Höcke wird nicht mehr in ZDF-Talkshows eingeladen

Chefredakteur Frey: »Zeigen, wo die Grenzen demokratischer Gesinnung verlaufen«

  • Lesedauer: 2 Min.

Mainz. ZDF-Chefredakteur Peter Frey will den AfD-Politiker Björn Höcke nicht mehr als Gast in den Talkshows seines Senders sehen. In einem »Zeit«-Interview verneinte er die Frage, ob der thüringische AfD-Chef noch ein geeigneter Gast in Talkshows sei. Wer bei der Landtagswahl im Oktober Höcke gewählt habe, habe »bewusst rechtsextrem« gewählt, sagte Frey.

»Wir Medien haben niemanden zu erziehen«, so der Chefredakteur. »Aber wir müssen zeigen, wo die Grenzen demokratischer Gesinnung verlaufen.« Im September hatte sich Frey bereits dafür gerechtfertigt, dass der Sender ein Interview mit Höcke vorzeitig beendet hatte. Der Politiker gehört zum rechtsnationalen »Flügel« der AfD. Ein Gericht erklärte es im Kontext einer Demonstration für zulässig, Höcke als »Faschisten« zu bezeichnen.

Selbstkritik: ZDF ist zu alt

Frey äußerte sich in dem »Zeit«-Streitgespräch mit ZDF-Zuschauern auch zu Kritik am Programm des Senders. »Wir sind zu alt geworden, nicht nur was unsere Zuschauer angeht, sondern auch beim Personal«, sagte er. Der Sender habe außerdem zu wenige verantwortliche Redakteure mit ostdeutschem Hintergrund. »Ich sage meinen jungen Kollegen immer: Leute, wir leben in einer Zeit, in der es spannender ist, Korrespondent in Magdeburg zu sein als in Washington«, betonte Frey.

Der 62-jährige Journalist reagierte auch auf Kritik des Vereins »Neue deutsche Medienmacher*innen«, nach der das ZDF zu wenige Migranten in seine Talkshows einlade. »Leider kriegen wir nicht alle Gäste mit Migrationshintergrund, die wir gern hätten«, erklärte Frey. Manche schlügen die Einladung aus, weil sie nach Auftritten schon viele Anfeindungen erlebt hätten. »Ich finde das besorgniserregend«, sagte Frey, der seit 2010 Chefredakteur des Mainzer Senders ist. Das ZDF müsse »die Verschiedenheit unserer Gesellschaft noch mehr reinholen« in Programm und Organisation. Agenturen/nd

Werde Mitglied der nd.Genossenschaft!
Seit dem 1. Januar 2022 wird das »nd« als unabhängige linke Zeitung herausgeben, welche der Belegschaft und den Leser*innen gehört. Sei dabei und unterstütze als Genossenschaftsmitglied Medienvielfalt und sichtbare linke Positionen. Jetzt die Beitrittserklärung ausfüllen.
Mehr Infos auf www.dasnd.de/genossenschaft

Linken, unabhängigen Journalismus stärken!

Mehr und mehr Menschen lesen digital und sehr gern kostenfrei. Wir stehen mit unserem freiwilligen Bezahlmodell dafür ein, dass uns auch diejenigen lesen können, deren Einkommen für ein Abonnement nicht ausreicht. Damit wir weiterhin Journalismus mit dem Anspruch machen können, marginalisierte Stimmen zu Wort kommen zu lassen, Themen zu recherchieren, die in den großen bürgerlichen Medien nicht vor- oder zu kurz kommen, und aktuelle Themen aus linker Perspektive zu beleuchten, brauchen wir eure Unterstützung.

Hilf mit bei einer solidarischen Finanzierung und unterstütze das »nd« mit einem Beitrag deiner Wahl.

Unterstützen über:
  • PayPal