Homeoffice soll Büroflächen sparen

Landes-Immobiliendienstleister hofft auf 50 Prozent weniger Zusatzbedarf

  • Von Nicolas Šustr
  • Lesedauer: 3 Min.

»Telearbeit«, so wird in der Verwaltung Homeoffice genannt - vor der Corona-Pandemie eine nur in homöopathischen Dosen anzutreffende Arbeitsform. Inzwischen kursieren um die 30.000 Laptops in Berliner Behörden, 12.500 verschlüsselte Internetzugänge, von denen laut Antworten auf diverse Schriftliche Anfragen maximal mehrere Hundert gleichzeitig genutzt werden. Es hakt an vielen Stellen: Die Internetanbindung vieler Verwaltungsstandorte ist zu schlecht für Videokonferenzen, Akten stehen nur auf Papier zur Verfügung, der finale Verwaltungsakt erfolgt ebenfalls in Papierform.

Die landeseigene BIM Berliner Immobilienmanagement hofft jedoch, rund 50 Prozent der in den nächsten Jahren benötigten zusätzlichen Büroarbeitsflächen durch mehr Homeoffice einsparen zu können. BIM-Geschäftsführer Sven Lemiss spricht bei der Jahrespressekonferenz am Mittwoch von einer »Effizienzreserve von 240.000 Quadratmetern«. Rund 2,8 Millionen Quadratmeter Bürofläche werden von Hauptverwaltung und Bezirken derzeit genutzt. Sollte der Personalaufbau so weitergehen wie bisher, wird bis Ende 2024 zusätzlich eine halbe Million Quadratmeter benötigt, sollte die Coronakrise zu einem neuerlichen Sparkurs führen, wäre es rund die Hälfte.

Showroom für die neue aktuelle Bürowelt ist das Gebäude Klosterstraße 71 in Mitte, das über die Ausübung eines vertraglichen Vorkaufsrechts 2018 wieder in Landeshand kam. Der ausgebootete Käufer und vorherige Mieter, das Unternehmen Hypoport, war derart verärgert, dass er seinen Hauptsitz aus Berlin wegverlegt hatte. Nach leichtem Umbau eröffnete der Standort als erster des Projekts Flexible Arbeitsorte. Hier sind unter anderem die für die Bearbeitung des Mietendeckels zuständigen Beschäftigten der Stadtentwicklungsverwaltung und die Corona-Nachverfolger des Bezirksamtes Friedrichshain-Kreuzberg untergekommen.

»Das sieht gar nicht nach öffentlicher Verwaltung aus - das ist richtig schön geworden«, sagt Finanzstaatssekretärin Vera Junker (SPD). Anders kriege man die Leute auch gar nicht dazu, sich auf Veränderungen einzulassen, erklärt sie. Auch rund 120 der etwa 800 Beschäftigten ihrer Verwaltung sind hier untergebracht. Allerdings sollen die Flächen hauptsächlich für temporären Bedarf genutzt werden. »Die Verwaltung kann hier testen: Was heißt neue Arbeitswelten?«, erläutert BIM-Geschäftsführer Sven Lemiss. Das Konzept an sich bedeute allerdings keine Flächeneinsparung. Doch auch hier zeigen sich die Probleme der lange unterbliebenen Koordinierung. Wegen unterschiedlicher technischer Systeme kann nicht jede Behörde die Räume nutzen. Die Testphase soll bis Ende 2023 laufen. Langfristig plant die BIM ein Netzwerk mehrerer flexibler Arbeitsorte.

»Da wird über die Kür vor der Pflicht gesprochen«, sagt Daniela Ortmann, Vorsitzende des Berliner Hauptpersonalrats dem »nd«. »Bevor die Leute so eine Bürolandschaft bekommen, wollen sie überhaupt ausreichend Flächen, warmes Wasser aus den Leitungen und ein ausreichendes Datennetz in den Gebäuden.« In puncto Digitalisierung und Homeoffice sei der Hauptpersonalrat überhaupt kein Vermeider, und die neuen Konzepte seien durchaus begrüßenswert. »Es soll ruhig weiter getestet werden, aber zunächst geht es ums Grundsätzliche«, so Ortmann weiter. Mancher Personalrat wüsste gar nicht mehr, wie er angesichts der Raumnot noch Neueinstellungen zustimmen könne. Das Teilen von Schreibtischen habe angesichts von Amtsgeheimnissen deutliche Grenzen.

Prinzipiell geeignet für eine zeitgemäße Büroarchitektur wäre auch der Sitz der Stadtentwicklungsverwaltung im Hochhaus am Fehrbelliner Platz gewesen, sagt Lemiss. »Doch die Sanierung an der Württembergischen Straße kam zwei Jahre zu früh«, bedauert er. Für einen dreistelligen Millionenbetrag wird das Haus noch bis 2024 von Grund auf renoviert.

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