Ziel von Hetze

  • Von Jana Frielinghaus
  • Lesedauer: 2 Min.

Frauenhass treibt seltsame Blüten: Nachdem der Giga-Containerfrachter »Ever Given« vergangene Woche im Suezkanal auf Grund gelaufen war und damit eine der wichtigsten Wasserstraßen blockierte, verbreiteten frauenfeindliche Trolle in »sozialen« Medien die Mär, eine Frau sei schuld am Desaster. Und zwar eine ganz bestimmte: Marwa el Selehdar, ihres Zeichens erste Kapitänin in der Geschichte der Seefahrernation Ägypten. Nicht nur die abstruse Behauptung kursierte tagelang, sondern auch gefälschte Fotos, die die junge Nautikerin an Bord des havarierten Riesenschiffs zeigen sollten.

Dabei lässt sich mit wenigen Mausklicks ermitteln, dass der unter der Flagge Panamas fahrende und am Montagmorgen freigeschleppte Frachter japanische Eigentümer hat und von der taiwanischen Firma Evergreen Marine und der Hamburger Bernhard Schulte Shipmanagement betrieben wird. Und dass die junge Kapitänin nicht im Stückgutbusiness tätig ist, sondern einen Tender der ägyptischen Behörde für Sicherheit in der Seefahrt kommandiert. Dieser fungiert einerseits als Trainingsschiff für den Seefahrer*innennachwuchs und ist andererseits für die Versorgung der Besatzungen abgelegener Leuchttürme verantwortlich.

Dennoch machten die Fake News die Runde und bestärkten manchen in seiner Überzeugung, dass Frauen keine großen Schiffe führen können. Innerhalb von Stunden gewannen drei Fake-Accounts unter ihrem Namen, über die die Gerüchte gestreut wurden, im Kurzbotschaftendienst Twitter mehr als 20 000 »Follower«. Ohnehin hält sich mancherorts wohl noch immer der alte Aberglaube, Frauen an Bord brächten Unglück.

Marwa el Selehdar erfährt unterdessen auch viel Zustimmung, ist für junge Frauen ein Vorbild. Bereits 2015 widmeten ihr internationale feministische Medien Porträts. Ihr Instagram-Account hat 27 500 Abonnenten. Gegenüber der Zeitung »Egypt Today« sprach sie von einer »organisierten Kampagne« gegen arabische Frauen in der Seefahrt im Zusammenhang mit der »Ever Given«-Havarie.

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