Gefühlte Siegerinnen

Die Münchner Fußballerinnen verteidigen mit einem 1:1 beim VfL Wolfsburg die Tabellenspitze

  • Von Alexander Ludewig
  • Lesedauer: 3 Min.

Es bleibt spannend in der Bundesliga der Frauen. Nach dem 1:1 (0:1) am Sonntag zwischen den Fußballerinnen aus Wolfsburg und München bleibt der FC Bayern zwei Spieltage vor Schluss Tabellenführer - zwei Punkte vor den Gegnerinnen vom VfL. Aber die Münchnerinnen verließen zumindest als gefühlte Siegerinnen den Wolfsburger Rasen. Einerseits haben sie mit dem Remis ihren Vorsprung an der Tabellenspitze verteidigt. Zum anderen hielten sie dem Druck stand, der vor dem Topspiel massiv vom Gegner geschürt wurde. »Das Momentum spricht für uns«, hatte Wolfsburgs Sportlicher Leiter Ralf Kellermann mit Blick auf die für den FC Bayern wenig erbaulichen letzten Wochen gesagt: »Sie haben von drei möglichen Titeloptionen zwei verspielt.«

Kurze Druckphase

Diesen Druck wollten die Wolfsburgerinnen auf dem Platz noch erhöhen. Schon in der ersten Spielminute hatte Lena Oberdorf die erste Chance für den VfL. Ewa Pajor versuchte es sechs Minuten später mit einem Schuss aus 15 Metern. Die beste Wolfsburger Möglichkeit des gesamten Spiels hatte Ingrid Engen, als sie in der 43. Minute allein in Richtung Münchner Tor lief, den Ball aber noch vertändelte.

Zu diesem Zeitpunkt waren die Gegnerinnen längst in diesem Spitzenspiel angekommen - und lagen in Führung. Nach einem Freistoß der starken Mittelfeldspielerin Lina Magull hatte Sydney Lohmann in der 34. Minute per Abstauber das 1:0 für den FC Bayern erzielt. Dieser Spielstand zur Pause war so verdient, wie die Leistung der Münchnerinnen beeindruckend war. Denn nach einer unglaublichen Siegesserie von 26 Spielen mussten sie zuletzt mehrere schmerzhafte Niederlagen einstecken. Neben dem Aus in der Champions League gegen den FC Chelsea belastete vor allem das 0:2 im Halbfinale des DFB-Pokals gegen den VfL Wolfsburg das Selbstvertrauen. Das starke Spiel am Sonntag, in dem die Münchnerinnen auch in Halbzeit zwei die besseren Torchancen hatten, sollte genug Mut für den Saisonendspurt geben. Es lockt nach 1976, 2015 und 2016 immerhin der vierte Meistertitel. Der Auftrag dafür kommt von ganz oben. »Es ist unser Anspruch, auch mit den Fußballerinnen die Nummer eins zu sein«, betonte Vereinspräsident Herbert Hainer.

Wenig Hoffnung

»Wir müssen jetzt hoffen, dass Bayern noch einmal patzt«, sagte Almuth Schult nach dem Abpfiff. Die Wolfsburger Torhüterin hat dabei trotz der noch kommenden, starken Münchner Gegnerinnen von Bayer Leverkusen und Eintracht Frankfurt aber wenig Hoffnung: »Wenn man sich die Saison ansieht, ist die Wahrscheinlichkeit natürlich nicht so hoch.« Auch die Eindrücke des zuvor beendeten Spiels dürften Schults Meinung beeinflusst haben. Der FC Bayern ließ defensiv kaum etwas zu. Und wenn die Wolfsburgerinnen mal zum Abschluss kamen, fehlten ihnen Überzeugung und Zielstrebigkeit. Bezeichnenderweise fiel der Ausgleich in Folge einer Standardsituation: Nach einer Ecke nutzte Pajor in der 81. Minute den seltenen Freiraum und köpfte den Ball zum 1:1-Endstand ins Münchner Tornetz.

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