+++ Intensivmediziner für »ganz ruhiges Weihnachtsfest« +++

Der Newsblog zur Coronakrise - Dienstag, 22. Dezember 2020: +++ Umfrage: Angst vor Corona-Ansteckung wächst +++ Rotes Kreuz nimmt deutlich mehr Spenden ein +++

  • Lesedauer: 8 Min.

+++ Biontech will Kühlungs-Anforderungen senken +++

Mainz. Der Corona-Impfstoffhersteller Biontech arbeitet derzeit daran, die bislang notwendigen hohen Anforderungen an die Kühltemperaturen für eine langfristigen Lagerung des Präparats auf ein »entspannteres Niveau« zu bringen. Ergebnisse dazu seien bis Ende Januar zu erwarten, sagte Firmenchef Ugur Sahin am Dienstag.

Für einen längeren Zeitraum muss der Impfstoff bei minus 70 Grad gelagert werden. In speziell entwickelten Versandboxen mit Trockeneis übersteht das Präparat bei diesen Temperaturen bis zu 15 Tage. In den Impfzentren kann das Vakzin in ungeöffnetem Zustand nach Firmenangaben in den Lieferboxen oder auch in herkömmlichen Kühlschränken bis zu fünf Tage bei zwei bis acht Grad aufgehoben werden. Bis zwei Stunden vor dem Spritzen könne das Präparat sogar bei bis zu 30 Grad gelagert werden. Die eigentliche Impfung könne bei Zimmertemperatur erfolgen, teilte das Unternehmen am Dienstag mit.

+++ Corona-Massentest in Slowenien +++

Ljubljana. In Slowenien hat am Dienstag ein Corona-Massentest begonnen. In der Hauptstadt Ljubljana und in zwölf weiteren Städten können sich alle Einwohner bis Donnerstag kostenlos auf das Coronavirus testen lassen. Nach Weihnachten soll dann noch ein zweiter Massentest starten, der sich vor allem an wichtige Berufsgruppen wie Lehrer, Polizisten und Soldaten richtet. Die slowenische Regierung hofft darauf, dass sich ein Viertel der zwei Millionen Einwohner testen lassen. Slowenien war vergleichsweise gut durch die erste Infektionswelle gekommen, seit dem Herbst steigen die Infektionszahlen aber stark an. Seit Beginn der Corona-Pandemie wurden in dem kleinen EU-Land mehr als 107.000 Infektions- und mehr als 2400 Todesfälle verzeichnet.

+++ Einreiseverbot für Großbritannien, Nordirland und Südafrika +++

Berlin. Das Bundesgesundheitsministerium hat wegen der Coronavirus-Mutation ab Dienstag ein generelles Beförderungsverbot für Reisende aus Großbritannien, Nordirland und Südafrika verhängt. Mit der Rechtsverordnung solle eine Ausbreitung nach Kontinentaleuropa verhindert werden, erklärte das Ministerium. Ab dem 1. Januar 2021 dürfen demnach nach vorheriger Genehmigung durch das Bundesinnenministerium Menschen mit Wohnsitz und Aufenthaltsrecht in Deutschland befördert werden.

+++ Studie zu Virus-Mutation - Drosten: »Das sieht nicht gut aus« +++

London. Eine neue Variante in Großbritannien macht neuen Untersuchungen zufolge das Coronavirus sehr wahrscheinlich leichter übertragbar. Zu diesem Schluss kommen Experten der englischen Gesundheitsbehörde Public Health England (PHS). Sie verweisen dabei auf Erbgut-Untersuchungen der neuen Variante und auf Modellrechnungen zur Ausbreitung. Eine der rund 20 Mutationen der neuen Variante B.1.1.7 dürfte insbesondere dazu beitragen, dass das Virus leichter übertragen werden könne.

Der deutsche Virologe Christian Drosten schrieb zu den PHS-Daten: »Das sieht leider nicht gut aus.« Positiv sei aber, dass B.1.1.7-Fälle bislang nur in Gebieten zugenommen haben, wo die Gesamtinzidenz hoch oder ansteigend war. »Kontaktreduktion wirkt also auch gegen die Verbreitung der Mutante«, schreibt Drosten.

Den PHS-Forschern macht insbesondere eine Mutation mit der Bezeichnung N501Y Sorgen. Sie könnte den Daten zufolge dafür sorgen, dass das Virus besser an Zielzellen andocken kann. Zudem liege die Mutation an einer Stelle, an der auch bestimmte Antikörper des Menschen angreifen, um das Virus auszuschalten. »Deshalb ist es möglich, dass solche Varianten die Wirksamkeit beim Neutralisieren des Virus beeinflussen.«

+++ Corona-Hilfspaket im US-Parlament verabschiedet +++

Washington. Der US-Kongress hat zur Bewältigung der Corona-Krise ein weiteres großes Konjunkturpaket beschlossen. Das Maßnahmenbündel mit einem Umfang von rund 900 Milliarden Dollar (etwa 737 Milliarden Euro) wurde am Montagabend (Ortszeit) sowohl im Repräsentantenhaus als auch im Senat mit großer Mehrheit beschlossen. Der amtierende US-Präsident Donald Trump muss das Gesetz nun noch mit seiner Unterschrift in Kraft setzen - was eine Formalie sein dürfte.

Im Repräsentantenhaus wurde das neue Konjunkturpaket mit 359 zu 53 Stimmen angenommen, im Senat stimmten 92 Senatoren zu, es gab nur 6 Gegenstimmen. Das Gesetzespaket, mit dem unter anderem auch ein 1,4 Billionen umfassender Haushalt der Bundesregierung verabschiedet wurde, umfasst insgesamt mehr als 5500 Seiten.

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In dem Paket sind unter anderem weitere Finanzhilfen für kleine und mittlere Betriebe und eine zeitlich begrenzte Aufstockung der Arbeitslosenhilfe um 300 Dollar wöchentlich vorgesehen. Alle Bürger unterhalb einer jährlichen Einkommensgrenze sollen zudem einmalig eine direkte Hilfszahlung in Höhe von 600 Dollar pro Kopf bekommen. Auch zusätzliches Geld für Schulen und für die Verteilung der Impfstoffe im Land ist eingeplant.

+++ 19.000 Neuinfektionen - Inzidenz weiter hoch +++

Berlin. In Deutschland sind innerhalb eines Tages mehr als 19.000 Neuinfektionen mit dem Coronavirus verzeichnet worden. Wie das Robert-Koch-Institut (RKI) am Dienstagmorgen unter Berufung auf Angaben der Gesundheitsämter mitteilte, wurden binnen 24 Stunden 19.528 neue Ansteckungsfälle erfasst. Die Zahl der Corona-Todesfälle stieg laut RKI innerhalb eines Tages um 731 auf insgesamt 27.006. Insgesamt wurden seit Beginn der Pandemie in Deutschland laut RKI 1.530.180 Infektionsfälle registriert. Die Zahl der Genesenen liegt bei rund 1.136.700.

Die sogenannte Sieben-Tages-Inzidenz betrug nach Angaben des Instituts am Dienstag 197,6. Dabei handelt es sich um die Zahl der Neuinfektionen pro 100.000 Einwohnern in diesem Zeitraum. Die Sieben-Tage-Inzidenz ist ein wesentlicher Maßstab für die Verhängung und Lockerung von Maßnahmen gegen die Ausbreitung des neuartigen Virus. Ziel der Bundesregierung ist es, die Inzidenz auf unter 50 zu drücken, sie stieg zuletzt aber immer weiter an.

+++ Impfstoff in der EU zugelassen +++

Den Haag. Die EU hat mit der Zulassung des Biontech-Pfizer-Impfstoffs den Weg geebnet für einen baldigen Beginn der europaweiten Impfkampagne gegen das Coronavirus. »Wir haben die Entscheidung getroffen, den europäischen Bürgern den ersten Impfstoff gegen Covid-19 bereitzustellen«, kommentierte EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen am Montagabend in Brüssel die Entscheidung ihrer Behörde. Erst wenige Stunden zuvor hatte die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) grünes Licht für eine bedingte Marktzulassung des Mittels in der EU gegeben.

Nachdem bereits die Prüfung der EMA deutlich schneller als gewöhnlich abgeschlossen worden war, beschleunigte nun auch die Brüsseler Behörde ihr Verfahren. Gewöhnlich dauert es mehrere Wochen, bis auf das grüne Licht der EMA die endgültige Zulassung erfolgt. Bis zuletzt war von einem beschleunigten Verfahren innerhalb von zwei Tagen die Rede gewesen - das schließlich nur dreieinhalb Stunden dauerte.

Deutschland soll am Samstag eine erste Lieferung von mehr als 150.000 Dosen erhalten, wie die Berliner Senatsverwaltung für Gesundheit am Montagabend unter Berufung auf das Bundesgesundheitsministerium mitteilte. Bis Jahresende sollen dann knapp 1,2 Millionen weitere Impfdosen folgen.

+++ Intensivmediziner für »ganz ruhiges Weihnachtsfest« +++

Berlin. Die Intensivmediziner in Deutschland appellieren angesichts anhaltend hoher Corona-Zahlen an die Bürger, an Weihnachten auf Treffen im größeren Kreis zu verzichten. »Wir würden uns wünschen, dass die Menschen sich dieses Jahr auf sich selber zurückbesinnen, ein ganz ruhiges Weihnachtsfest im aller-, allerengsten Familienkreis feiern«, sagte der Präsident der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (Divi), Uwe Janssens, der Deutschen Presse-Agentur. Das wäre eine große Hilfe für alle Pflegekräfte auf den Intensivstationen, die an Weihnachten arbeiten würden und Angst hätten, dass 14 Tage später alles noch schlimmer werde.

In den Krankenhäusern zeichnet sich weiterhin keine Entspannung ab. Nach Angaben der Divi vom Montag werden derzeit 5167 Covid-19-Patienten intensivmedizinisch behandelt - das sind etwa 500 mehr als in der Vorwoche, als 4670 Menschen mit Covid-19 auf Intensivstationen versorgt wurden. 2690 der Patienten werden aktuell invasiv beatmet.

+++ Umfrage: Angst vor Corona-Ansteckung wächst +++

Berlin. Die anhaltend hohen Corona-Infektionszahlen verunsichern die Bürger nach einer Umfrage zunehmend. Mitte Dezember sagten 48 Prozent, dass sie »sehr große Angst« oder »eher große Angst« vor einer Ansteckung mit dem Coronavirus hätten - das waren vier Prozentpunkte mehr als noch Mitte November, wie die Online-Erhebung des Instituts YouGov Deutschland ergab.

Zugleich sank im Vergleichszeitraum die Zahl derjenigen, die »überhaupt keine Angst« und »eher keine Angst« vor einer Ansteckung haben - von 51 Prozent auf 48 Prozent. Damit liegt die Zahl jener, die Angst haben, erstmals seit Ende März 2020 gleichauf mit der derer, die keine Angst haben, wie die Meinungsforscher mitteilten. Dabei nähern sich beide Kurven vor allem seit Anfang Dezember steil an.

Außerdem stieg im Vergleich zu Mitte November die Zahl derjenigen, die sagen, dass sich die nationale Corona-Situation derzeit verschlechtere. Während vor einem Monat noch 59 Prozent der gut 2000 Befragten dieser Meinung waren, gaben Mitte Dezember 73 Prozent an, dass die Situation »schlimmer wird«. Nur 16 Prozent denken aktuell, dass die Lage Deutschlands in der Pandemie momentan »besser wird« - Mitte November waren es noch 26 Prozent.

+++ Rotes Kreuz nimmt deutlich mehr Spenden ein +++

Saarbrücken. Das Deutsche Rote Kreuz (DRK) verzeichnet nach Angaben seiner Präsidentin Gerda Hasselfeldt im zu Ende gehenden Jahr ein deutliches Spendenplus. Hasselfeldt sagte der »Saarbrücker Zeitung«: »Die Spendenbereitschaft ist dieses Jahr noch größer geworden. Wir werden voraussichtlich knapp 50 Millionen Euro an Spenden erhalten.« 2019 seien es etwas mehr als 30 Millionen Euro gewesen. Das sei ein großer Sprung im Corona-Jahr, sagte Hasselfeldt: »Viele Menschen wollen anderen helfen. Das erfreut mich sehr.« Die DRK-Präsidentin betonte, das Geld komme konkreten Projekten an der Basis und hilfsbedürftigen Menschen zugute. So unterstütze das DRK Kinder und Jugendliche aus sozial schwachen Familien, damit sie beim digitalen Lernen nicht abgehängt werden. Auch helfe man Menschen mit Behinderung, damit sie besser durch die Krise kommen. Agenturen/nd

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