Werbung

Politische Pedanterie

Simon Poelchau über die Blockade der Kredite für Griechenland

  • Simon Poelchau
  • Lesedauer: 2 Min.

Man kann die deutsche Haltung gegenüber Griechenland nur als politisch gewollte Pedanterie bezeichnen. Dass sich der Bundestag noch mal mit der Auszahlung der letzten Kredittranche beschäftigten soll, ist absolut überflüssig. Alle anderen Kreditgeber außer Deutschland scheint es nicht zu jucken, dass Athen die Mehrwertsteuer für fünf Inseln in der Ostägäis nicht anheben will. Warum auch? Es ändert nichts daran, dass das Land grundsätzlich die Auflagen der Gläubiger erfüllt - egal, wie drakonisch sie sind.

Doch Berlin ist aus Prinzip kleinlich gegenüber Athen. Schon 2010, vom ersten Moment an, an dem Griechenland auf Kredite der internationalen Gläubigerinstitutionen angewiesen war, saß der strengste Zuchtmeister in Berlin. Wann immer es in den vergangenen Jahren um die Aushandlung der Auflagen für die Kredite ging, setzte der ehemalige Bundesfinanzminister Schäuble eine Forderung oben drauf. Ungeachtet dessen, dass die drakonischen Sparauflagen die griechische Wirtschaft abwürgten sowie die Bevölkerung in Arbeitslosigkeit und Armut stürzten - Hauptsache, Berlin bekam seinen Willen.

Mit der jetzigen Aktion will die Bundesregierung Griechenland nur noch einmal ihre Macht spüren lassen, bevor das dritte Kreditprogramm am 20. August endet und Athen finanziell wieder auf eigenen Beinen steht. Doch für das Land wird der Albtraum auch danach nicht ganz vorbei sein, weil die EU-Kommission es weiterhin verstärkt überwachen wird.

#ndbleibt – Aktiv werden und Aktionspaket bestellen
Egal ob Kneipen, Cafés, Festivals oder andere Versammlungsorte – wir wollen sichtbarer werden und alle erreichen, denen unabhängiger Journalismus mit Haltung wichtig ist. Wir haben ein Aktionspaket mit Stickern, Flyern, Plakaten und Buttons zusammengestellt, mit dem du losziehen kannst um selbst für deine Zeitung aktiv zu werden und sie zu unterstützen.
Zum Aktionspaket

Linken, unabhängigen Journalismus stärken!

Mehr und mehr Menschen lesen digital und sehr gern kostenfrei. Wir stehen mit unserem freiwilligen Bezahlmodell dafür ein, dass uns auch diejenigen lesen können, deren Einkommen für ein Abonnement nicht ausreicht. Damit wir weiterhin Journalismus mit dem Anspruch machen können, marginalisierte Stimmen zu Wort kommen zu lassen, Themen zu recherchieren, die in den großen bürgerlichen Medien nicht vor- oder zu kurz kommen, und aktuelle Themen aus linker Perspektive zu beleuchten, brauchen wir eure Unterstützung.

Hilf mit bei einer solidarischen Finanzierung und unterstütze das »nd« mit einem Beitrag deiner Wahl.

Unterstützen über:
  • PayPal