sagt Jens Wieseke vom Berliner Fahrgastverband IGEB. »Das Kernproblem sind die essenziellen Infrastrukturprobleme«, so Wieseke weiter. Fehlende zweite Gleise und Bahnsteige zum Beispiel. »Das sagen wir seit den 1990er Jahren, aber es passiert nichts«, sagt der Fahrgastvertreter.

»Da sollte in den nächsten Jahren etwas passieren«, findet auch S-Bahnchef Buchner. Doch mehr als Gespräche mit Bund und Land gibt es bisher nicht.

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