Ballernde Testosteronlarrys

Der Actionfilm »Criminal Squad« ist eine öde Mackergeschichte, in der Frauen egal sind

  • Von Paula Irmschler
  • Lesedauer: 3 Min.

Wir befinden uns im Jahre 2018 n. Chr. Ganz Hollywood diskutiert über Sexismus und Männlichkeit. Ganz Hollywood? Nein! Eine unbeugsame Gruppe von Testosteronlarrys hört nicht auf, dem 21. Jahrhundert Widerstand zu leisten.

Es ist immer die gleiche Mackergeschichte. Erzählt wird sie auch in »Criminal Squad«: Eine Gruppe Krimineller plant den richtig großen Coup, der alles Vorangegangene in den Schatten stellen soll. Dabei geht einiges schief, es gibt Stress mit den Vertretern des Gesetzes, Geheimnisse und Intrigen, mysteriöse Typen, ausgeklügelte Strategien zum erträumten Erfolg, unerwartete Wendungen, Verfolgungsjagden und so weiter. Diese Geschichte, geschrieben und inszeniert von Christian Gudegast, spielt in Los Angeles und dreht sich vor allem um einen: Gerard Butler (aka Nick Flanagan aka »Big Nick«), der seit der Comicverfilmung »300« (USA 2006) öfter mal ins Fitnessstudio darf, um sich für diverse Actionrollen »in Form« zu bringen. In »Criminal Squad« spielt er einen unangenehmen Polizisten, der trotz seiner Position nicht zwingend zur guten Seite gehört, denn die Methoden seiner Spezialeinheit sind fies, gewalttätig und kaum von denen der Bösewichte zu unterscheiden. Die Bösewichte wollen die Federal Reserve Bank ausrauben. Warum denn auch nicht? Das passt Big Nick jedoch nicht, vermutlich aber nicht deshalb, weil er besonders gesetzestreu wäre, sondern weil er der krasseste Typ in town sein mag - nur eben mit Dienstmarke.

Während die Protagonisten in ähnlichen Filmen - wie »Heat« (USA 1995), an welchem man sich offensichtlich stark orientiert hat, oder »Ocean’s Eleven« (USA 1960/2001) - wenigstens irgendwelche Brüche erleben, Facetten und Schwächen haben, wirken die Figuren in »Criminal Squad« nahezu wie Soldaten: muskelbepackte, austauschbare, gesichtslose, böse Figuren. Ihren jeweiligen Geschichten wird kaum Zeit eingeräumt, zugunsten von ständiger Ballerei.

Bis auf eine Ausnahme: Der Fahrer der Truppe (O’Shea Jackson), der nicht in diese Welt zu gehören scheint, viel schwitzt und von den anderen nicht ernst genommen und sogar des Verrats verdächtigt wird, wird, wie kann es anders sein, am Ende noch alle überraschen.

Apropos abgedroschen: Frauen kommen in »Criminal Squad« zusammengerechnet auf ganze fünf Sätze. Sie haben weder Namen noch tragende Rollen. Wahrlich handelt es sich also hierbei um einen Film wie aus den guten, alten Zeiten, als Frauen noch schön egal waren. Die einzige weibliche Figur mit einer Funktion (ein paar weitere hätte man durchaus durch Stehlampen ersetzen können) ist die Angestellte eines Stripclubs, die vom Bösewicht dazu angestiftet wird, mit Big Nick zu schlafen, um dessen Handynummer herauszufinden. Wie in »Heat« sind alle Frauen bloß immanente Figuren des Patriarchats, dort haben sie aber wenigstens Funktionen - in »Criminal Squad« hingegen treten gar keine den Protagonisten nahestehende Frauen in Erscheinung. Maximal die Sexualität, nicht aber die Liebe, wird hier zur männlichen Schwachstelle.

Die Abwesenheit von Weiblichem kann man aber auch ganz anders interpretieren. Denn das Verhältnis von Ober-Gangster und Ober-Detective ist nicht nur von gegenseitiger Achtung und Respekt geprägt, es ist homoerotisch: Beim ersten gemeinsamen Treffen der beiden auf dem Schießstand spürt man förmlich das Prickeln zwischen den beiden, die Pistolen sind natürlich symbolisch, phallisch, und das Abdrücken geschieht voller Lust. Kämpfe zwischen den Männern sind stark körperlich, beinahe zärtlich, es gibt tiefe Blicke und intime Berührungen. Wenn man sich während des Films vorstellt, die beiden Anführer kämen am Ende zusammen, wäre es eine wunderbare Geschichte über toxische Männlichkeit und Coming-out. Leider endet der Film so aber nicht, so viel darf zumindest verraten werden.

»Criminal Squad« (»Den of Thieves«), USA 2017. Regie: Christian Gudegast, Darsteller: Gerard Butler, Jordan Bridges, 50 Cent, Pablo Schreiber, 125 Min.

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