Deutsche Wohnen spürt Mietendeckel

Mieteinnahmen in Berlin um sechs Prozent gesunken – trotzdem satte Gewinne

  • Von Nicolas Šustr
  • Lesedauer: 3 Min.
Der Berliner Mietendeckel hat Spuren hinterlassen in der am Donnerstag vorgestellten Bilanz der Deutsche Wohnen. Um 6,1 Prozent sanken die Mieteinnahmen des mit rund 110.000 Wohnungen größten Vermieters der Hauptstadt im Jahr 2020 im Vergleich zu 2019. Von 6,95 auf 6,52 Euro pro Quadratmeter sank die durchschnittliche Nettokaltmiete pro Quadratmeter. Hat der Mietendeckel vor dem Bundesverfassungsgericht Bestand, dürften die Einnahmen noch weiter sinken, schließlich sind die Absenkungen in Bestandsverträgen erst Ende November 2020 in Kraft getreten. Und mit jeder Neuvermietung – 2020 waren es über 7.000 – sinken wegen der Obergrenzen die Mieten weiter. Zum Vergleich: In ihren Dresdner und Leipziger Beständen hob die Deutsche Wohnen die Mieten in einem Jahr um drei Prozent an.

Deutsche-Wohnen-Chef Michael Zahn setzt weiter darauf, dass die Bundesverfassungsrichter den Mietendeckel kassieren. Doch die Anzeichen verdichten sich, dass nicht, wie zunächst erwartet, im zweiten Quartal entschieden werden wird, möglicherweise sogar nicht mehr vor der Abgeordnetenhauswahl Ende September. Sollten die Verfassungsrichter anders entscheiden, als Zahn hofft, »dann müssen wir auf der Kostenseite reagieren«, erklärt er. Fast drei Viertel aller Wohnungen des Konzerns liegen in Berlin.

Bisher hat der Konzern mit Verkäufen von rund 10.000 Wohnungen außerhalb ihrer Kernregionen und der Neubewertung ihrer Bestände reagiert. In Berlin geht man dabei an die obere Grenze: Ziemlich exakt 20 Milliarden Euro sollen die Bestände dort laut Geschäftsbericht wert sein, dabei wird das 36-fache der Jahresmieteinnahmen angesetzt. Für solche Preise wechseln höchstens im Zentrum noch Häuser den Besitzer. Gewinn macht die Deutsche Wohnen weiter ordentlich: Der operative Gewinn sank 2020 im Vergleich zu 2019 leicht um 1,6 Prozent auf 544 Millionen Euro.

Vonovia, mit über 355.000 Wohnungen allein in Deutschland der größte Wohnungskonzern der Republik, konnte 2020 seinen operativen Gewinn deutlich um 10,6 Prozent auf 1,35 Milliarden Euro steigern. Für die über 43.000 Berliner Wohneinheiten sanken wegen des Mietendeckels die Einnahmen um 2,1 Prozent im Vergleich zu 2019. Die Bilanz wurde Anfang März vorgelegt.

Die Deutsche Wohnen sucht ihr Heil inzwischen im Neubau. Allein in Berlin sollen rund 5.500 neue Wohnungen entstehen. »Die Neubauoffensive hat erst mal mit dem Mietendeckel überhaupt nichts zu tun, sondern mit der Preisentwicklung insgesamt«, sagt Vorstandschef Michael Zahn. Will heißen: Altbauten sind sehr teuer geworden, die nötigen energetischen Sanierungen kommen noch obendrauf. »Der Neubau auf Basis heutiger Preise ist die einzige echte Alternative, um auf unseren Märkten weiter wachsen zu können«, so Zahn.

Ende September könnten die Berliner auch über das Volksbegehren Deutsche Wohnen & Co enteignen abstimmen. Ziel ist die Sozialisierung der großen Bestände renditeorientierter Wohnungskonzerne in der Hauptstadt. Derzeit läuft die Unterschriftensammlung. »Die Initiative ist für uns Ansporn, besser zu werden, Dinge besser zu machen«, sagt Michael Zahn. »Wir werden als privates Unternehmen weiter Renditen erwirtschaften müssen und unsere soziale Verantwortung wahrnehmen«, kündigt Zahn an. Er glaube an die soziale Marktwirtschaft. Um dann zu erklären: »Es müssen die jüngeren Generationen am Ende des Tages entscheiden, mit welcher Wirtschaftsordnung sie die Wohlfahrt sicherstellen können.«

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