Premierensieg auf die alten Tage

Biathlonolympiasieger Arnd Peiffer gewinnt überraschend den Massenstart in Hochfilzen

  • Von Volker Gundrum, Hochfilzen
  • Lesedauer: 3 Min.

Seinen überschwänglichen Gefühlsausbruch nach seinem Coup im Weltcup von Hochfilzen erklärte Arnd Peiffer nur wenig später wieder gewohnt nüchtern. »Ich freue mich, weil es mein erster Massenstartsieg ist. Ich habe nicht unbedingt geglaubt, dass ich das in meiner Karriere noch einmal schaffe«, sagte der 33 Jahre alte Biathlon-Olympiasieger. »Deswegen waren die Emotionen vielleicht auch ein bisschen größer, als man das von mir gewohnt ist.«

Kurz hatte Peiffer am Sonntag zu seinem letzten verbliebenen Konkurrenten zurückgeblickt, die Arme dann in die Höhe gerissen, die Fäuste geballt und seine Freude lauthals herausgeschrien. Dabei hatte der ehemalige Weltmeister in der ersten Weltcupwoche in Hochfilzen noch aus »privaten Gründen« gefehlt, sich daheim in der Nähe von München auf Skirollern vorbereitet. »Etwas holprig« sei das gewesen, sagte er.

Trotzdem sorgte der Älteste im Team von Bundestrainer Mark Kirchner mit dem ersten Saisonsieg nach zuletzt nicht ganz so entspannten Tagen wieder für gute Laune im deutschen Lager. Es habe viele Diskussionen gegeben, verriet Peiffer nach seinem zehnten Weltcupsieg, die Stimmung sei nicht die beste gewesen. Benedikt Doll hatte mit seiner Materialkritik vor einer Woche die Aufregung mit ausgelöst. Nun vervollständigte der Schwarzwälder als Massenstartvierter hinter dem fehlerfreien Peiffer, dem Schweden Martin Ponsiluoma und Norwegens Tarjei Bö den starken deutschen Biathlontag.

Zwar schafften es die Teamkolleginnen danach im letzten Weltcuprennen des Jahres nicht auf das Podest. Doch angeführt von Geburtstagskind Denise Herrmann, die beim Sieg von Weltcupspitzenreiterin Marte Olsbu Röiseland Fünfte wurde, platzierten sich auch die 26-jährige Franziska Preuß als Neunte und die erneut fehlerfrei schießende Schwarzwälderin Janina Hettich (24) als Zehnte noch unter den besten Zehn. Preuß zeigte einmal mehr ihre Beständigkeit, hatte in der zweiten Hochfilzen-Woche eine weitere Podestplatzierung nur knapp verpasst.

»Jetzt können wir durchpusten und uns mit Optimismus und Motivation auf den Heimweltcup in Oberhof vorbereiten. Da wollen wir wieder richtig angreifen«, sagte Herrmann, die am Sonntag 32 Jahre alt geworden war. Die frühere Langläuferin wollte eigentlich im Gesamtweltcup angreifen, nach neun von 26 Rennen liegt sie aber bereits 172 Punkte hinter Röiseland zurück. »Insgeheim hätte ich mir mehr erhofft«, sagte ihr Trainer Florian Steirer über das erste Saisondrittel.

Bei den Männern fehlten Doll am Ende 2,4 Sekunden zum Podium und Rang drei. Der 30-Jährige war am Premierensieg seines Teamkollegen Peiffer nicht ganz unbeteiligt. Er habe sich gesagt, »ich mach jetzt mal ein bisschen langsam und bremse die hinter mir aus. Da konnte Arnd noch mal ein paar Sekunden mitnehmen«, sagte Doll über eine der entscheidenden Szenen auf der Schlussrunde des Rennens mit vier Schießeinlagen. So musste Peiffer nur Ponsiluoma überspurten und musste sich nicht auch noch mit dem schnellen Bö auseinandersetzen.

Tags zuvor hatte Erik Lesser in der Verfolgung gezeigt, was in ihm steckt. Der 32-Jährige war von Platz 46 auf Rang 20 nach vorne gestürmt. Im Massenstart reicht es nach zwei Fehlern nur für Platz 17. Doch wie Peiffer hat Lesser in diesem Winter schon einmal auf dem Podest gestanden. Bei den Frauen haben das bislang Herrmann und Preuß geschafft. Auch die Staffeln waren schon auf dem Podium erfolgreich.

Im neuen Jahr steht für die Biathleten zuerst der doppelte Heimweltcup in Oberhof (8.-17. Januar) an. Der Saisonhöhepunkt, die Weltmeisterschaft in Pokljuka, findet dann von 10. bis 21. Februar statt. dpa/nd

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