Wichtige Tore für die WM, starke Signale an Katar

Die deutschen Fußballer setzen beim 3:0 gegen Island gleich mehrere bemerkenswerte Zeichen

  • Von Frank Hellmann, Duisburg
  • Lesedauer: 3 Min.

Es schien fast symbolhafte Vorsorge zu sein, dass Joachim Löw die FFP2-Maske nicht mal beim Fernsehinterview abnahm. Des Bundestrainers Botschaft hing in Duisburg nach dem überzeugenden 3:0 im WM-Qualifikationsspiel gegen Island über Mund und Nase: So wenig Angriffsfläche die deutsche Nationalmannschaft auf dem Weg zum Turnier 2022 in Katar bot, so gering muss die Ansteckungsgefahr durch das Virus bleiben, wenn sich der Tross des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) an diesem Sonnabend nach Bukarest aufmacht - zum nächsten Qualifikationsspiel gegen Rumänien am Sonntag.

»Die Sinne sind vom ersten Tag an geschärft. Wir verhalten uns so diszipliniert, wie es geht«, versicherte Löw. Der bei seiner Anreise beim DFB-Team positiv auf Corona getestete Jonas Hofmann und der nach »einem blöden Backgammon-Spiel« (DFB-Direktor Oliver Bierhoff) als Kontaktperson ausgemachte Marcel Halstenberg stehen dem Bundestrainer aber vorerst nicht zur Verfügung. Damit die Debatten über Sinn und Unsinn von Länderspielen in Pandemiezeiten nicht alles überlagern, waren andere Signale aus dem Sportpark Duisburg wichtig.

Das zuletzt so zerzaust auftretende Team verbuchte mit einem in Löws Augen »schwungvollen und dynamischen« Auftritt gegen Island sportlich endlich mal wieder Pluspunkte. Zudem setzte die Mannschaft kurz vor Anpfiff noch ein politisches Statement, als die Spieler selbst bemalte T-Shirts mit der Aufschrift »human rights« enthüllten. Eine Solidaritätsbekundung, die auf die unbefriedigende Menschenrechtssituation im Land des WM-Gastgebers, Katar, aufmerksam machen sollte. Spieler und Trainer hatten sich bei solchen Themen lange Zeit gerne herausgehalten: Bei der WM 2018 sollte allein Verbandspräsident Reinhard Grindel das ansprechen, was möglicherweise am Gastgeber Russland zu beanstanden war.

Leon Goretzka erzählte nun, dass man der Gesellschaft zeigen wolle, »dass wir das nicht ignorieren und klarmachen, welche Bedingungen da herrschen müssen«. Das Team sei sich seiner großen Reichweite bewusst. Damit könne man Werte transportieren, »für die wir stehen wollen«, so Goretzka. Auch Löw sprach von einem »sehr, sehr guten und wichtigen Zeichen«.

Sein engagiertes Ensemble sammelte also Sympathiepunkte, die fast wichtiger als die ersten sportlichen Zähler auf dem Weg zur umstrittenen Wüsten-WM sein könnten. Nach Toren von Goretzka (3. Minute) und Kai Havertz (7.) legte Ilkay Gündogan (56.) in der nicht mehr ganz so unterhaltsamen zweiten Halbzeit nach. Das Herzstück der im Gegensatz zur blamablen 0:6-Pleite im vergangenen Herbst in Spanien stark verbesserten Mannschaft war ein enorm ballsicheres Dreier-Mittelfeld.

»Das war ein Pfund für uns«, lobte Löw Goretzka, Gündogan und Joshua Kimmich. Braucht es da noch Weltmeister Toni Kroos? Diese Frage fand Löw dann aber fast schon unerhört: »Warum sollte der um seinen Platz fürchten müssen? Das ist ein Weltklassespieler, der unsere Mannschaft natürlich auch prägt.«

Doch von der Überzeugung der Kollegen kann sich Kroos ruhig etwas abschauen. Die Spieler hatten sich vorgenommen, »dass man sieht, dass wir diese Leidenschaft auf den Platz bringen, für unser Land spielen zu dürfen«, betonte Goretzka. Er habe »elf Jungs« auf dem Rasen gesehen, »die richtig Bock hatten«. Anscheinend war das in der Vergangenheit nicht immer so.

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