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Stellt das Auto ab!

Letzte Ausfahrt für die Umwelthilfe: Vorschlag für eine Petition gegen die bundesdeutsche Auto-Nation

  • Von Fritz Tietz
  • Lesedauer: 6 Min.

Ein Überleben der Menschheit ist bekanntlich nur möglich, wenn die private Kfz-Nutzung umgehend untersagt und das Automobil selbst - ob benzin- oder batteriebetrieben - durch eine deutlich effizientere Technologie ersetzt wird. Staatlicherseits ist da aber nichts zu erwarten. Deutschland setzt unbeirrt auf automobile Steinzeit-Techniken, fördert gar deren Ausbau. Es gibt lediglich ein paar kleine Organisationen, die sich für eine konsequente und zeitgemäße Mobilitätswende einsetzen.

Allen voran die Deutsche Umwelthilfe (DUH), die das Kfz-Wesen immer wieder mit gezielten Recherchen, unwiderlegbaren Veröffentlichungen und gepfefferten juristischen Maßnahmen angreift und so die grundkriminelle Energie und systemische Überflüssigkeit des ganzen Autowahnsinns aufdeckt. Wie verdienstvoll diese Arbeit ist, zeigen die wütenden Reaktionen. Neben zahllosen Klagen von Kfz- Verherrlichern gibt es sogar einen Parteitagsbeschluss der CDU, demnach der DUH möglichst jede staatliche Unterstützung gestrichen werden soll.

Was bleibt mir da als glühendem Autohasser anderes übrig als eine Petition an den Deutschen Bundestag zu richten, mit der ich mithilfe von 50 000 Mithassern erreichen werde, dass die DUH künftig einen mindestens dreistelligen Millionenetat erhält? Warum der ausschließlich über eine monatliche Zwangsgebühr für alle deutschen Kfz-Halter und -Halterinnen zu finanzieren ist, begründe ich in meiner hier schon mal vorab veröffentlichten Petition.

Petition Deutscher Bundestag: Die Deutsche Umwelthilfe e. V. finanziell stärken durch eine Zwangsgebühr für Autofahrer

»Wir leben in einer Diktatur der Autofahrer.« So beschreibt der Verkehrswissenschaftler Hermann Knoflacher die wahren Herrschaftsverhältnisse in Deutschland. Tatsächlich terrorisieren die Autokraten das hiesige Verkehrsgeschehen seit Jahrzehnten, haben alles Unmotorisierte von den Straßen gehupt. Doch seit die Deutsche Umwelthilfe ihre Messinstrumente aufgebaut hat, wankt das Kartell der Automobilisten. Mit den Dieselskandalen, gerichtlichen Fahrverboten und steigendem Parkdruck scheinen selbst die besengtesten Autodeppen gemerkt zu haben, »dass die Freiheit auf vier Rädern kein Versprechen mehr ist, sondern ein historischer Irrtum«, wie die FAZ neulich konstatierte.

Aber reichen die bisherigen Maßnahmen der DUH, um eine durch und durch Kfz-infizierte Gesellschaft auf Dauer in die Öffis zu zwingen? Keinesfalls. Nach wie vor sind die Menschen den Frechheiten der Autofahrenden (von ihnen selbst frech als Freiheiten bezeichnet) nahezu schutzlos ausgeliefert. Männer ohne Führerschein beispielsweise werden als unmännlich verlacht, Frauen, die kein Auto besitzen als Minderleisterinnen verachtet. Und dann diese hasserfüllten Blicke immer, wenn sie einen in ihren Ekelkarossen an der Bushalte passieren: »Guck mal, der Idiot! Steht da im Regen und muss den Bus nehmen, die dumme Sau! Der zwar dauernd zu spät kommt, den wir aber trotzdem mit bezahlen müssen, mit unseren Steuern.«

Was natürlich ein ebenso hanebüchener Bullshit ist wie die von den Autobesitzern beharrlich verbreitete Mär, die Kosten der von ihnen verursachten Allzeitschäden zu Wasser, zu Lande und an der Luft werden vollständig aus ihren Sprit-Steuern beglichen, weshalb man sich mal nicht so haben solle »wegen dem bisschen Klima und so«.

Tatsächlich reichen ihre paar Steuerkröten für rein gar nichts, während die eigentliche Zeche für die Zumutungen, Zerstörungen und Zernichtungen, die sie durch das hemmungslose Rumgegurke mit ihren derzeit 47 Millionen Fahrzeugen verursachen, vor allem die Geschädigten zahlen. Und zwar mit ihrem Leben. Wirklich kostendeckend tanken Autofahrer schätzungsweise erst ab 52 Euro Steueranteil - pro Liter. Wenn Du das bitte mal gerichtlich durchsetzen könntest, Deutsche Umwelthilfe? Ach so, ja, dazu fehlt es Dir ja (noch) an ausreichend Kohle.

Auch der Blick in jeden ADAC-Straßenatlas macht deutlich, wer in Deutschland die alleinige Vorfahrt hat. Denn was da zunächst wie ein aufwendig kartiertes Gewirr sinnloser Verknüpfungen erscheint, entpuppt sich bei näherer Betrachtung als eine sämtliche Städte, Dörfer und Landschaften kreuz und quer durchschneidende, überbrückende, umfahrende oder untertunnelnde Straßenstruktur, über die sich - abgesehen vielleicht vom Wattenmeer und ein paar Alpengipfeln - praktisch jeder Flecken Deutschlands mit dem Auto erreichen lässt; etliche Stellen sogar ausschließlich nur damit. Oder sind die Autobahnen inzwischen auch für Rad-, Rollschuh- oder Tretbrettfahrer freigegeben? Eben. Auch hier täte sich für die Deutsche Umwelthilfe ein immenses Betätigungsfeld auf - Einführung eines Tempolimits inklusive. Denn natürlich dürfen, wo Radler unterwegs sind, Kraftfahrzeuge nie schneller sein als 25 Kilometer/Stunde.

Und was das Wattenmeer betrifft: Wetten, dass längst eine Autobahn nach Helgoland im aktuellen Bundesverkehrswegeplan eingepreist ist? Was Verkehrsminister Scheuer freiwillig nie zugeben wird. Was aber die DUH, wenn erst mal gebührenfinanziert, sofort ermitteln dürfte. Schwacher Trost bis dahin: Ein paar steinalte, aber völlig intakte Wälder müssten für diese Piste nicht geschlachtet werden. Wohl aber nach ihrer Fertigstellung sämtliche Fährverbindungen auf die rote Insel, weil dann bestimmt gilt: »Autos first!« So lautet immer noch die oberste autokratische Devise, nach der in einer Auto-Nation wie der deutschen jeder Lebensbereich so zugerichtet gehört, dass die Menschen gar nicht anders können, als ein Kfz zu benutzen.

Für uns Fußgänger bleiben da nur die gleichnamigen Wege. Für uns Radfahrer nicht mal die. Und wenn, sind sie in einem so erbärmlichen Zustand, dass wir auf die Straßen ausweichen müssen, wo einen dann notorisch übermotorisierte und entsprechend gestörte Geschwindigkeitsbelästiger und Zwangsüberholer bedrängen, die auch sonst (Sicherheitsabstand!) nichts halten. Nicht mal ihre blöde Fresse, wenn man sich mal beschwert.

»Nimm den Zug, Loser«, höhnen uns stattdessen die Kfz-ler an, wohl wissend, dass die vor gar nicht so langer Zeit jede Milchkanne zuverlässig bedienende Deutsche Bahn von gedungenen Managern, die ihr Schandwerk in der Autoindustrie gelernt hatten, systematisch auf die Abstellgleise geprügelt wurde. Das einst flächendeckende Bahnnetz ist heute bis auf ein paar Schnellststrecken demontiert, der so gewonnene Schienenstahl aller Wahrscheinlichkeit nach der Autoindustrie für die SUV-Produktion zugeführt worden. Vormals prächtige Bahnhofsgebäude rotten unaufhaltsam ihrem Zerfall entgegen, sofern sie nicht zu Autohäusern umgewidmet werden mitsamt dem ganzen Irrsinn wie Showroom, Dialogannahme und Abgasefälscherwerkstatt.

Es ist also höchste Eisenbahn für einen gebührenfinanzierten Millionenetat, mit dem die Deutsche Umwelthilfe als Speerspitze der Verkehrswende in ihrer Schlagkraft gestärkt wird und uns Verkehrswendlern endlich eine fachlich solide Grundversorgung für die Kfz-abträgliche Argumentation, Agitation und Aktion an die Hand gegeben.

Dass dieser Etat ausschließlich von denen aufzubringen ist, die ihn erforderlich machen, versteht sich von selbst. Zehn Euro pro Fahrzeug und Monat sollten vorerst reichen, damit möglichst bald klar ist: Deutsche Autofahrer! Ihr könnt ein für alle Mal einparken!

Aber komm jetzt bitte keiner mit seinen Parkplatzproblemen; die es in Wirklichkeit auch gar nicht gibt, weil ja niemand einen Park besitzt, der ihm platzen und wie auch immer geartete Probleme aufbürden könnte. Auch das Wort Parkverbot hätte längst aus dem deutschen Sprachschatz gestrichen werden müssen. Weil die Autotypen doch eh immer parken, wo sie wollen: Fußweg, Radweg, Bushaltestelle, Grün-, Zebrastreifen, scheißegal. Und warum? Weil sie es können. Wird Zeit, dass die DUH auch da endlich mal ordentlich hinlangt (3000 Euro pro Stunde).

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