Die Spieler meckern

Während viele Eishockeyprofis von Kurzarbeitergeld leben, verschiebt die DEL ihren Start in die Adventszeit

  • Jörg Soldwisch
  • Lesedauer: 3 Min.

Sechs Tage vor Heiligabend soll der Puck wenn möglich wieder übers Eis fliegen, doch bis dahin steht das deutsche Eishockey vor der Zerreißprobe. Nach der erneuten Verschiebung des Saisonstarts nimmt die Kritik aus dem Spielerkreis nicht ab, die Forderungen werden sogar immer konkreter. Die Führung der Deutschen Eishockey Liga (DEL) wehrt sich derweil gegen den Vorwurf, in der Krise nicht entschlossen und kreativ genug nach Lösungen gesucht zu haben.

Gefunden wurde offenbar zumindest ein neuer Starttermin für die Saison 2020/21, es ist mittlerweile der dritte: Laut der Fachzeitschrift »Eishockeynews« haben sich die 14 DEL-Klubs den 18. Dezember »mit Bleistift in ihre Kalender notiert«. Soll heißen: Lässt es die wirtschaftliche Lage zu, will die Liga am dritten Dezemberwochenende beginnen. »Geplant wäre nach wie vor eine Doppelrunde mit 26 Heimspielen«, verrieten die Gesellschafter Lothar Sigl und Martin Horber der Augsburger Panther auf der Vereins-Homepage.

Die neu gegründete Spielervereinigung Eishockey (SVE) forderte die DEL derweil auf, konkrete Lehren aus der Krise zu ziehen und neue Konzepte zu erstellen, die die Abhängigkeit von den Zuschauereinnahmen verringert. »Wir müssen uns ein bisschen breiter und gesünder aufstellen. Aber wir bleiben immer in unserer Eishockeyblase. Das ist unser Problem«, sagte der SVE-Vorsitzende Moritz Müller der »Süddeutschen Zeitung«.

Der Kapitän der Kölner Haie könne die wirtschaftlichen Zwänge der Klubs zwar verstehen, aber er habe »nicht das Gefühl, dass wirklich alle Register gezogen wurden. Jetzt ist es allerhöchste Eisenbahn, endlich mal umzudenken«, sagte der Nationalspieler. Man müsse »raus aus der Schublade« und sich diesbezüglich den Handball als Vorbild nehmen: »Die bekommen es hin.«

Im Eishockey sei mit den jüngsten Erfolgen durch die Nationalmannschaft »viel angeschoben« worden, so Müller: »Aber unsere Außendarstellung könnte besser sein.« Genau wie die Erträge bei den TV-Geldern. Nach der zweiten Verschiebung des Saisonstarts habe er nun »auf jeden Fall Angst«, dass die Spielzeit komplett ausfallen könnte, gab der 33-Jährige zu: »Wir sprechen in der Kabine. Wir sagen, wir müssen was machen, nicht nur so vor uns hin vegetieren.« Die meisten Profis leben seit dem Abbruch der Vorsaison vom Kurzarbeitergeld (maximal 2900 Euro netto).

DEL-Geschäftsführer Gernot Tripcke wehrt sich jedoch gegen die Kritik von Spielerseite. Er könne diese zwar nachvollziehen, sagte er »Eishockeynews«: »Letztlich ist es aber sehr leicht daher gesagt, denn an Corona gibt es keine Schuldigen und solche Äußerungen bringen uns nicht weiter.« Die Liga sei teilweise im Free-TV zu sehen, bei MagentaSport könne man alle Partien »zu sehr fairen Preisen« verfolgen. Außerdem habe man mitten in der Coronakrise einen Titelsponsor und »jahrelang seriöse Hauptsponsoren« gewinnen können.

Die DEL hofft derzeit, dass in den kommenden Wochen zumindest die bürokratischen Hürden für den im Konjunkturpaket beschlossenen Ausgleich von bis zu 800 000 Euro pro Klub aus dem Weg geräumt werden. Dass weitere Finanzhilfen fließen, die das von der DEL ausgemachte 60-Millionen-Euro-Loch stopfen könnten, ist aber fraglich. Auch die gewünschte Aufstockung der maximalen Hallenauslastung von derzeit 20 auf 50 oder gar 60 Prozent ist angesichts der steigenden Corona-Fallzahlen unrealistisch.

»Es kann doch nicht nur diese eine Lösung geben: 60 Millionen Euro oder mehr Zuschauer«, kritisierte Moritz Müller: »Da fehlt mir die Alternative.«SID/nd

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