Post entfristet nur Gesunde

Vertrauliches Konzept des Konzerns für unbefristete Arbeitsverträge veröffentlicht

  • Haidy Damm
  • Lesedauer: 2 Min.

Im Jahr 2016 waren in Deutschland laut Statistischem Bundesamt 4,856 Millionen Menschen befristet beschäftigt. Tendenz steigend. Das ist auch bei der Deutschen Post nicht anders. Laut Medienberichten macht der Konzern die Entfristungen von Arbeitsverträgen jedoch abhängig davon, wie gesund die Beschäftigten sind.

Am Sonntag hatte zunächst die »BamS« über ein vertrauliches Konzept aus dem März 2017 berichtet, das die Niederlassungsleiter nun von der Konzernspitze bekommen hätten. Darin heiße es, dass Beschäftigte, deren Verträge entfristet werden sollen, in zwei Jahren nicht häufiger als sechsmal krank gewesen sein beziehungsweise nicht mehr als 20 Krankheitstage anhäufen dürften. Weiter schreibe die Post vor, dass der Beschäftigte »höchstens zwei selbstverschuldete Kfz-Unfälle mit einem maximalen Schaden von 5000 Euro« verursachen dürfe. Außerdem dürften Postboten in drei Monaten nicht mehr als 30 Stunden länger für ihre Touren gebraucht haben als vorgesehen.

»Diese Kriterien sind menschenverachtend und sittenwidrig«, kritisierte Beate Müller-Gemmeke, Grünen-Sprecherin für Arbeitnehmerrechte, umgehend. Peter Weiß, Vorsitzender der Arbeitnehmergruppe von CDU/CSU, sagte: »So ein Kriterienkatalog ist ein Quatsch und der Personalabteilung eines Großunternehmens unwürdig.«

Bei der Post versteht man die Aufregung nicht. »Dass wir im Konzern überlegen, wer auf Dauer den Anforderungen gewachsen ist, das ist im Interesse aller Beteiligten, insbesondere der Kunden«, sagte ein Sprecher in Bonn und bewertete den Umgang als »verantwortungsbewusste« Entfristungspolitik. »Die Kriterien berücksichtigen ausgewogen, nachvollziehbar und an objektiven Merkmalen orientiert die Interessen des Unternehmens, der Kunden und natürlich der Beschäftigten selbst und bewegen sich im Übrigen im geltenden rechtlichen Rahmen.« Die Tätigkeit des Postboten sei auch körperlich anstrengend. Im übrigen berücksichtige die Post immer das Gesamtbild. Da Zusteller im Moment dringend gesucht würden, könne man außerdem davon ausgehen, dass die Auswahl nicht nach zu strengen Kriterien erfolge. 2017 habe die Post rund 9000 befristete Arbeitsverhältnisse in unbefristete überführt. Wie viele Beschäftigte insgesamt befristete Verträge haben, sagte der Konzernsprecher nicht.

Dabei werden Beschäftigte immer häufiger wegen Überlastung und Erschöpfung krankgeschrieben. Das geht aus der Antwort des Bundesgesundheitsministeriums auf eine Anfrage der LINKEN-Bundestagsfraktion hervor, über die am Wochenende die Funke Mediengruppe berichtete. Demnach stieg die Zahl der Fehltage von 2012 bis 2016 von 19,97 Millionen auf 30,53 Millionen im Jahr. Die LINKEN-Sprecherin für Mitbestimmung und Arbeit, Jutta Krellmann, forderte die Bundesregierung auf, eine Anti-Stress-Verordnung per Gesetz durchzusetzen. Mit Agenturen​

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