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Aufbruch in Neu-Hohenschönhausen

Auf einer Tour des Berliner Senats durch den Bezirk Lichtenberg wurden die Pläne für ein neues Stadtentwicklungsprojekt vorgestellt

Es ist grau, kalt und zugig. Und zu sehen gibt es eigentlich nur viel Leere. Die Mitglieder des versammelten Senats um den Regierenden Bürgermeister Michael Müller (SPD) versuchen trotzdem, freundlich zuzuhören, als ihnen Monika Kuhnert am Dienstagmittag unweit des S-Bahnhofs Hohenschönhausens eines der neuesten Lichtenberger Stadtentwicklungsprojekte vorstellt. Kuhnert koordiniert im Auftrag des Bezirksamts das Projekt.

Die Senatoren wiederum sind auf Einladung von Lichtenbergs Bürgermeister Michael Grunst (Linke) auf einer Art Klassenfahrt durch den Bezirk. Schaffung von bezahlbarem Wohnraum, von Räumen für Kunst und Kultur: Grunst bemüht sich während der mehrstündigen Bustour nach Kräften, den Gästen die Vorzüge und Potenziale Lichtenbergs zu preisen.

Erstes Ausflugsziel ist nun also das Projekt an der Wartenberger Straße 175, das seit kurzem den Arbeitstitel »Urbanes Zentrum Neu-Hohenschönhausen« trägt. Eine Fläche, »die große städtebauliche Defizite aufweist«, wie Projektkoordinatorin Kuhnert sagt. Dabei ist das noch freundlich formuliert. Tatsächlich dient die 60 000 Quadratmeter große Fläche zwischen dem S-Bahnhof und dem Linden-Center am Prerower Platz seit Jahren als Parkplatz. Von »Urbanität« und »Zentrum« ist hier nichts zu spüren.

Das will der Bezirk ändern. Mehrere Hundert Wohnungen sollen hier in den nächsten Jahren in Kooperation mit der städtischen Wohnungsbaugesellschaft Howoge entstehen, dazu ein »Kunst-, Kultur-, Dienstleistungs- und Verwaltungszentrum«. Man wolle Räume schaffen für Künstler*innen, Ateliers und Open Spaces, so Kuhnert. Das Standesamt soll hier perspektivisch ebenso einziehen wie die Volkshochschule, ein Bürgeramt, eine Musikschule, überdies die Anna-Seghers-Bibliothek, die derzeit noch auf drei Etagen im benachbarten Einkaufszentrum untergebracht ist. Zur Untermiete, und nicht eben preiswert, wie es aus dem Bezirksamt Lichtenberg heißt. Der aktuelle Untermietvertrag der Seghers-Bibliothek läuft demnach noch bis 2024. »Wir wären froh, wenn wir das Objekt bis dahin fertigstellen könnten - aber das wäre sehr sportlich«, sagt Kuhnert. Auch Bürgermeister Grunst dämpft die zeitplanerischen Erwartungen: »In diesem Jahr möchten wir den städtebaulichen Wettbewerb abschließen, um 2021 einen Bebauungsplan ausarbeiten zu können. 2023 könnte es schließlich losgehen.« Angestrebt werde ein beschleunigtes Bebauungsplanverfahren.

Es ist nicht der erste Anlauf, das Areal zu entwickeln. Zu DDR-Zeiten hatte es Pläne gegeben, auf dem Gelände das Rathaus des damals neu gegründeten Stadtbezirks Hohenschönhausen zu errichten. Die Pläne verschwanden in der Schublade, die Fläche blieb leer. Daran änderte auch der Neustart der Planungen vor rund zehn Jahren nichts. Das Gelände wurde an eine Investorengruppe verkauft, die einen neuen Verbrauchermarkt, ein Wohn- und Geschäftshaus und einen, wie es damals hieß, ansprechend gestalteten Platz errichten wollte. Doch wieder einmal geschah: nichts.

Im letzten Jahr zog das Bezirksamt Lichtenberg schließlich entnervt die Reißleine. Der Kaufvertrag mit dem Investor wurde rückgängig gemacht. Seither ist das Areal wieder in Landesbesitz. »Wir haben jetzt die einmalige Chance, den Bereich endlich selbst zu entwickeln«, sagt auch Daniela Bell, Leiterin des Amts für Weiterbildung und Kultur in Lichtenberg, der vor allem der Umzug der Seghers-Bibliothek am Herzen liegt.

Über die zu erwartenden Kosten für das zumindest theoretisch nicht eben klein dimensionierte Bauvorhaben will freilich im Moment noch niemand im Bezirksamt sprechen. »Wir haben noch nicht so viel in der Kasse, dass wir uns das leisten können«, sagt Projektkoordinatorin Kuhnert nur. Aber deshalb setze der Bezirk auch auf »finanziell gut aufgestellte Partner wie die Howoge«.

Die Senatsmitglieder blicken wohlwollend, äußern sich allerdings nicht. Sie steigen wieder in den Bus. Weiter geht es zur nächsten Station.

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