Pflege wirklich neu denken

Claudia Krieg sieht die Armen in der Pflege zu wenig berücksichtigt

  • Von Claudia Krieg
  • Lesedauer: 2 Min.

»Pflege-Dialog« und »Berliner Pakt für die Pflege«, Ausbau der Pflegestützpunkte, denen es leider immer noch an Bekanntheit fehlt - es gab nicht wenige Versuche in den vergangenen Jahren, das Thema Pflege stärker in den politischen und gesellschaftlichen Fokus zu rücken. Es gab etwas mehr Geld für die Berliner Beschäftigten, und eine ganze Ausbildung wurde reformiert, um dem Ziel - der Verdopplung der Fachkräftezahl - ein Stück näher zu kommen. Es gab Initiativen gegen Leiharbeit, weil sie die ohnehin schon hohe Fluktuation und Diskontinuität in dem Bereich eher noch befördern, die grundsätzlich ein großes Problem darstellen. Mit der Konzertierten Aktion Pflege hat sich zwischenzeitlich sogar bundespolitisch Einiges in Bewegung gesetzt. Dennoch haben all diese Versuche eines gemeinsam: Sie schauen auf Pflege weniger als den Teil einer gemeinsamen Erfahrung einer ganzen Gesellschaft, sondern nehmen nur einzelne Bereiche oder einzelne Gruppen in den Blick. Meist handelt es sich dabei um die Beschäftigten, allerdings weniger um die, die diesen Beruf schon jahrelang unter miserablen Bedingungen ausführen, als um die, die es zukünftig braucht, um das System am Laufen zu halten: 10 000 neue Pflegefachkräfte müssen in den nächsten zehn Jahren nach Berlin kommen.

Es sind aber bereits Hunderttausende Menschen, die in der Hauptstadt ihr Leben der Pflege widmen oder auf sie angewiesen sind. Viele Alte sind arm, können sich keine altersgerechten Wohnungen leisten, bleiben zudem lieber in ihren Nachbarschaften. Und vielen Angehörigen geht es nicht viel anders: Sie pflegen zusätzlich zu Belastungen durch Jobs und andere Sorgearbeit, bekommen weniger Geld als die Profis, sind sie Hartz-IV-Bezieher*innen, wird ihnen das Pflegegeld noch auf die Bezüge angerechnet. Wenn die Grünen es schaffen, diese Probleme anzugehen, dann wäre ein Stück Ungerechtigkeit aus der Welt.

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