Keine Inseln der Glückseligen

SIEBEN TAGE, SIEBEN NÄCHTE

  • Von Regina Stötzel
  • Lesedauer: 3 Min.

Was haben Kiribati, Nauru und Palau gemeinsam? Richtig, es handelt sich um Inselstaaten im Pazifischen Ozean, allesamt von Deutschland sehr weit entfernt, rund 11 500 bis 14 000 Kilometer Luftlinie. Aber nicht nur das. Laut Informationen unter anderem des Auswärtigen Amtes könnte es sich bei den Dreien um die letzten Staaten der Erde handeln, die noch nicht von Sars-CoV-2 betroffen waren oder sind. Zwar wurden nach wie vor offiziell auch keine Fälle aus Nordkorea und Turkmenistan gemeldet, aber da dürften Zweifel angebracht sein. Nicht zuletzt, weil es sich bei diesen Ländern eben nicht um Inselstaaten jwd handelt.

Ob die Abwesenheit der Pandemie die Menschen in Kiribati, Nauru und Palau glücklicher macht, entzieht sich unserer Kenntnis. Im kürzlich vorgestellten UN-Weltglücksbericht finden die kleinen Staaten leider keine Erwähnung. Sicher dürften dort die Wörter Impfdrängler, Maskenaffäre und Hygienedemonstration noch nicht erfunden sein, was aus deutscher Sicht zumindest ein bisschen beglückend klingt. Zu vermuten steht jedoch, dass die pandemische Weltlage auch dort ständig Thema ist. So hat Kiribati deswegen vor einem Jahr vorsichtshalber seine Grenzen komplett geschlossen - auch für die eigenen Bürgerinnen und Bürger. Mehrere Dutzend kiribatische Seeleute schafften es hierzulande in die Nachrichten, weil sie über Monate in Hamburg festsaßen. Ob der Versuch, mit einer zweimonatigen Reise über Frankfurt, Doha, Brisbaine, Auckland und die Fidschi-Inseln nebst mindestens dreimaliger Quarantäne nach Hause zu gelangen, inzwischen für die ersten von ihnen erfolgreich ausgegangen ist, wurde noch nicht berichtet.

Wo die Pandemie selbst nicht Thema ist, ist es eben ihre Abwesenheit. Palau zum Beispiel richtet nach weitgehender Isolation derzeit mit Taiwan, das seit Anfang Februar täglich allenfalls Neuinfektionen im einstelligen Bereich gemeldet hat, eine Flugverbindung ein, in der Hoffnung auf coronafreie Touristen.

Und die Themen, die nichts mit Corona zu tun haben, sind meist auch nicht schön. Auf Nauru gibt es nach wie vor Internierungslager für Geflüchtete, die Australien dort unterhält und in denen unmenschlichen Bedingungen herrschen. Kürzlich erst hieß es, Großbritannien erwäge, sich an diesem »Modell« ein Beispiel zu nehmen ...

Trotz des Mitgefühls mit all jenen, die um Verstorbene trauern, von der Krankheit selbst betroffen sind oder wegen der Schutzmaßnahmen gegen sie in Not geraten sind, trotz allem Ansporn, die gesellschaftlichen Missstände zu kritisieren, die die Pandemie gezeigt oder verstärkt hat, wollten wir Ihnen ein einziges Mal eine coronafreie Ausgabe präsentieren. Der Versuch ist nicht so ganz gelungen. Alles hat eben mit allem zu tun. Und nicht zuletzt fehlen uns Korrespondenten in Kiribati, Nauru und Palau.

nd Journalismus von links lebt vom Engagement seiner Leser*innen

Wir haben uns angesichts der Erfahrungen der Corona-Pandemie entschieden, unseren Journalismus auf unserer Webseite dauerhaft frei zugänglich und damit für jede*n Interessierte*n verfügbar zu machen.

Wie bei unseren Print- und epaper-Ausgaben steckt in jedem veröffentlichten Artikel unsere Arbeit als Autor*in, Redakteur*in, Techniker*in oder Verlagsmitarbeiter*in. Sie macht diesen Journalismus erst möglich.

Jetzt mit wenigen Klicks freiwillig unterstützen!

Unterstützen über:
  • PayPal
  • Sofortüberweisung