Mehr ICE, mehr Baustellen

Mit dem Fahrplanwechsel will die Bahn mehr Hochgeschwindigkeitszüge fahren lassen

  • Hans-Gerd Öfinger
  • Lesedauer: 3 Min.

Mehr Fernverkehrszüge für einzelne Verbindungen, mäßig höhere Fahrpreise und baustellenbedingt deutlich längere Fahrzeiten ab dem kommenden Jahr - das ist das durchwachsene Fazit aktueller Verlautbarungen der bundeseigenen Deutschen Bahn. So sollen nach aktuellen Angaben der Berliner Zentrale zum Fahrplanwechsel am 9. Dezember Fahrscheine zum vollen Preis (Flexpreis) in der ersten und der zweiten Klasse im Schnitt jeweils 1,9 Prozent teurer werden und das durchschnittliche Preisniveau für Züge des Fernverkehrs bei Berücksichtigung aller verschiedenen Tarifangebote unterm Strich um 0,9 Prozent steigen. Mit diesen Preissteigerungen liege man immer noch unter der Inflationsrate, die im September bei 2,3 Prozent lag, versucht die Bahn die Gemüter zu beruhigen.

Mit dem Fahrplanwechsel sollen auch einige Angebotsverbesserungen im Fernverkehr zum Tragen kommen. So sollen auf der Ende 2017 vollständig in Betrieb genommenen Schnellstrecke zwischen Berlin und München künftig pro Tag und Richtung fünf statt bisher drei Sprinterzüge verkehren. Diese halten nur an wenigen Bahnhöfen und können die Strecke in knapp vier Stunden zurücklegen. Dort soll ab Dezember auch der neue ICE 4 und damit die vierte und jüngste Generation des Hochgeschwindigkeitszuges seit der Inbetriebnahme der ersten Neubaustrecken Anfang der 1990er Jahre unterwegs sein.

Nach Bahnangaben dürfte die Nachfrage nach Reisen auf der Strecke Berlin-München die ursprünglichen Ziele in diesem Jahr bei weitem übertreffen. Die Rede ist von 3,5 Millionen Kunden, die zwischen Januar und September Züge auf dieser Strecke genutzt haben. Ursprünglich lag die Zielmarke für das gesamte Jahr bei 3,6 Millionen. Damit könnte die Kalkulation ein Stück weit aufgegangen sein, dass mit der schnelleren Verbindung etliche Reisende zwischen München und Berlin vom Flugzeug in den ICE umgestiegen sind.

Zu den Angebotsverbesserungen gehört eine neue ICE-Direktverbindung von Berlin nach Wien. Diese Strecke soll in knapp acht Stunden zurückgelegt werden. Auf der stark nachgefragten Strecke von Düsseldorf nach Stuttgart sollen häufigere Direktverbindungen über den Frankfurter Flughafen verkehren. Über die historische Mitte-Deutschland-Verbindung zwischen Nordrhein-Westfalen, Kassel, Erfurt und Gera sollen durchgehend täglich drei Zugpaare rollen.

Nicht so epochemachend, wie auf den ersten Blick vermutet, ist die Ankündigung, dass zwischen Frankfurt am Main, Köln, Aachen und Brüssel ICE-Züge durchgehend von früh bis spät im Zweistundentakt verkehren werden. Schließlich fuhren noch in den 1990er Jahren und damit vor der Inbetriebnahme der Hochgeschwindigkeitsstrecke zwischen Aachen und Brüssel flotte und zuschlagsfreie D-Züge im Stundentakt durchgehend von Köln über Brüssel bis zum flämischen Fährhafen Oostende. Auch die Ankündigung einer neuen Eurocity-Verbindung von Berlin über Wroclaw nach Krakow ist keinesfalls historisch. Schließlich bestand schon früher eine solche Direktverbindung, bis sie zum Leidwesen mancher Bahnfahrer eingestellt und teilweise durch einen Fernbus ersetzt wurde.

Geduld werden Bahnfahrer in den kommenden Jahren vor allem auch im Fernverkehr aufbringen müssen. Grund hierfür sind notwendige und zeitraubende Sanierungsarbeiten an den bald drei Jahrzehnte alten ICE-Hochgeschwindigkeitsstrecken zwischen Hannover und Würzburg sowie zwischen Mannheim und Stuttgart. Im Zuge dieser Baumaßnahmen soll als erste Etappe der niedersächsische Streckenabschnitt zwischen Hannover und Göttingen von Juni bis Dezember 2019 gesperrt werden. Die Züge werden dann auf die parallel verlaufende traditionelle Strecke im Leinetal über Northeim und Alfeld umgeleitet. Hier verkehren bereits zahlreiche Regional- und Güterzüge.

Damit gehen deutliche Fahrzeitverlängerungen einher. Auch dürfte es zur vorübergehenden Streichung einzelner Züge kommen. Die Zeit sei reif für eine grundlegende Sanierung, »um die Qualität der Schnellfahrstrecke für künftige Generationen weiter gewährleisten zu können«, begründet die Bahn die Maßnahmen. Die restlichen Etappen sollen bis 2023 in Angriff genommen werden.

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