Seltener Showdown

In der 2. Bundesliga steht vor dem letzten Spieltag noch kein direkter Aufsteiger fest

  • Von Alexander Ludewig
  • Lesedauer: 3 Min.
2. Bundesliga: Seltener Showdown

Ein sehr seltenes Schauspiel wird am Sonntag in der zweiten Liga aufgeführt: Vor dem letzten Spieltag steht noch kein direkter Aufsteiger fest. Den VfL Bochum, Holstein Kiel und die Spielvereinigung Greuther Fürth trennen nur drei Punkte, auch das Torverhältnis ist nahezu ausgeglichen. Jeder der drei Vereine kann noch auf den undankbaren Relegationsrang drei abrutschen. Wie hart der darauf folgende Kräftevergleich mit dem Drittletzten der ersten Liga ist, zeigt die Statistik: Nur dreimal konnte sich der Zweitligist seit der Einführung der Entscheidungsspiele zur Saison 2008/2009 in den bislang zwölf Austragungen durchsetzen.

Seit der politischen Wende und somit auch der fußballerischen Vereinigung wurden immer mal wieder die Rahmenbedingungen verändert. In der ersten gesamtdeutschen Zweitligasaison 1991/1992 wurde in zwei Staffeln gespielt und die Aufsteiger in einer anschließenden Relegationsrunde ermittelt. Zur Saison 1995/1996 wurde die 3-Punkte-Regel eingeführt, 13 Jahre später dann die Relegation. Doch abgesehen von der nur sehr theoretischen Chance, dass der VfB Stuttgart im Mai 2017 einen Vorsprung von drei Punkten und zehn Toren noch hätte verspielen können, stand in den vergangenen 30 Jahren vor dem finalen Anpfiff mindestens immer ein Aufsteiger schon fest.

Fehler plus Stärke gleich Spannung

Die größte Überraschung in dieser Saison ist zugleich die größte Enttäuschung. Der Hamburger SV hat wieder einmal den teuersten Kader an den Start gebracht und dennoch zum dritten Mal in Folge den Aufstieg verspielt. Auch die Erstligaabsteiger der vergangenen Saison, Fortuna Düsseldorf und der SC Paderborn, haben nicht den Weg zurück ins Oberhaus gefunden. Offensichtliche Fehler der Favoriten und die erstaunliche Stärke der Herausforderer haben die 2. Bundesliga in dieser Saison so ausgeglichen gemacht, wie lange nicht mehr. Und so stehen drei Teams ganz oben, die den Aufstieg nicht als klares Saisonziel ausgegeben hatten.

An der Spitze thront vor dem Showdown der VfL Bochum - in seinem elften Zweitligajahr. »Alle, die träumen wollen, dürfen dies selbstverständlich machen«, hatte Trainer Thomas Reis vor der Saison gesagt. Nach Platz acht in der vergangenen Spielzeit verbreitete er damit vorsichtigen Optimismus, auch weil sein Team im Kern zusammengeblieben war. Entsprechend stabil und konstant traten die Bochumer dann auch auf. Mit den drittmeisten Toren und den zweitwenigsten Gegentreffern stehen sie verdientermaßen ganz oben - und wollen am Sonntag im Heimspiel gegen den noch vom Abstieg bedrohten SV Sandhausen alle Träume wahr werden lassen. Dafür reicht schon ein Unentschieden.

Hinter den Bochumern lauert Holstein Kiel auf Platz zwei. Der kleine Verein aus dem hohen Norden spielt die beste Saison seiner 121-jährigen Geschichte. Im DFB-Pokal scheiterten die Kieler erst im Halbfinale an Borussia Dortmund und hatten auf dem Weg dahin auch den FC Bayern München im Elfmeterschießen besiegt. Und jetzt steht Kiel vor dem ersten Bundesligaaufstieg überhaupt - und das trotz zweifacher Quarantäne für die gesamte Mannschaft. Grundlage für den Erfolg ist das disziplinierte Verteidigen der gesamten Mannschaft. Nur so kann man gegen den Rekordmeister bestehen. Und nur so kann man auch aufsteigen. Mit 32 Gegentreffern hat Holstein die mit Abstand wenigsten in der Liga. Gelingt am Sonntag gegen Darmstadt der 19. Saisonsieg, ist der Aufstieg perfekt. Ganz nach dem Motto des erst 33-jährigen Trainers Ole Werner: »Lernen, weiterentwickeln, besser machen.«

Erst hoffen, dann lachen

»Ich glaube, dass allen Fans und Gönnern der Spielvereinigung bewusst sein muss, dass es ein unglaublich schwieriges Jahr für uns wird«, sagte Greuther Fürths Trainer Stefan Leitl vor dieser Saison. 33 Spiele später hat der Tabellendritte die Relegation schon sicher. Und sollte einer der beiden Aufstiegskonkurrenten patzen, ist die SpVgg Greuther Fürth plötzlich der lachende Dritte. Verdient wäre das allemal. 66 Tore und nur sechs Niederlagen sind eine beeindruckende Bilanz.

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