Dehm unterliegt Mizgin Ciftci

Niedersachsens Linke kürt Kandidaten zur Bundestagswahl

  • Von Hagen Jung
  • Lesedauer: 3 Min.
»Venceremos« – wir werden siegen, hatte Diether Dehm, im Kreis Hannover zu Haus und seit 16 Jahren für die Linkspartei im Bundestag, den Delegierten des Landesverbandes Niedersachsen am Samstag optimistisch zugerufen. Damit meinte er wohl seine Partei im Widerstand gegen, wie er sagte, »Nazis, Nato und Krisengewinnler«. Er selbst war im Bestreben um Platz 4 auf der Landesliste zur Bundestagswahl nicht siegreich. Der 71-Jährige unterlag in der Abstimmung dazu mit 57 (36 Prozent) von 158 Stimmen seinem Mitbewerber Mizgin Ciftci aus Osterholz-Scharmbeck. Der Verdi-Gewerkschaftssekretär fand im Tagungshaus Stade die Zustimmung von 82 Delegierten (51,9 Prozent). Der dritte Bewerber für Platz 4, den aller Voraussicht nach letzten aussichtsreichen für Männer, Stephan Marquardt, erhielt 15 Stimmen (9,5 Prozent).

Dehm kam indes wenig später noch auf Platz 6 der Liste, wenn auch sehr knapp. Als dieser aufgerufen wurde, hatte sich der Musikproduzent erneut zur Wahl gestellt. Neben ihm kandidierten dafür Sven Adams und Maik Brückner. Auch Stephan Marquardt hatte sich erneut zur Wahl gestellt. Dehm und Brückner lagen vorn, im Ergebnis relativ nah beieinander, so dass eine Stichwahl erforderlich wurde. Diese gewann Dehm mit 77 Stimmen, Brückner kam nur auf eine Stimme weniger.

Dehm hatte den Versammelten zugerufen: »Ihr könnt mich an meinem Leben messen!« Anschließend präsentierte er einen Rückblick auf die Vielfalt seiner politischen Aktivitäten in den letzten Jahrzehnten, sei es als früherer Vorsitzender der niedersächsischen Linken, sei es bei Demonstrationen für Frieden und gegen Faschismus. Die Linkspartei bezeichnete der Politiker als »die Antifa, die die AfD klein machen kann, indem sie ihr die sogenannten kleinen Leute wegnimmt«.

Mizgin Ciftci hatte sich als Arbeiterkind vorgestellt, als Sohn kurdischer Eltern, die vor dem Krieg geflüchtet waren und als junger Mensch, der sowohl Armut als auch Rassismus kennengelernt habe. »Das hat mich zu einem Linken werden lassen«, sagte der 29-Jährige. Für die Partei wünscht er sich einen »Kulturwandel«, sprich »mehr Solidarität nach innen«. Die Linke müsse eine Stimme für jene sein, die glauben, sie hätten keine Stimme mehr.
Auch die Vorsitzende der Linksfraktion im Bundestag, Amira Mohamed Ali, forderte die Genoss*innen auf, »an einem Strang zu ziehen«. »Sprechen wir mit einer Stimme, und gehen wir solidarisch miteinander um«, sagte die Politikerin, die mit 120 Ja-Stimmen (76 Prozent) an die Spitze der Landesliste gewählt wurde.

Auch für Platz 2 war mit dem Wolfenbütteler Bundestagsabgeordneten Victor Perli nur ein Bewerber angetreten. Er erhielt 137 Ja-Stimmen (86,7 Prozent) und damit das beste Ergebnis aller Bewerber. Auf Platz 3 setzte sich die Landesvorsitzende Heidi Reichinnek mit 51,3 Prozent gegen die Bundestagsabgeordnete Pia Zimmermann durch. Zimmermann wurde anschließend mit 59,7 Prozent auf Platz 5 gewählt. Derzeit kommen fünf Linke-Bundestagsabgeordnete aus Niedersachsen.

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