Bürger ohne Amt

Marie Frank über die Nichterreichbarkeit der Verwaltung in der Coronakrise

  • Von Marie Frank
  • Lesedauer: 2 Min.

Wer zurzeit versucht, das Berliner Bürgertelefon anzurufen, um einen Termin in einer Behörde zu vereinbaren, wird vermutlich folgende Ansage hören: »Im Moment sind alle unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Gespräch, bitte versuchen Sie es später noch einmal.« Später bedeutet in diesem Fall: Am Sankt-Nimmerleins-Tag, denn auch sechs Stunden und weitere sechs Anrufe später, scheinen immer noch alle Telefone besetzt zu sein. Auch die Online-Terminbuchung funktioniert nicht.

Für die Berliner*innen ist das ein riesiges Problem: Egal ob Wohnsitz ummelden, einen neuen Ausweis beantragen oder, wie in meinem Fall, ein neues Motorrad anmelden: Es ist zurzeit schlicht nicht möglich. Was in einigen Fällen einfach nur ärgerlich ist - die Motorradsaison ist in vollem Gange, doch trotz des schönen Wetters muss das gute Stück in der Garage stehen bleiben - , kann in anderen Fällen fatal sein. Denn die Bürgerämter sind auch zuständig für Anträge auf Wohngeld oder die Anmeldung eines Gewerbes. Monatelange Wartezeiten können da schnell existenzbedrohend werden. Ebenso kleine Betriebe sind darauf angewiesen, ihre Firmenwagen anzumelden.

Als Bewohner*in dieser Stadt fühlt man sich in dieser Situation ziemlich hilflos zurückgelassen. Corona hin oder her, es kann nicht sein, dass der Zugang zur Berliner Verwaltung quasi versperrt ist. Die Politik muss einerseits dafür sorgen, dass die Behörden vernünftig ausgestattet sind, sowohl was das Personal, als auch was Internetzugang aus dem Homeoffice betrifft. Zum anderen müssen die Vorgänge entbürokratisiert werden. Warum überhaupt persönlich vorstellig werden? Vieles ließe sich ohne Probleme online (oder passender für unsere Steinzeitverwaltung: per Post) erledigen.

Eine gute Nachricht gibt es am Ende dann doch: Nach acht Stunden hat sich tatsächlich jemand am anderen Ende der Leitung gemeldet. Ich habe jetzt einen Termin bei der Kfz-Zulassungsstelle. Ende September. Bis dahin ist es vermutlich zu kalt zum Fahren.

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