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Großer Ärger mit dem Kleingeld

Sammeln für den guten Zweck - viele Banken verdienen mit

  • Iris Leithold, Schwerin
  • Lesedauer: 3 Min.

Nach einer erfolgreichen Spendensammlung mit prall gefülltem Klingelbeutel und guten Gesprächen mit den Passanten sorgt der anschließende Gang zur Bank bei vielen Engagierten für Frust. Viele Geldinstitute nehmen Gebühren für die Einzahlung der Münzen. »Das hat uns jahrelang bekümmert«, sagt Karsten Richter vom Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge in Mecklenburg-Vorpommern. Ehrenamtliche Helfer tragen bei der jährlichen Straßensammlung in den Wochen um den Volkstrauertag 45 000 bis 50 000 Euro zusammen. Viele der Helfer, die über das ganze Land verteilt sind, hätten sich irritiert gezeigt, dass ein Teil der Spenden bei der Einzahlung auf das Volksbund-Konto an die Bank geht, sagt Richter.

Auch der Landesjugendring leidet unter den Gebühren, die bei der Einzahlung der Ergebnisse der jährlichen Jugendsammlung am Bankschalter aufgerufen werden. »Das finden alle blöd, die sich aufmachen und sammeln«, sagt Christian Thönelt vom Landesjugendring. Doch Frust macht erfinderisch. Der Volksbund hat eine Ausweichstrategie gefunden. »Wir holen das Geld mit Hilfe der Bundeswehr von den Ehrenamtlichen zusammen und zahlen es in Schwerin auf unser Konto bei der Sparkasse ein. Da wir dort Kunde sind und eine soziale Organisation, müssen wir für die Einzahlung der Münzen auch bei einer größeren Summe keine Gebühr entrichten«, sagt Richter. Die Sparkasse Mecklenburg-Schwerin bestätigt: Grundsätzlich werden bei Bareinzahlungen nur 50 Münzen kostenfrei angenommen. Wird mehr Hartgeld gebracht, verlangt das Geldinstitut drei Prozent Gebühr, mindestens drei Euro. Aber die Sparkasse macht Ausnahmen. »Alle Einzahlungen auf Konten spendenempfangsberechtigter Vereine sind gebührenfrei«, sagt der Leiter der Abteilung Gesamtbanksteuerung, Arne Laß.

Die Schweriner Schelfkirche hat einen anderen Weg gewählt, den ins digitale Spendenzeitalter. Im Vorraum der auch von Touristen gern besuchten Barockkirche in der historischen Altstadt wurde ein EC-Karten-Lesegerät installiert, wie man es aus Geschäften kennt. Statt ein paar Münzen in den hölzernen Opferstock zu werfen, stecken Besucher ihre EC-Karte ein und geben den gewünschten Spendenbetrag sowie ihre PIN-Nummer ein. »Der Vorteil im Vergleich zur Bargeldspende ist, dass die Menschen einen Beleg bekommen und ihre Spende beim Finanzamt geltend machen können«, sagt der Küster der Schelfkirche, Lothar Dornau. »Und wir wollen auch nicht ständig zur Bank und Geld wegbringen.«

Das EC-Gerät werde vor allem von Touristen genutzt, während am Sonntag schon noch der traditionelle Kollektekorb herumgehe, sagt Dornau. »Sonst würde sich am Ausgang eine Schlange bilden.« In Schweden werde die Sonntagskollekte per Terminal eingesammelt. »Da warten die Leute und trinken noch eine Tasse Kaffee zusammen.« Die Schelfkirche ist bislang die einzige in Mecklenburg mit einem elektronischen Opferstock, wie der Sprecher des Kirchenkreises, Christian Meyer, berichtet. Nach anfänglichem Zögern würden darüber auch schon mal größere Beträge eingezahlt. Die zwölf Euro Miete für das Gerät im Monat lohnten sich, jedenfalls für Touristenkirchen. Die Schelfgemeinde überlege bereits, ein handytaugliches Gerät zu installieren.

Nach Meyers Worten sind die Filialen der Geldinstitute recht frei in ihrer Entscheidung, ob sie Kirchengemeinden eine Gebühr für das Einzahlen der Kollekte abnehmen. »Die Praxis zeigt, dass sich vor Ort insbesondere mit Sparkassen und Volksbanken, aber auch anderen Geldinstituten gute Lösungen finden lassen«, sagt er. Zudem gebe es Alternativen. So tauschten die Bundesbank-Filialen in Neubrandenburg und Rostock nicht nur die alte D-Mark, die sich in die Kollekte verirrt hat, sondern nähmen auch gebührenfrei Kleingeld an. dpa/nd

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