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Vereine als Freibad-Retter

Sind Bürgerinitiativen die Lösung, wenn Kommunen das Geld für Schwimmbecken fehlt?

  • Von Claudia Götze, Simon Ribnitzky und Marie Frech
  • Lesedauer: 3 Min.

Die Oberfläche der gut 700 Kubikmeter Wasser im hellblauen Schwimmbecken glitzert in der Sonne. Daneben stehen Bänke auf einer hübschen Terrasse, eine Sprinkleranlage bewässert den gemähten Rasen. Für manche dürfte das kleine Freibad im thüringischen Weberstedt (Unstrut-Hainich-Kreis) ein echtes Kleinod sein. Für die Bewohner bedeutet es vor allem eine nahegelegene und gerade jetzt im Hochsommer gern genutzte Abkühlungsmöglichkeit.

Vor drei Jahren stand die Existenz des Bades auf der Kippe, der Betrieb trug sich nicht. Um es vor der Schließung zu bewahren, gründeten engagierte Bürger einen Förderverein. Darin sind inzwischen 70 Mitglieder aus Weberstedt und den umliegenden Gemeinden engagiert. »Wichtig sind die Sponsoren. Sonst könnten wir nur trocken schwimmen«, sagt Jeremi Schmalz vom Vorstand des Fördervereins. Denn ein Plus macht das Freibad trotzdem nicht.

»Wir als Verein kümmern uns um die Sponsorengelder, Arbeitseinsätze, Öffentlichkeitsarbeit, Internetseite und was alles so anfällt«, erklärt Schmalz. Eine neue Rutsche wurde zum Beispiel mit Lottomitteln finanziert. Die Gemeinde Weberstedt trage am Ende aber das jährliche Minus, was nicht durch Eintritt oder Spenden- und Sponsorengelder gedeckt werden konnte. »Das fällt unserer 600-Seelen-Gemeinde sehr schwer.« Die Verwaltungsgemeinschaft Unstrut-Hainich gebe allerdings auch immer eine Summe an die Gemeinde. Bademeister Sebastian Reinz ist der einzige hauptamtliche Mitarbeiter. Unterstützt wird er von ehrenamtlichen Rettungsschwimmern aus dem Förderverein oder der DRK-Wasserwacht in thüringischen Mühlhausen.

207 Bäder - darunter 149 Freibäder - gibt es nach Zahlen aus dem Bäderatlas der Deutschen Gesellschaft für das Badewesen in Thüringen. 171 sind es in Sachsen-Anhalt, 312 in Sachsen und 65 Mecklenburg-Vorpommern. Aber es werden immer weniger, sagt Joachim Heuser von der Deutschen Gesellschaft für das Badewesen. Denn so wie in Weberstedt gehe es vielen kleineren Bädern. Die knappen Kassen der Kommunen, Personalmangel, aber auch der demografische Wandel und mit ihm veränderte Besucherstrukturen seien Gründe dafür, dass zuletzt jährlich etwa 40 Bäder in Deutschland schließen mussten.

»Ein Förderverein kann für manche kleine Gemeinde daher die Ultima Ratio zum Erhalt der Bäder sein«, sagt Heuser. Allerdings sei es oft eine Frage, ob die Vereine die Arbeit durchhalten könnten. »Die Aufgaben sind sehr anspruchsvoll, Technik muss gewartet werden, da sind Profis gefragt, und auch am Beckenrand müssen Menschen mit entsprechender Ausbildung stehen.« Ein Förderverein stoße manchmal an Grenzen, wenn es um größere Renovierungen gehe.

Dennoch hat sich auch in Aderstedt, einem 350-Einwohner-Ort im Landkreis Harz in Sachsen-Anhalt, ein ehrenamtlicher Förderverein zusammen gefunden, um das Freibad dort zu betreiben. »Wir haben der Gemeinde die gesamte Anlage für einen Euro abgekauft«, sagt Vereinschef Jens Klaus. Die Verwaltung wollte das Bad aus Geldmangel schließen. Klaus fand schnell Mitstreiter, die das verhindern wollten.

Rund 50 Mitglieder engagieren sich derzeit in dem Verein. Zunächst mussten die Ehrenamtlichen kräftig anpacken. »Der Zustand der Anlage war eine Katastrophe«, erinnert sich Klaus. In kleinen Schritten wird das Bad saniert, Geld fließt nur aus Mitgliederbeiträgen, Spenden und den spärlichen Einnahmen des Badebetriebs. Zudem muss ein Profi bezahlt werden, der sich um die Einhaltung der Wasserqualität kümmert.

»Wir sind mit null Euro gestartet, das war schon ein bisschen Harakiri«, gibt Klaus zu. »Am Ende jeder Saison machen wir Kassensturz und schauen, ob wir noch ein Jahr dranhängen können.« Als Vorbildmodell sieht Klaus den Betrieb durch Ehrenamtliche nicht. Das Engagement von Vereinen werde zunehmend für selbstverständlich gehalten, bedauert er. »Kommunen stehlen sich hier aus der Verantwortung.« Nach Angaben der Gemeinde Huy wird auch das Freibad im benachbarten Ortsteil Dedeleben von einem Verein betrieben und laut Klaus gibt es weitere Bäder in der Region, die nach einem ähnlichen Modell funktionieren. dpa/nd

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