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Sternstunden der Endecker

Silke Vry und Martin Haake führen in versunkene Welten

Meistens waren es Männer, die die großen Entdeckungen der Vergangenheit machten. Wissenschaftler, Abenteurer, Schatzsucher - die Archäologie ist und war eine Männerdomäne. Doch Überraschungen gibt es immer: Im Falle der Höhlenmalereien von Altamira lief es ganz anders. Sie wurden von einem achtjährigen Mädchen gefunden.

Silke Vry/Martin Haake: Verborgene Schätze, versunkene Welten.
Große Archäologen und ihre Entdeckungen. Gerstenberg Verlag, 160 S., geb., 24,95 €.

Im Jahre 1879 nahm der Hobbyarchäologe Don Marcelino seine Tochter Maria mit zu einer Höhle, die sich auf seinem Grundstück im spanischen Altamira befand. Er hatte dort bereits nach Spuren von Steinzeitmenschen gesucht, die möglicherweise dort gelebt hatten. Doch vergebens. Bei einer Reise nach Paris jedoch bekam Don Marcelino ein paar Tipps von dem berühmten Historiker Edouard Piette, wie er am besten nach Werkzeugüberresten der Steinzeitmenschen suchen könne.

Und so sucht Don Marcelino auf allen Vieren in der engen dunklen Höhle nach solchen Werkzeugen. Während ihr Vater gräbt, langweilt sich Maria und geht zum Spielen in eine andere Ecke. Plötzlich erschrickt sie - an der Höhlenwand sieht es aus, als rase eine ganze Horde Tiere an ihr vorbei! »Schau, Papa, Rinder!«, ruft sie. Der Vater läuft zu ihr. Und tatsächlich, an der Höhlenwand fanden sich Zeichnungen von Bisons, Pferden, Wildschweinen und Hirschen. Die kleine Maria hat eine sensationelle Entdeckung gemacht. Die Höhlenmalereien von Altamira sind die ältesten Zeugnisse vorgeschichtlicher Kunst in Europa, die Höhle von Don Marcelino wird inzwischen sogar die »Sixtinische Kapelle der Steinzeit« genannt.

Silke Vry, selbst eine der wenigen weiblichen Archäologen, hat an verschienenen Ausgrabungen selbst teilgenommen. Seit vielen Jahren schreibt sie Bücher über Archäologie und Kunst für junge Erwachsene und Kinder. Die wichtigsten historischen Entdeckungen erzählt sie kindgerecht in ihrem Buch »Verborgene Schätze. Versunkene Welten« nach. Immer werden auch die Lebensumstände der Entdecker und Schatzsucher in die Geschichten eingebunden und zeigen, wie oft sogar die größten und wichtigsten Zeugnisse der Vergangenheit durch puren Zufall gefunden wurden. Nicht nur die kleine Maria hat einen Anteil daran, dass wir heute so viel über vergangene Epochen wissen. Der italienische Weinbauer Felice de Fredis entdeckte 1506 bei der Arbeit in seinem Weinberg, der später als Forum Romanum bekannt wurde, die Lakoon-Gruppe - dabei hatte er sich vorher über die schweren Steine auf dem Boden aufgeregt.

Der Biologe Henri Moughot war eigentlich nach Asien gereist, um dort Insekten zu erforschen - stattdessen stieß er bei seiner Expedition in Kambodscha auf die gigantische Tempelanlage Angkor Wat. Die ganz großen Funde wie die Osterinsel, griechische Hieroglyphen, Pompeij, Troja und natürlich die Pyramiden werden ebenfalls nicht vergessen.

21 Schatzfunde und Entdeckungen beschreibt Silke Vry in ihrem Buch, das Kindern einen spannenden Einstieg in die Archäologie bieten kann. Die Geschichten sind verständlich erzählt und mit detailgetreuen Illustrationen von Martin Haake ergänzt. Die Fülle an Informationen macht es zu einem lehrreichen Buch, das mit Sicherheit noch zu mehr Fragen anregen wird.

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