Laos erhöht Mindestlohn um 22 Prozent

Gewerkschaften setzen sich nach längerer Debatte durch

  • Alfred Michaelis
  • Lesedauer: 2 Min.

Seit drei Wochen gilt in Laos ein erhöhter Mindestlohn. Am 20. April hatte Phet Phonphiphak, Minister und Leiter des Büros von Premierminister Thongloun Sisoulith, die Mitteilung unterzeichnet, dass vom 1. Mai an der neue, 22 Prozent höhere Mindestlohn in Kraft ist. Statt bisher 900 000 Kip (rund 88 Euro) sollen abhängig Beschäftigte in Laos künftig mindestens 1,1 Millionen Kip (etwa 107 Euro) erhalten.

Damit reagiert die Regierung auf eine entsprechende Initiative der laotischen Gewerkschaften, die unter Hinweis auf steigende Lebenshaltungskosten ursprünglich einen neuen Minimallohn von 1,2 Millionen Kip vorgeschlagen hatten. Gespräche zwischen Gewerkschaften, dem Ministerium für Arbeit und Sozialfürsorge und der Industrie- und Handelskammer LNCCI waren über Monate eher schleppend verlaufen, nicht zuletzt, weil die Arbeitgebervertreter wiederholt auf die niedrige Produktivität der laotischen Wirtschaft hinwiesen.

Valy Vetsaphong, Vizepräsidentin der LNCCI, hatte zuletzt in einem Zeitungsinterview vor möglichen Wirkungen einer raschen Erhöhung des Mindestlohnes gewarnt und dabei speziell Entlassungen unqualifizierter Arbeiter und einen Rückgang ausländischer Investitionen erwähnt.

In ihrem jüngst veröffentlichen Wirtschaftsupdate zu Ostasien und dem Pazifikraum kommt die Weltbank ebenfalls zu dem Schluss, dass ausbleibende Produktivitätssteigerungen kombiniert mit einem höheren Mindestlohn private Investitionen bremsen könnten.

Der Vorsitzende der Gewerkschaften, Symoune Oulasy, machte dagegen den niedrigen Mindestlohn dafür verantwortlich, dass in Laos Stellen unbesetzt blieben und viele Menschen es vorzögen, im benachbarten Thailand besser bezahlte Jobs zu suchen.

Die nun verordnete Erhöhung des Mindestlohnes ist die dritte innerhalb der letzten sechs Jahre, wodurch sich der Satz gegenüber 2012 faktisch verdreifacht hat. Ob allerdings die neue Regelung tatsächlich umgesetzt wird, bleibt abzuwarten. Zwar drohte Arbeitsminister Khampheng Saysompheng bei Verstößen gegen die neue Regel mit empfindlichen Sanktionen, doch weisen Berichte in den Medien immer wieder darauf hin, dass selbst die Erhöhung des Mindestlohnes aus dem Jahr 2015 noch immer nicht überall durchgesetzt ist.

Wie viel den Beschäftigten im Niedriglohnsektor letztlich von der Lohnerhöhung bleiben wird, steht auf einem anderen Blatt. Nur wenige Tage nach dem Beschluss über das neue Minimum erhöhte beispielsweise der staatliche Verkehrsbetrieb der laotischen Hauptstadt die Preise im Nahverkehr um mehr als 20 Prozent. Auch der staatlich festgesetzte Benzinpreis ist in Jahresfrist um 17 Prozent, was sich etwas zeitversetzt auf viele Verbraucherpreise auswirkt. Und wie es aussieht, profitiert auch der Staat selbst vom neuen Mindestlohn. Ist nach Gesetz die erste Million Kip von der Einkommenssteuer befreit, so sind nun mit dem Überschreiten dieser Linie auch Bezieher des Mindestlohns steuerpflichtig.

Werde Mitglied der nd.Genossenschaft!
Seit dem 1. Januar 2022 wird das »nd« als unabhängige linke Zeitung herausgeben, welche der Belegschaft und den Leser*innen gehört. Sei dabei und unterstütze als Genossenschaftsmitglied Medienvielfalt und sichtbare linke Positionen. Jetzt die Beitrittserklärung ausfüllen.
Mehr Infos auf www.dasnd.de/genossenschaft

Das beste Mittel gegen Fake-News und Rechte Propaganda: Journalismus von links!

In einer Zeit, in der soziale Medien und Konzernmedien die Informationslandschaft dominieren, rechte Hassprediger und Fake-News versuchen Parallelrealitäten zu etablieren, wird unabhängiger und kritischer Journalismus immer wichtiger.

Mit deiner Unterstützung können wir weiterhin:


→ Unabhängige und kritische Berichterstattung bieten.
→ Themen abdecken, die anderswo übersehen werden.
→ Eine Plattform für vielfältige und marginalisierte Stimmen schaffen.
→ Gegen Falschinformationen und Hassrede anschreiben.
→ Gesellschaftliche Debatten von links begleiten und vertiefen.

Sei Teil der solidarischen Finanzierung und unterstütze das »nd« mit einem Beitrag deiner Wahl. Gemeinsam können wir eine Medienlandschaft schaffen, die unabhängig, kritisch und zugänglich für alle ist.

Vielen Dank!

Unterstützen über:
  • PayPal