Immer mehr Schulen haben ein Gewaltproblem

Jugendgewalt steigt in Berlin / Gewalttäter werden jünger / Marzahn-Hellersdorf bleibt Hotspot bei Schulgewalt

  • Von Jérôme Lombard und Mia Kusic
  • Lesedauer: 3 Min.

Nachdem die Jugendgewalt in Berlin in den vergangenen Jahren rückläufig war, ist sie 2016 wieder gestiegen. Das geht aus dem aktuellen »Berliner Monitoring Jugendgewaltdelinquenz« hervor, das am Dienstag vorgestellt wurde.

»Der zu verzeichnende Anstieg der Jugendgewalt zeigt, wie wichtig Präventionsarbeit ist«, sagte Christian Gaebler (SPD), Innenstaatssekretär und Vorsitzender der Berliner Landeskommission gegen Gewalt. Entscheidend für die Präventionsarbeit sei die »Zusammenarbeit der Justiz und zivilgesellschaftlicher Akteure«, so Gaebler.

Die Zunahme der Gewalttaten in der Altersgruppe der acht- bis 21-Jährigen bezieht sich vor allem auf vorsätzliche leichte Körperverletzung, aber auch auf schwere und gefährliche Körperverletzung. Raubdelikte waren 2016 hingegen rückläufig.

»Die übergroße Zahl der Berliner Kinder und Jugendlichen wird nicht straffällig«, sagte Gaebler. Aber: Diejenigen, die Gewalttaten begehen, gingen hemmungsloser und brutaler vor. »Das ist ein ernsthaftes Problem«, so Gaebler. 2016 wurde gegen jeden 25. Berliner zwischen acht und 21 Jahren polizeilich ermittelt.

In Mitte, Marzahn-Hellersdorf, Reinickendorf und Spandau verzeichnete die Polizei 2016 die meisten kriminellen Handlungen von Kindern und Jugendlichen. Dicht gefolgt von Neukölln, Friedrichshain-Kreuzberg, Lichtenberg und Tempelhof-Schöneberg. In Charlottenburg-Wilmersdorf, Treptow-Köpenick, Steglitz-Zehlendorf und Pankow sind die Zahlen geringer als in Berlin insgesamt.

Einflussfaktoren der Jugendgewalt sind nach Angaben von Miriam Schroer-Hippel von der Arbeitsstelle Jugendgewaltprävention, die den Bericht erstellt, die soziale Lage des Viertels, in dem sie leben. Aber auch häusliche Gewalt und die Schulsituation der jungen Tatverdächtigen spielten eine Rolle. »Der Anstieg der Gewalttaten konzentriert sich auf männliche Jugendliche und Heranwachsende«, erläuterte Schroer-Hippel.

Der Bericht zeigt auch, dass Schulen ein immer größeres Gewaltproblem haben. 2016 sind im Vergleich zum Vorjahr wachsende Zahlen schulischer Gewaltdelikte polizeilich registriert worden. An Schulen in Marzahn-Hellersdorf wurde im vergangenen Jahr 930-mal und damit besonders häufig die Polizei gerufen. Zum Vergleich: In Mitte waren es 454-mal und in Pankow 111-mal. Die häufigsten Delikte waren Beleidigung, Bedrohung und Nötigung.

Auffällig ist, dass die Gewaltbereitschaft der Kinder im Alter von acht bis 14 Jahren zugenommen hat und mit 55,8 Prozent im schulischen Bereich höher liegt als bei den Älteren.

»Der Schule kommt als Ort der Prävention eine besondere Bedeutung zu«, sagte Albrecht Lüter von der Arbeitsstelle Jugendgewaltprävention. In den Schulen seien alle Kinder und Jugendlichen erreichbar, und es sei ausreichend pädagogisches Personal vorhanden. Angesichts des hohen Anteils gewaltbereiter Kinder müsse die Gewaltprävention an den Grundschulen verstärkt werden, forderte Lüter.

Der Bericht der Berliner Landeskommission zeigt seit 2007, wie sich die Jugendgewalt in Berlin, in den Bezirken und in den Schulen entwickelt. Zudem werden Handlungsempfehlungen für die Präventionsarbeit gegeben und Maßnahmen vorgestellt, die auf eine Reintegration der jungen Täter abzielen. Für die Projekte der kiezorientierten Gewalt- und Krimininalitätsprävention stellt der Senat 2017 insgesamt zwei Millionen Euro zur Verfügung, dies sind 135 000 pro Bezirk. Zielten die Präventionsprojekte bisher nur auf die Bekämpfung physischer Gewalt ab, soll jetzt auch psychischen Gewaltakten entgegen gewirkt werden. Der Fokus liegt dabei auf dem Internet und den sozialen Medien.

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