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  • Internationaler Tag gegen Gewalt an Frauen

Symbolpolitik reicht nicht

Marie Frank zu strukturellen Hintergründen von Gewalt an Frauen

  • Von Marie Frank
  • Lesedauer: 2 Min.

Anlässlich des Internationalen Tages gegen Gewalt an Frauen machen in Berlin zahlreiche Aktionen auf die dramatische Situation vieler Frauen aufmerksam. Es sind erschreckende Zahlen: 160 000 Vergewaltigungen gibt es jährlich in Deutschland, gerade einmal 1000 Täter werden verurteilt. Die Hemmschwelle, Anzeige zu erstatten, ist hoch. Kein Wunder, stammt doch der Täter meist aus dem direkten Umfeld. In fast 50 Prozent der Sexualdelikte war es der (Ex-)Partner, bei knapp 20 Prozent ein vermeintlicher Freund, Bekannter oder Nachbar und bei über zehn Prozent jemand von der Arbeit, Ausbildung oder Schule. Dementsprechend groß ist die Angst vor den persönlichen oder beruflichen Konsequenzen einer Anzeige.

Damit die traurige Realität vieler Frauen, die sich hinter den Zahlen verbirgt, nicht wieder aus dem kollektiven Bewusstsein verschwindet und sich im allgemeinen Informationsüberfluss verliert, braucht es jedoch mehr als nur Symbolpolitik. Neben konkreten Hilfsangeboten für Betroffene braucht es vor allem Strukturen, die solche Übergriffe in Zukunft verhindern. Klar ist: Dieses Problem kann nur gesamtgesellschaftlich gelöst werden. Denn Gewalt an Frauen ist auch deshalb Alltag, weil sie vielfach strukturell gefördert und verharmlost wird, anstatt sie effektiv zu bekämpfen.

Der vorherrschende patriarchale und sexualisierte Diskurs bietet einen optimalen Nährboden für diese absurd hohen Zahlen. Deshalb darf sich der Tag gegen Gewalt an Frauen nicht darauf beschränken, Frauen als Opfer sichtbar zu machen. Ohne eine damit verbundene Offenlegung der strukturellen Hintergründe der Gewalt, etwa durch überkommene Geschlechterordnungen, führt dies lediglich zu einer gewissen Normalisierung der Gewalt an Frauen.

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