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Campus-Absage ist ein Erfolg
Martin Kröger begrüßt die Absage des Internetkonzerns
Dass die CDU (»Fatales Signal!«) und die FDP (»Schaden der gesamten Stadt«) die Umwandlung des Google-Campus zugunsten von sozialen Organisationen politisch ausschlachten werden, war erwartbar. Wer angesichts von realer Verdrängung von alteingesessenen Berlinern aber in diesem Kontext von »Kiez- und Milieuschutz-Fanatikern« schwadroniert, hat Berlin nicht verstanden. Das schlägt sich dann natürlich auch in miesen Zustimmungswerten in den Umfragen wieder.
Wie unsinnig die Mär vom »investorenfeindlichen« Berlin darüber hinaus ist, die die Rechten verbreiten, zeigt ein Blick auf die wirtschaftlichen Fakten: Nach Angaben der Investitionsbank Berlin wird das Bruttoinlandprodukt der Hauptstadt mit einem Plus von 2,7 Prozent erneut über dem Bundesdurchschnitt liegen. Wegen der hohen Dynamik steigt auch die Anzahl der sozialversicherungspflichtigen Jobs. Was das angeht, liegt Berlin mit einer Steigerung von 49 500 Jobs auf 1,48 Millionen innerhalb eines Jahres an der Spitze der Bundesländer. Dass der Wegfall von 60 Büroarbeitsplätzen, die Google im Umspannwerk Kreuzberg einrichten wollte, diese allgemeine wirtschaftliche Dynamik brechen wird, ist auszuschließen.
Für die zahlreichen Initiativen, die um ihre Kieze kämpfen, ist der Schwenk des Internetkonzerns, dagegen ein schöner Erfolg. Mehr aber auch nicht. Deshalb werden in Kreuzberg an diesem Mittwochabend keine Sektkorken knallen. Zwar wird die Ansiedlung der sozialen Unternehmen begrüßt. Aber die genauen Details der Vereinbarung von Google sind unbekannt. Und an der alles bedrohenden Verdrängungsrealität ändert die Google-Entscheidung gar nichts. Die läuft auch ohne Campus täglich weiter.
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