Millionen für Soldatenspiele

Das Verteidigungsministerium bezahlt der Bundeswehr ein Sportgroßereignis

  • Von Olek Meyer
  • Lesedauer: 3 Min.

Generalleutnant Jürgen Weigt war im Sportausschuss am 28. Oktober nur wenig überzeugend. Jedenfalls für den sportpolitischen Sprecher der Fraktion Die Linke, André Hahn. Weigt hatte gerade eine kaum beachtete Veranstaltung vorgestellt: die 4. Winterspiele 2022 des Internationalen Militärsportbundes CISM in Berchtesgaden. Dass die Kosten von zehn Millionen Euro aus dem Bundeshaushalt kommen, hat aber wohl einige Mitglieder im Sportausschuss überrascht.

Hahn wollte genauer wissen, wo dieser Betrag herkommt, da er die Mittel seines Wissens nie mitbewilligt hatte - und fragte im Bundestag nach. Peter Tauber, parlamentarischer Staatssekretär im Verteidigungsministerium, bestätigte in der Antwort auf Hahns kleine Anfrage im November, dass das Geld nicht im Einzelplan aufgeführt ist, »sondern nach Abschluss der Planungen in den jeweiligen originären Kapitel/Titeln gemäß ihrer Zweckbestimmung veranschlagt« werden. Laut Hahn im Gespräch Anfang Dezember mit »nd« wird dies im Haushalt des Verteidigungsministeriums nicht klar aufgelistet, also gut versteckt, um eine öffentliche Debatte zu vermeiden.

Der CISM wurde 1948 von Belgien, Dänemark, Frankreich, den Niederlanden und Luxemburg unter dem Leitspruch »Freundschaft durch Sport« gegründet. Heute sind 140 Staaten und ihre Armeen Mitglied, unter ihnen auch Länder, die teils noch heute im militärischen Konflikt miteinander stehen, wie Süd- und Nordkorea, Indien und Pakistan oder USA und Iran.

Dass bei den Militärspielen Freundschaft entsteht, konnte der international agierende Sportbund also noch nicht unter Beweis stellen. Die erste sportartenübergreifende Veranstaltung fand 1995 mit der Premiere der Militärischen Sommerspiele in Rom statt. Seitdem wandern die Spiele im olympiabekannten Vier-Jahres-Rhythmus durch die Mitgliedsländer. Der CISM schmückt sich außerdem mit zahlreichen Partnerverbänden, dazu zählt auch das Internationale Olympische Komitee. Auch die Bundeswehr schickt regelmäßig Delegationen zu internationalen Sportereignissen. Kein Wunder, ist sie doch ein großer Player im deutschen Spitzensport. Viele Sportler*innen sind bei der Bundeswehr angestellt und werden gezielt in Sportfördergruppen eingebunden. Das Verteidigungsministerium lässt sich das im Jahr 35 Millionen Euro kosten. Durch solche Summen und die vorhandene Infrastruktur macht sich die Bundeswehr unverzichtbar für den Leistungssport. Das Verteidigungsministerium gibt sich als Heilsbringer, denn dank Weiter- und Fortbildungen während der sportlichen Laufbahn könnten Athlet*innen nach dem Karriereende in der Arbeitswelt Fuß fassen.

Doch es gibt auch Kritiker*innen dieses Systems. So warb die Deutsche Friedensgesellschaft - Vereinigte KriegsdienstgegnerInnen (DFG-VK) im Rahmen der Olympischen Sommerspiele 2016 mit dem Slogan: »Die Bundeswehr ist kein Sportverein!« Auch André Hahn meint, dass Spitzensportförderung ohne die Bundeswehr gehen muss. »Warum kann man nicht einen Fond bilden beim Innenministerium, das für den Sport zuständig ist, und dieses Geld wird dem Sportlern zu Verfügung gestellt?«, fragt der Linkspolitiker. Dabei sei nicht von Bedeutung, ob die Person als Lehrling in der Privatwirtschaft angestellt sei oder im öffentlichen Dienst arbeite. Alle Spitzensportler*innen sollten die Chance haben, sich ihren Lebensunterhalt zu sichern und eine Berufsperspektive zu entwickeln.

Für die Bundesweher steht der Sport im Hinblick auf die Winterspiele 2022 ohnehin nur bedingt im Vordergrund. Schaut man sich den Werbespot für die Veranstaltung an, besteht daran kein Zweifel. Neben einigen Landschaftsbildern und Ausschnitten deutscher Städte, stehen Soldat*innen in Uniform neben Kampfjets oder bewaffnete Militärs in verschneiten Bergen. Bei der Veranstaltung scheint es also weniger um die sportlichen Leistungen zu gehen, vielmehr will die Bundeswehr ihre Attraktivität fördern.

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