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Aus dem NSU nichts gelernt?

Marie Frank über den rechten Terror im Süden Neuköllns

  • Von Marie Frank
  • Lesedauer: 2 Min.

Es ist für die Betroffenen des rechten Terrors in Berlin-Neukölln eine nervenaufreibende Angelegenheit: Seit Jahren kann die Polizei nicht einen einzigen Erfolg bei der Tätersuche vorweisen. Mittlerweile gibt sie sich nicht mal mehr die Mühe, Aufklärungswillen vorzutäuschen, und stellt die Ermittlungen nach nur kurzer Zeit gleich ganz ein. Dabei ist der infrage kommende Täterkreis seit langem bekannt: Im Zentrum der Ermittlungen steht der stadtbekannte Neonazi Sebastian T., der just zu dem Zeitpunkt aus dem Knast kam, als die Terrorserie in Neukölln losging. Doch weder er noch seine Kameraden müssen offensichtlich mit strafrechtlichen Konsequenzen rechnen, und so gehen die Anschläge weiter und die Menschen in Neukölln fürchten weiter um ihr Leben. Wieder einmal scheint sich zu bestätigen, dass der Staat auf dem rechten Auge blind ist.

Die Betroffenen hoffen, dass mit der Anerkennung der Anschlagsserie als rechter Terror und der Übernahme der Ermittlungen durch den Generalbundesanwalt endlich Erfolge eintreten. Dessen Begründung, dass die Tätergruppe nicht groß genug sei, um als Terrorgruppe zu gelten, ist ein Schlag ins Gesicht der Opfer. Wurde aus dem NSU denn gar nichts gelernt? Es braucht nicht viele Menschen, um Terror zu verbreiten. Es braucht jedoch sehr viel Ignoranz, den rechten Terror in Neukölln nicht als solchen zu erkennen und in Kauf zu nehmen, dass durch die Untätigkeit der Ermittlungsbehörden irgendwann tatsächlich Tote zu beklagen sind. Es wäre ja nicht das erste Mal.

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