»Das Beste, das wir je hatten«

Bobpilot Francesco Friedrich jagt bei der Heim-WM in Altenberg neue Rekorde

  • Von Moritz Löhr, Altenberg
  • Lesedauer: 2 Min.

Der deutsche Bobsport brachte bereits zahlreiche großartige Piloten hervor. Christoph Langen zum Beispiel dominierte über Jahre in der Eisrinne, gleiches galt für André Lange oder Wolfgang Hoppe. Geht es aber nach Bundestrainer Rene Spies, kommt keine dieser Ikonen an Francesco Friedrich heran. »In der Gesamtheit verkörpert er das Beste, das wir je hatten«, schwärmt der Coach.

In Altenberg kann Friedrich an diesem Wochenende einmal mehr Geschichte schreiben. Gewinnt der zweifache Olympiasieger bei der Heim-WM im Zweier seinen nächsten Titel, darf er sich alleiniger Rekordweltmeister nennen. Neun Einzeltriumphe stehen bereits in seiner Vita - nur der in den 50er- und 60er-Jahren aktive Italiener Eugenio Monti kann ebenso viele vorweisen. Dass am Sonntag der zehnte Titel hinzukommt, kann Friedrich wohl nur selbst verhindern. Ein einziges Mal in zwölf Rennen wurde der Oberbärenburger in diesem Winter im kleinen Schlitten geschlagen - von seinem Teamkollegen Johannes Lochner. Das grenze, meint Spies, »ja fast an Majestätsbeleidigung«. Wenn Friedrich mal nicht oben steht, »dann ist er richtig sauer«, weiß sein Trainer.

In aller Regel gewinnt der nimmermüde Friedrich die Rennen im Zweier aber mit großen Vorsprung, bei der WM in Altenberg im Vorjahr betrug dieser nach vier Läufen gar eineinhalb Sekunden. Hochdekoriert trat der Sachse nun die Reise zu seiner nächsten Rekordjagd im Osterzgebirge an, zum dritten Mal in Folge sicherte er sich am vergangenen Wochenende das Gesamtweltcup-Double im Zweier und Vierer. »Er steckt nie zurück, er arbeitet immer weiter. Franz ist einfach außergewöhnlich. Er hat sich nie ausgeruht und schont sich auch nicht«, schwärmt Spies.

Seine größte Stärke besitzt Friedrich, am Start. Mit den Anschiebern Alexander Schüller - mit dem er bei der WM startet - und Thorsten Margis sowie dank eigener herausragender Athletik ist kein Startrekord vor dem früheren Zehnkämpfer sicher. Das Talent an den Lenkseilen und der Perfektionismus in der Kufenpräparation machen aus dem 30-Jährigen den nahezu unbesiegbaren Piloten. Konkurrenz muss er nur im Vierer fürchten, die Entscheidung im großen Schlitten steht bei der unter Corona-Bedingungen ausgetragenen WM am folgenden Wochenende an. Die einzige Bestmarke, die Friedrich noch fehlt, sind die vier Olympischen Goldmedaillen von Andre Lange. Dessen Weltcuprekord von 45 Siegen knackte er in diesem Winter.

Große Worte lässt der bescheidene Friedrich nach solchen Bestmarken nie folgen. Und so sprach er auch in den Tagen vor den Titelkämpfen in seiner Heimat demütig »von noch ein paar Aufgaben, die wir vor der WM lösen müssen«. SID/nd

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