Stadtwälder so krank wie noch nie

Nur sieben Prozent ohne Schäden - vor allem Kiefern leiden unter Dürre und Hitze, Eichen leicht erholt

  • Von Tomas Morgenstern
  • Lesedauer: 3 Min.

Den Wäldern der Hauptstadt, und ganz besonders den Kiefernbeständen, geht es sehr schlecht. Noch nie gab es so wenig gesunde Bäume in Berlins Wäldern, nur noch sieben Prozent von ihnen sind ohne sichtbare Schäden. Von einem historischen Tiefstand seit Beginn der Erhebungen 1991 ist die Rede im Waldzustandsbericht 2020, der am Montag in der Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz vorgestellt wurde.

»Nach drei Jahren mit langen Trockenheitsperioden und großer Hitze sind insbesondere Kiefern betroffen, die 60 Prozent der Berliner Waldbäume ausmachen«, heißt es dazu in einer Pressemitteilung. Auch der Anteil abgestorbener Bäume habe 2020 mit 2,7 Prozent (2019: 1,7 Prozent) einen neuen Höchstwert erreicht. Der neue Waldzustandsbericht bestätige damit die besorgniserregende Entwicklung des Vorjahres. Insgesamt habe sich der Zustand der Berliner Wälder noch einmal leicht verschlechtert.

Umweltsenatorin Regine Günther (Grüne) sieht in der besorgniserregenden Entwicklung eine Folge des Klimawandels. »Der Berliner Wald leidet sicht- und messbar unter der Erderhitzung«, erklärte sie bei der Vorstellung des Berichts. Lange Trockenheitsphasen und hohe Temperaturen im dritten Jahr in Folge setzten ihm enorm zu. »Deshalb haben wir unsere Anstrengungen zum Waldschutz mit definierten Klimaanpassungsmaßnahmen deutlich erhöht. Wir steuern dem Waldsterben mit einem großangelegten Mischwaldprogramm, ökologischer Bewirtschaftung, deutlich mehr Personal und Geld entgegen«, so die Senatorin. Der Wert des Berliner Waldes für das Stadtklima, die Artenvielfalt und als Refugium für die Berlinerinnen und Berliner, gerade auch in Zeiten der Pandemie, sei kaum zu überschätzen.

Wie Elmar Lakenberg, Leiter der landeseigenen Forsten und damit zuständig für rund 28 500 Hektar, erläuterte, sei die Kiefer mit einem Anteil von rund 60 Prozent der Bestände die dominierende Baumart in Berlin. Die Kiefer habe besonders unter der großen Trockenheit und Hitze in den vergangenen drei Jahren gelitten. Laut Bericht sind nur noch fünf Prozent aller Kiefern völlig intakt. Insofern sei der Osten und Südosten wegen der dort weiter verbreiteten homogenen Kiefernbestände vermutlich stärker in Mitleidenschaft gezogen. Zumal die Bestände dort im Schnitt auch älter seien. Die mit etwa 21 Prozent zweithäufigste Baumart, die Eiche, habe sich dagegen leicht erholen können - wenn auch auf schwachem Niveau.

Die seit 1991 jährlich vorgenommene Waldzustandserhebung beruht auf Stichproben an 41 Messpunkten und erfasst rund 1000 Bäume. Die visuelle Begutachtung registriert Kronenverlichtung, Vergilbung, Fruchtbildung sowie Insekten- und Pilzbefall. Demnach erreichte der Anteil abgestorbener Bäume 2020 mit 2,7 Prozent (2019: 1,7 Prozent) einen neuen Höchstwert. Mit 36 Prozent blieb das Niveau deutlich geschädigter Bäume gleich hoch, während der Anteil mit leichten Schäden leicht auf 57 Prozent zunahm.

Um klimabedingte Folgeschäden möglichst zu begrenzen, setzt Berlin auf Waldumbau. Dem Bericht zufolge wurden seit 2012 knapp drei Millionen neue Bäume gepflanzt. Wie Elmar Lakenberg erklärte, setzte die Forstverwaltung zur Durchmischung der Bestände auf eine möglichst große Vielfalt einheimischer Arten, neben Sträuchern Laubarten wie Eichen, Buchen, Hainbuchen, Linden und Ahorne. Und man strebe eine möglichst große genetische Breite an.

Nachdem die Nachpflanzungen 2018 die Dürre nicht überstanden, wurden im Herbst 2019 insgesamt 468 240 Bäume gepflanzt, von denen 80 Prozent angewachsen sind. Im Herbst 2020 folgten weitere 425 000 Bäume.

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