Mehr Geld für Grundschullehrer

Bildungsrauschen

In Berlin werden ab dem Schuljahr 2019/20 Grundschullehrerinnen und -lehrer wie Gymnasiallehrkräfte bezahlt und damit dem höheren Lehramt und Wissenschaftlern gleichgestellt. Diese Entscheidung stößt bei einigen im Netz auf Unverständnis. Coroner postet zum Artikel »5300 Euro für alle« auf tagesspiegel.de: »Lehrer sollten angemessen bezahlt werden, keine Frage. Aber die Gleichbezahlung von Gymnasial- und Grundschullehrern zeigt eine Missachtung für fachlich anspruchsvollere Inhalte.« Und auch ThomasM will den »fachlich höheren Anspruch im Gymnasium mit einem etwas höheren Einkommen gewürdigt« sehen. Dragonfighter wiederum sieht das Verhältnis zu Wissenschaftlern in einer »Schieflage«. Denn diese hätten »nicht nur wie Lehrer ein Vollstudium hinter sich«, sondern »zusätzlich über mehrere Jahre den Doktorgrad erworben«. Er folgert, dass »am Ende Angebot und Nachfrage nicht nur die Preise, sondern auch die Gehälter« bestimmen.

Mit dem letzten Punkt hat er Recht, führen wir doch schon seit Jahren eine Debatte um die Wertschätzung von Grundschullehrerinnen. Erst der dramatische Lehrermangel in Berlin führte zum Einlenken der Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD).

Als »Notnagel« setzt man in Berlin immer häufiger auf Quereinsteiger, also auf Hochschulabsolventen ohne Lehramtsstudium, die direkt in das Referendariat einsteigen. Wie morgenpost.de berichtete, sind nur ein Viertel der zum Februar 2018 eingestellten Grundschullehrkräfte adäquat ausgebildet. Dies habe die Schulen in sozialen Brennpunkten besonders hart getroffen. So seien die Bezirke Mitte mit 52 Prozent, Spandau mit 53 Prozent und Neukölln mit 50 Prozent die Bezirke mit den höchsten Quereinsteiger-Quoten.

Es ist nicht von der Hand zu weisen, dass mit der Anhebung der Gehälter Anreize geschaffen werden, doch hat dies auch eine politische Note. Anfang Mai verkündete die Berliner GEW, dass der Aufstieg eine »nachhaltige und unumkehrbare Gleichstellung mit den Lehrkräften an Gymnasien und Sekundarschulen« bedeute. Damit werde der »Grundsatz der ungleichen Bezahlung von Lehrkräften nunmehr in Berlin als erstem Bundesland ausradiert«. (gew-berlin.de)

Mit der Angleichung wird der wissenschaftlich begründeten pädagogischen Leistung von Grundschullehrkräften Rechnung getragen. Allgemeine Erziehungswissenschaft, Grundschuldidaktik, pädagogische Psychologie und mehr gehören zum Studium der Grundschulpädagogik. Zudem ist Pädagogik Beziehungsarbeit, die reflektiert werden will und die zukünftig an Bedeutung gewinnt. Von daher ist die Aufwertung überfällig.

Erinnert sei an Finnland, wo die Wertschätzung der Lehrkräfte besonders hoch ist, so der Schulleiter der Deutschen Schule in Helsinki, Wolfgang Weber, auf finnland.fi. Er fügt hinzu: »Das ist manchmal gewöhnungsbedürftig für die Lehrkräfte, die aus Deutschland kommen. Sie müssen erst lernen, damit umzugehen, Lob für ihre Arbeit zu bekommen.« Für ihn liegt der wesentliche Unterschied in dem »vertrauensvollen Umgang« von Lehrern und Schülern, weniger im Unterrichtsstil.

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