Das Helium wird knapp

Wegen Katar-Blockade fällt fast ein Drittel der Weltförderung des Edelgases aus

  • Von Bernd Schröder
  • Lesedauer: 3 Min.

Die Katar-Blockade Saudi-Arabiens und anderer Länder des Nahen Ostens richtet sich auch gegen einen Exportschlager des Emirats: Helium. Der Haupttransportweg führt auf dem Landweg durch Saudi-Arabien zum 700 Kilometer entfernten Hafen von Dschabal Ali in Dubai. Die Route ist unterbrochen, Katar hat die Heliumproduktion eingestellt.

Der größte Teil des terrestrisch vorkommenden Heliums ist Produkt des radioaktiven Zerfalls von Uran und Thorium und hat sich in Erdgasvorkommen angesammelt, bisweilen in relativ hohen Konzentrationen im einstelligen Prozentbereich, wie unter den nordamerikanischen Great Plains. Solche Konzentrationen machen eine Abtrennung bei tiefen Temperaturen lukrativ. Doch auch Erdgasvorkommen mit deutlich geringeren Heliumgehalten werden aufbereitet - etwa in Katar, dessen Erdgas 0,05 Prozent Helium enthält. Die große Menge des leicht zu fördernden Erdgases begründet die Wirtschaftlichkeit des Herangehens.

Im Nordfeld des Förderers Qatargas soll ein Viertel der bekannten Weltreserven an Helium lagern - die Lagerstätte gilt als eines der größten Erdgasvorkommen. Das Helium wird bei Ras Laffan in 14 Gasverflüssigungsanlagen abgetrennt, Jahreskapazität: 57 Millionen Kubikmeter. Die Anlagen werden von RasGas betrieben, einer Tochter der staatseigenen Qatar Petroleum. Die wichtigsten Abnehmer sind Industriegasanbieter: Air Liquide (50 Prozent), Linde (30 Prozent) und Iwatani (20 Prozent). Von Air Liquide stammt die größte Reinigungs- und Verflüssigungsanlage für Helium.

Der weltweite Heliumbedarf liegt jährlich bei rund 30 000 Tonnen. Die USA sind der größte Verbraucher und mit einem Anteil von 57 Prozent an der Gesamtproduktion das wichtigste Förderland. Katar fördert 29 Prozent des Heliums und ist führender Exporteur. Die restlichen 14 Prozent kommen vor allem aus Algerien, Australien, Russland, China und Polen. Fast das gesamte weltweite Heliumgeschäft ist über den Handel mit dem in Katar geförderten Edelgas verbandelt. Auch die USA importieren Helium aus Katar.

Das Gas wird vielseitig verwendet: als Schutzgas beim Schweißen, als Hilfsgas für Laser, als Treibgas in der Lebensmittelindustrie, als Atemgasmischung in der Intensivmedizin. Am wichtigsten ist seine Nutzung in der Tieftemperaturtechnik, die ein Viertel des erzeugten Flüssigheliums verbraucht, vor allem als Kühlmittel supraleitender Magnete etwa in der Magnetresonanztomographie.

Seit 2000 ist die Weltnachfrage um rund 20 Prozent gestiegen. Künftige Wachstumsraten werden auch von Großverbrauchern diktiert, vor allem von der südostasiatischen Elektronikbranche. Versorgungsengpässe hatten zwischen 2011 und 2013 zu einer Vervierfachung der Heliumpreise und vereinzelt zur Abschaltung wissenschaftlicher Großinstrumente geführt. Einige Anwender hatten Recyclingstationen installiert, um besser für Mängel gewappnet zu sein.

Im Juli ist mit ersten Auswirkungen der Blockade zu rechnen, vermuten Beobachter. Sollte die Krise nicht entschärft werden, könne der Heliumvertrieb über Lieferungen aus dem Hafen von Hamad organisiert werden. Sollten Katars Widersacher die Seeroute blockieren, entfiele die Option. Exporte von Flüssigerdgas ab Ras Laffan sind von der Blockade nicht betroffen. Am Dienstag kündigte Katar an, die Erdgasproduktion bis 2024 um 30 Prozent zu steigern.

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