Wenn der Finanzpolizist schläft

Linkspolitiker Fabio De Masi über das Versagen der Aufsichtsbehörde und der Politik im Wirecard-Skandal

Sie haben einen Fragenkatalog an den Chef der Finanzaufsichtsbehörde Bafin geschickt, der am Mittwoch dem Finanzausschuss des Bundestags wegen des Wirecard-Skandals Rede und Antwort stehen soll. Was genau wollen Sie von Felix Hufeld wissen?

Ich möchte wissen, wo die Bafin die ganze Zeit über war, denn unter ihren Augen hat sich der größte Börsenskandal der jüngeren deutschen Geschichte ereignet. Die »Financial Times« hatte dazu ziemlich viele Berichte veröffentlicht, und die deutsche Finanzaufsicht ging gegen die Journalisten vor, statt die Vorwürfe hinreichend zu untersuchen.

Fabio de Masi
Um Wirecard rankt sich der größte Bilanzskandal der jüngeren deutschen Geschichte. Trotz zahlreicher Berichte über Unregelmäßigkeiten bei der Dax-Firma blieb die deutsche Finanzaufsicht lange Zeit untätig. 
Eine grundlegende Reform der Kontrollregeln fordert der Vizevorsitzende der Linksfraktion im Bundestag, Fabio De Masi. Mit dem Finanzexperten sprach Kurt Stenger.
Foto: privat

Hatte die Bundesbehörde überhaupt die Möglichkeiten, den Vorwürfen nachzugehen? Die Betrügereien fanden ja in Südostasien statt.

Meiner Meinung nach: Ja. Die Bafin hätte aktiver mit Aufsichtsbehörden dort zusammenarbeiten können, die sich Wirecard ja auch vorgeknöpft haben. Außerdem nimmt die Bafin jetzt aufgrund ihrer generellen Zuständigkeit für die Wertpapieraufsicht Wirecard insgesamt unter die Lupe. Wieso hat sie das nicht schon früher getan?

Der Bafin-Chef räumt ja inzwischen ein, dass seine Behörde bei Wirecard völlig versagt hat. Aber was könnten die Gründe dafür sein?

Ich vermute, dass die Bafin neben der Aufsicht über die Finanzunternehmen auch den Finanzplatz Deutschland pflegen will. Hier war man ja stolz darauf, dass Wirecard - ein ehemaliges Schmuddelkind der Branche, das in der Zahlungsabwicklung für die Porno- und Onlinewetten-Industrie groß geworden ist - auf einmal weltweit in der ersten Liga der Fintechs mitspielte. Solche Firmen werten zum Beispiel große Mengen an Finanzdaten aus, um Ausfallrisiken mit Künstlicher Intelligenz zu ermitteln. Je größer die Datenmacht und die Umsätze, desto besser lassen sich Zahlungsausfälle verkraften. Wirecard wollte daher um jeden Preis wachsen und hat wohl auch Umsätze vorgetäuscht. Das war eine Wette auf die Zukunft. Vielleicht wollte die Bafin nicht zu viel Staub aufwirbeln, um den wirtschaftlichen Erfolg dieses Unternehmens nicht zu gefährden.

Daher kam es bestimmt nicht gut an, dass Sie in den vergangenen Jahren als Einziger regelmäßig bei der Bafin und der Regierung nachfragten, was wegen der Gerüchte um Wirecard eigentlich übernommen wird.

Ich war der Nestbeschmutzer. Auch viele Anleger schrieben mir, ich würde den Börsenkurs schlechtreden. Dabei wäre es doch gerade im Interesse der Anleger gewesen zu wissen, ob die Bilanzen denn stimmen. Die Finanzaufsicht ist uns