Britische Notenbank hebt Leitzins an

US-Notenbank bleibt bei ihrer Zinspolitik, erwartet aber die Verkündung eines neuen Chefs

London. Die britische Notenbank hat ihren Leitzins erstmals seit rund zehn Jahren erhöht. Wie die Bank of England (BoE) am Donnerstag in London mitteilte, steigt er um 0,25 Prozentpunkte auf 0,5 Prozent. Es ist die erste Zinsanhebung seit Mitte 2007. Analysten hatten mehrheitlich mit dem Schritt gerechnet, weil die Zen- tralbank bereits starke Hinweise darauf gegeben hatte.

Mit dem Schritt macht die BoE einen Teil ihrer geldpolitischen Lockerung rückgängig, die sie aus Vorsichtsgründen nach dem Brexit-Votum Mitte 2016 ergriffen hatte. Aus der Befürchtung, die britische Wirtschaft könnte infolge des geplanten EU-Ausstiegs abstürzen, hatte die Notenbank sowohl ihren Leitzins gesenkt als auch zusätzliche Wertpapierkäufe zur Konjunkturstützung vorgenommen. Sie erntete dafür vonseiten der Brexit-Befürworter herbe Kritik. Niedrige Zinsen und eine Erhöhung der Geldmenge sollen die Wirtschaft vor allem besser mit Krediten versorgen und so insgesamt stützen.

Unterdessen hat die tschechische Notenbank zum zweiten Mal in diesem Jahr auf die gute wirtschaftliche Entwicklung Tschechiens mit einer Zinserhöhung reagiert. Der Leitzins werde von 0,25 auf 0,5 Prozent angehoben, teilte die Zentralbank am Donnerstag mit.

Am Mittwochabend hatte die US-Notenbank Fed dagegen ihren Leitzins unverändert auf dem Niveau zwischen 1,0 und 1,25 Prozent gelassen. Die Zentralbank erklärte jedoch, dass die US-Wirtschaft trotz der Folgen der Hurrikane weiter in einem »soliden Rhythmus« wachse. Dies dürfte die Erwartungen verstärken, dass die Fed bei ihrer nächsten anstehenden Entscheidung im Dezember den Zinssatz etwas nach oben schrauben könnte.

Zudem wurde für Donnerstag (nach Redaktionsschluss) erwartet, dass US-Präsident Donald Trump den neuen Chef der Notenbank bekannt geben würde. Laut Medieninformationen soll den Job Ex-Finanzinvestor Jerome Powell bekommen. Das »Wall Street Journal« berichtete am Mittwoch, Trump habe sich für den 64-Jährigen entschieden. Auch aus Kongresskreisen verlautete, führende Abgeordnete hätten Hinweise auf Powells Nominierung bekommen.

Derzeit ist Janet Yellen Chefin der Federal Reserve, ernannt wurde sie von Trumps Vorgänger Barack Obama. Ihre Amtszeit läuft im Februar aus, sie könnte die Zentralbank aber noch weitere vier Jahre führen. Trump hatte Yellen zwar wiederholt als »ausgezeichnet« gelobt - bei allen Personalentscheidungen bislang legte er aber Wert darauf, ihnen seinen eigenen Stempel aufzudrücken.

Powell ist Rechtsanwalt und gehört seit 2012 dem Gouverneursrat der Fed an. Wie Yellen tritt er für eine moderate Zinspolitik ein. Seit seiner Ernennung durch Obama stimmte er stets mit der Mehrheit.

Trump habe Powell am Mittwochabend über seine Wahl informiert, berichtete das »Wall Street Journal«. Die Entscheidung bedarf aber noch der Zustimmung des Senats. Trump muss in den kommenden Monaten zudem drei weitere Posten im Fed-Gouverneursrat neu besetzen, darunter den des Vizepräsidenten.

Seit dem Wahlsieg Trumps vor knapp einem Jahr hat die Fed den Zins bereits dreimal erhöht, allerdings nur leicht. Das bislang letzte Mal geschah dies im Juni. In den Jahren nach der Finanzkrise hatte die Fed noch einen Nullzinskurs verfolgt, um die Konjunktur anzuschieben. Agenturen/nd

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