Der DFB sucht eine neue Führung. Mal wieder

Fritz Keller stellt am Montag sein Präsidentenamt zur Verfügung. Doch auch seine Gegenspieler müssen gehen

Der schwere Gang vors Sportgericht wird der letzte Auftritt von Fritz Keller als DFB-Präsident, die Nachfolgesuche zur Feuerprobe für den wankenden Deutschen Fußball-Bund. An diesem Freitag muss sich Keller in Frankfurt am Main für seinen Nazivergleich verantworten, am Montag soll seine Rücktrittserklärung folgen. Wer bereit und in der Lage wäre, den DFB dann aus der Führungskrise zu lotsen, ist völlig offen - die Übergangslösung mit Rainer Koch und Peter Peters trägt jedenfalls nicht zur Beruhigung bei.

»Das ist eine ganz große Mogelpackung«, sagte Rekordnationalspieler Lothar Matthäus und forderte als Ehrenspielführer der DFB-Auswahl einen »totalen Neuanfang« mit Rücktritten von allen, die mit »in dem Boot gesessen« hätten.

Neuwahl wird vorgezogen

Der im September 2019 als Erneuerer angetretene Keller ist definitiv gescheitert - an den lähmenden Querelen im Präsidium und an sich selbst. Am Freitag wird das Sportgericht entscheiden, ob und wie der 64-Jährige noch zusätzlich belangt wird. Als Präsident ist aber definitiv Schluss. »Die Weichen für eine Neuaufstellung« seien gestellt, hatte der DFB am Dienstagabend mitgeteilt. Mit Generalsekretär Friedrich Curtius wird über eine Vertragsauflösung verhandelt. Koch und Schatzmeister Stephan Osnabrügge werden beim nächsten Bundestag, der auf Anfang 2022 vorgezogen werden soll, nicht mehr antreten. Das Trio und Keller hatten sich den folgenschweren Streit geliefert, der darin gegipfelt war, dass der DFB-Präsident seinen Vize Koch mit dem Nazi-Richter Roland Freisler verglichen hatte.

Der radikale Umbau war deshalb von etlichen gefordert worden. Matthäus und auch Reiner Calmund sprachen sich für Karl-Heinz Rummenigge als Erneuerer beim DFB aus. Auch Uli Hoeneß und Philipp Lahm wurden von verschiedenen Seiten ins Spiel gebracht. Noch-Bayern-Chef Rummenigge bekundete bisher kein Interesse an dem Job. Das hatte dagegen die Anti-Korruptionsexpertin Sylvia Schenk gezeigt, allerdings wohl nur als Übergangslösung, um den Karren erst einmal aus dem dicksten Dreck zu ziehen.

Ute Groth, die 2019 nicht zur Wahl gegen Keller zugelassen worden war, sagte, sie arbeite mit einem Team an tiefgreifenden Reformvorschlägen: »Es gibt überall fähige Leute, die Erfahrung und Wissen einbringen können.« Die Entfremdung der Basis, zwischen Amateuren und Profifußballern, sei eklatant. Man müsse aber weg von der »Kultur der Vorwürfe« und hin zu »Verständigung« und »Unterstützung«.

Kaum Aussicht auf Ruhe im Verband

Koch will diesen Prozess bis zur Neuwahl zum dritten Mal als Interimspräsident begleiten. Ob er seine Funktionärskarriere komplett beendet, ist offen. Der 62-Jährige führt zwei Regionalverbände und sitzt im Exekutivkomitee der Europäischen Fußball-Union. Koch scheint vor allem dem Profilager als DFB-Vertreter in der Uefa künftig aber schwer vermittelbar. Der Deutschen Fußball-Liga soll er unterstellt haben, den DFB zerschlagen zu wollen. Da sein Co-Präsident Peter Peters aber genau dieses Profilager vertritt, dürfte auch in den kommenden Monaten kaum Ruhe einkehren.dpa/nd

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