Eine Männerfreundschaft

Wann endlich trennt sich »Welt«-Chef Ulf Poschardt von seinem rechten Troll-Kolumnisten?

  • Von Mascha Malburg
  • Lesedauer: 3 Min.

Don Alphonso, der eigentlich Rainer Meyer heißt, hat diese Woche (mal wieder) versucht mit seiner »Welt«-Kolumne einen Pseudoskandal auszulösen. Dabei hat er (mal wieder) eine mittelbekannte Antifaschistin seinen Twitter-Anhängern zum Fraß vorgeworfen - und genießt nun vermutlich die Ruhe auf seiner Acht-Quadratmeter-Terrasse am Tegernsee, während seine Fans die von ihm Beschuldigte (mal wieder) mit Drohungen und Ekelnachrichten zerfleischen.

Ziel dieser Hetzkampagne, die wie alle vorherigen nach dem gleichen billigen Muster verläuft, ist die Rechtsextremismusexpertin Natascha Strobl. Die hat es nämlich gewagt, den Social-Media-Leiter der Bundeswehr, dem Nazi-Inhalte im Netz gefallen, zu kritisieren. Hier soll nicht wiederholt werden, mit welchen heuchlerischen Anschuldigungen und Verzerrungen Rainer Meyer Frau Strobl denunziert – die Blogger von »Volksverpetzer«, einer Plattform zur Aufdeckung rechter Hetze, haben das bereits detailliert aufgedeckt.

Vielmehr geht es um die Frage, die nach dieser Kampagne (mal wieder) auf Twitter auftaucht: Wann endlich trennt sich »Welt«-Chef Ulf Poschardt von seinem rechten Troll-Kolumnisten?

Eine ziemlich naive Frage eigentlich, wenn man bedenkt, wie viel diese Männer zusammenschweißt. Poschardt und Meyer sind beide im Frühjahr 1967 geboren, Ulf in Nürnberg, Rainer keine 100 Kilometer entfernt, in Ingolstadt. Zwei bayerische Jungs, die sich nach Abitur und Studium als Journalisten versuchten und es in die großen, seriösen Zeitungen schafften – wo sie scheiterten. 2000 kündigte die »Süddeutsche« Poschardt nach einem Fälschungsskandal, 2018 trennte sich die »FAZ« von Meyer. Da war Poschardt bereits Chefredakteur der »Welt« – und holte den Leidensgefährten zu sich. Seitdem darf Meyer unter Poschardts Fittichen herumtrollen. Und wenn es Kritik gibt, stänkert Poschardt auf seinem Twitter-Profil ein bisschen mit oder beruft sich, wenn es mal eng wird, auf die Meinungsfreiheit.

Meyers Kolumnen amüsieren seinen Chefredakteur vermutlich, schließlich regt der sich dort mit Vorliebe über die »Systemredakteure« und »Medienpaladine« Merkels auf - und hat sicherlich die Leute vor Augen, die ihn und seinen Chef damals rausgeschmissen haben. Erweitert wird dieses Feindbild durch all diejenigen, die Poschardt inzwischen abschätzig als »NBL« (Neue Bourgeoise Linke) bezeichnet – was absurd ist, wenn man bedenkt, dass er gerne vor seinem restaurierten Porsche posiert, während sein Kolumnist lieber Fotos von dem Bergpanorama vor seinem Hauptwohnsitz schießt.

Das Gefährliche an dieser bourgeoisen Männerfreundschaft ist, dass sie die sehr realen Anhänger der Kunstfigur Don Alphonso in ihrem Glauben bestärkt, sie seien die Vorkämpfer einer salonfähigen, auch in einer großen Zeitung akzeptierten Haltung. Solange Poschardt abnickt, dass Meyer wahlweise Klimaexpertinnen, Politikerinnen links der CDU und antifaschistische Journalistinnen zu den Feinden der Mehrheitsgesellschaft erklärt, wird es Extremisten geben, die diese Gedanken weiterstricken und die entsprechenden Menschen massiv angreifen. Und solange diese Masche Klicks bringt, bleiben Ulf und Rainer unzertrennlich.

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