Maximal malade

Markus Drescher über die Union und ihren Kanzlerkandidaten

  • Von Markus Drescher
  • Lesedauer: 2 Min.

Angeschlagene Boxer seien gefährlich, heißt es. Ob das auch für angezählte CDU-Vorsitzende und Unions-Kanzlerkandidaten gilt? Ersteres zumindest hat Armin Laschet bewiesen, der sich am Ende nun doch noch mit einem wahren Kraftakt gegen Markus Söder durchgesetzt hat. Der CSU-Chef ist getänzelt, hat taktiert und Wirkungstreffer erzielt – und war am Ende doch unterlegen. Allerdings nur nach Punkten und einer sogenannten split decision, einer nicht einstimmigen Entscheidung also. K.o. ist er nicht gegangen. So muss sich Söder ebenso wenig als Verlierer fühlen, wie Laschet sich als Sieger sehen kann. Paradoxerweise ist es eher umgekehrt.

Söder kann nun als »Kandidat der Herzen« (CSU-Generalsekretär Markus Blume) den entspannten Gönner geben und sich ansonsten wieder auf seine bayerische Regionalpolitik und bundespolitischen Sticheleien konzentrieren. Laschet hingegen, maximal malade und unter anderen mit dem Makel versehen, sein Punktsieg sei eine »Entscheidung gegen die CDU-Basis« (Thüringens CDU-Landeschef Christof Hirte) gewesen, steht der weitaus schwerere (Bundestagswahl)Kampf jetzt erst bevor: gegen Grüne in Bestform, gegen negative Schlagzeilen und Kommentare wie diesen hier und nicht zuletzt gegen die drohende Lethargie zweier Parteien, die nicht den aussichtsreichsten Kandidaten bekommen haben, sondern nur den unionsintern schlagkräftigeren.

Und doch, abschreiben sollte man einen Laschet nicht, der mit zunächst Friedrich Merz und nun Markus Söder wahrlich kein Fallobst bezwungen hat, wenn auch nicht überzeugend. Für seine Gegner im politischen Ring kann es zumindest für die nächsten Wochen denn auch nur heißen: Laschet und die Union bearbeiten, auf die Beinarbeit achten und schön die Deckung oben behalten. Denn, angeschlagene Boxer sind gefährlich – und für einen angeschlagenen Laschet könnte durchaus das gleiche gelten.

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