Freier Sonntag

Ines Wallrodt über eine Initiative von Kaufhof, Karstadt und Co.

  • Lesedauer: 3 Min.

Ihre Klage ist nicht neu, nur jetzt erklingt sie im Chor: Einige Einzelhandelskonzerne fühlen sich diskriminiert, weil sie nicht dürfen, was Onlinehändler tun: sonntags Waren verkaufen. Dabei seien Kunden, Mitarbeiter und Händler doch mündig genug, um selbst zu bestimmen, ob sie am Sonntag einkaufen, arbeiten oder verkaufen wollten, sagen die Initiatoren, darunter Kaufhof, Karstadt, KaDeWe. Mit ihrer Initiative »Selbstbestimmter Sonntag« wollen sie auch diesen Tag zum Werktag machen.

Diskriminierung, Selbstbestimmung - starke Worte, die man in diesem Fall jedoch nicht all zu ernst nehmen sollte. Die Sonntagsruhe schränkt keine Grundrechte ein, sondern lediglich das Streben nach Profit. Zudem sind die Großen, die hier lautstark jammern, längst online mit im Geschäft. Es gibt viele Regeln, die den Einzelnen in seinem Tun bremsen, aber die Gemeinschaft schützen. Der Kunde darf sechs Tage in der Woche shoppen gehen, aber die Jacke, die ihm gefällt, nicht einfach mitnehmen. Kaufhäuser dürfen ihr Angebot selbst bestimmen, aber zu Recht schränken Gesetze ihre Freiheit ein. Sonst würden sie vielleicht noch heute »ganz mündig« einen 12-Stunden-Arbeitstag verordnen. Scheinheilig ist der Verweis der Kaufhausmanager auf die mündigen Mitarbeiter, die ganz frei in ihrer Entscheidung sind, ob sie sonntags an der Kasse sitzen oder sich über kurz oder lang einen neuen Job suchen.

Für einen Tag der »kollektiven Arbeitsunterbrechung« gibt es gute Gründe, die gerade wieder vom Bundesverwaltungsgericht bestätigt wurden. Wer an diesem Tag die Kaufhäuser öffnen will, der muss gewichtige Gründe, die im Gemeinwohlinteresse stehen, benennen. Rein »konsum- oder umsatzbezogene Interessen von Kunden und Händlern« reichen jedenfalls nicht aus. Öffnete man das Tor noch weiter als bisher, kämen immer neue Türen zum Vorschein. Dann sollen Waren auch am Sonntag geliefert werden, dann kommen andere, die gleiches Recht für alle einfordern: Am Ende wäre es mit der Sonntagsruhe im gesamten Handel vorbei. Deshalb ist es gut, dass ver.di und Kirchen so genau hinschauen, aus welchem Grund Kommunen und Städte Ausnahmen zulassen und regelmäßig mit Erfolg dagegen klagen. Wer sich darüber aufregt, reklamiert im Kern das Recht für sich, sich nicht um Gesetze scheren zu müssen.

Einzelhändler sind durch das Verbot der Sonntagsöffnung eingeschränkt. Das stimmt. Aber was sie wollen, ist, ihre Einschränkung gegen die Einschränkung anderer einzutauschen. Die Preisgabe des Sonntags würde Millionen Beschäftigte und Familien treffen, die diesen Tag nicht mehr gemeinsam für Fußball, Freunde oder Kino hätten. Das Nachsehen hätten auch kleinere Geschäfte, die sich die Sonntagsöffnung nicht leisten können. Bei Abwägung der Nachteile ist die Einschränkung für Karstadt und Co. wohl zu verkraften.

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