Schlappe für die NordLB

Die schlummernden Risiken in den Bilanzen der Banken

  • Hermannus Pfeiffer
  • Lesedauer: 4 Min.

Die Banken in vielen Ländern haben sich mit Anleihepapieren ihrer Staaten vollgepumpt. Rund 500 Milliarden Euro an Bundespapieren liegen in den »Tresoren« der deutschen Kreditinstitute, mehr als 600 Milliarden Euro an italienischen Staatsanleihen besitzen Italiens Banken. Doch was passiert, wenn der Staat Zahlungsprobleme kriegt? Dann droht ein Szenario wie 2010 in Griechenland: Bankenpleite, Staatspleite, Euro-Krise – so lautet die Kette, vor der sich die Europäische Bankenaufsichtsbehörde EBA in London fürchtet. Um einen Crash zu verhindern, mussten sich die wichtigsten Banken Europas einem Stresstest unterziehen.

Dabei sind die seit der Finanzkrise stark gestiegenen Staatsschulden bei weitem nicht die einzige Unwägbarkeit in den Bankbüchern. Zu den hausgemachten Problemen gehören noch viele faule Kredite: Die Europäische Zentralbank schätzt die Summe der Problem-Darlehen auf über 800 Milliarden Euro.

In Italien ist der Anteil fauler Kredite am gesamten Kreditvolumen mit 12 Prozent extrem hoch (Deutschland 2 Prozent); noch höher liegt er in Portugal (18), Zypern (34) und Griechenland (47). Den Stresstest für griechische Institute hatte die EZB wegen des dritten Rettungsprogramms vorgezogen. Er ging glimpflich aus.

Zu den hausgemachten gesellen sich Probleme von außen. Europas schwächelnde Geldgiganten - nur wenige große Institute vor allem in Großbritannien und Frankreich verdienen im Moment richtig viel Geld - stehen von drei Seiten unter Druck.

Zum einen hat ihnen die Konkurrenz in den Vereinigten Staaten den Rang abgelaufen. Das Durchgreifen der Regierung Barack Obamas nach 2007 hatte die US-Finanzindustrie zur Neuorientierung gezwungen. Nun füllen ihnen Hochkonjunktur und die Steuerreform von Präsident Donald Trump die Kassen. Amerikas Notenbank Fed will bald die Aufsicht lockern.

Auf Europas Heimatmärkten wachsen im Internet mit den Fin-Techs neue Konkurrenten heran. Diese brechen in angestammte Geschäftsfelder der Banken ein. So verdrängte im September das Fin-Tech Wirecard das Dax-Gründungsmitglied Commerzbank aus dem wichtigsten deutschen Aktienindex. Der Zahlungsdienstleister ist an der Börse über 20 Milliarden Euro wert. Und hat damit auch die Deutsche Bank überholt, die im anders gearteten Stresstest der US-Notenbank im Sommer durchgefallen war.

Druck erfahren die Banken auch von sogenannten Schattenbanken. Auf die nahezu unregulierte Finanzdienstleister, wie den US-Fonds Blackrock oder »Peer-to-Peer«-Plattformen, die Darlehen von Privat an Privat vermitteln, entfallen laut der Bank für Internationalen Zahlungsverkehr (BIZ) mittlerweile etwa ein Drittel aller Finanztransaktionen weltweit.

Am Freitag veröffentlichten die EU-Bankenbehörde EBA und die Europäische Zentralbank die Ergebnisse des jüngsten Fitness-Checks der europäischen Finanzbranche. Schon vorab hatten die Aufseher die Geldbranche gemahnt, fitter zu werden. 48 Banken aus 15 EU-Ländern und Norwegen mussten sich der Belastungsprobe unterziehen, allein aus Deutschland waren es acht.

»Eines der gravierendsten Probleme, vor denen europäische Banken stehen, ist der Mangel an Profitabilität«, kritisierte die oberste EZB-Bankenaufseherin Daniele Nouy. Vor allem italienischen Banken zeigten die Aufseher von EBA und EZB die gelbe Karte. Aber auch die französischen Großbank Société Générale schnitt überraschend schlecht beim Eigenkapital ab.

Dunkelgelb sah auch die deutsche NordLB. Eine Welle von faulen Schiffskrediten war 2017 zu einem Rekordverlust von fast zwei Milliarden Euro aufgelaufen. Auch für dieses Jahr sind die Erwartungen kaum optimistischer. Allerdings hat die öffentliche Landesbank Helaba Interesse an einer Übernahme der NordLB signalisiert. Sie wäre dann Zentralbank für zwei Drittel der Sparkassen.

Mit dem Stresstest 2018 wird die Verletzlichkeit eines Instituts gegenüber ungünstigen Geschäftsentwicklungen ermittelt. Bei der Ermittlung halfen, wie schon bei früheren Stresstests private Finanzdienstleister. Einer davon war ausgerechnet Blackrock. Die amerikanische Fondsgesellschaft ist an den meisten der gestressten Banken beteiligt.

Durchfallen konnte bei diesem Stresstest offiziell niemand. Doch sei er für die einzelnen Institute eine Art TÜV, um Schwachstellen zu erkennen, so der private Bankenverband BdB. Die Leistungsfähigkeit solcher Tests, die auf hypothetischen Szenarien basieren, dürfe weder überschätzt noch unterschätzt werden. So hatte im Stresstest 2016 die spanische Großbank Banco Popular gut abgeschnitten – ein Jahr später rettete sie nur die Übernahme durch den Konkurrenten Santander vor einem Zusammenbruch.

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