55 Etappen auf dem Weg zum Frieden

Die Naturfreunde wandern für Frieden und Abrüstung quer durch Deutschland

  • Von Peter Nowak
  • Lesedauer: 3 Min.
Naturfreunde: 55 Etappen auf dem Weg zum Frieden

Blaue Fahnen mit weißen Friedenstauben, eine Fahne der Jungsozialist*innen, Schilder, auf denen Abrüstung und Entspannung gefordert wird. Mit einer Auftaktkundgebung in Hannover begann am 12. Mai Deutschlands längste Friedenswanderung, die in 55 Etappen bis 4. Juli zum Bodensee führen wird. Der Marsch wird von den Naturfreunden organisiert, eine Organisation, die in der Arbeiter*innenbewegung entstanden ist und Naturerlebnis und Reisen in den Mittelpunkt ihrer Aktivitäten stellt. Auch der Friedensmarsch hat das Ziel, Erholung, Freizeit und den Kampf für Abrüstung zu vereinen.

Mitorganisator und Pressesprecher Yannick Kiesel sieht im Gespräch mit dem »nd« die Naturfreunde besonders geeignet, um diese unterschiedlichen Interessen zusammenzubringen. »Wir können in unserer Organisation eine Brücke zwischen Umwelt- und Friedensbewegung bauen«, betonte er.

Schon seit einigen Jahren versuchen Antimilitarist*innen bei den alljährlichen Ostermärschen mit Klimaaktivist*innen zu kooperieren, was allerdings oft nicht einfach ist, weil unterschiedliche Generationen aufeinandertreffen. Beim Friedensmarsch ist der Großteil der Teilnehmer*innen älteren Jahrgangs. Unterstützung aus der Politik gab es beim Start in Hannover durch Oberbürgermeister Belit Onay (Grüne) und der SPD-Bundestagsabgeordnete Matthias Miersch, der gemeinsam mit seinem Parteifreund Michael Müller, dem Vorsitzenden der Naturfreunde, die Wandernden verabschiedete.

»Eine globale Abrüstung, ein Verbot von Rüstungsexporten, den Beitritt Deutschlands zum Atomwaffenverbotsvertrag sowie eine neue Entspannungspolitik«, das sind die vier Forderungen der Wandernden, die sie in einer Resolution mit sich tragen. An einigen Orten wird der Marsch auch Gedenkstätten von NS-Konzentrationslagern besuchen. »Schließlich sind die Naturfreunde eine klar antifaschistische Organisation.

Rechte aller Couleur haben auf dem Friedensmarsch nichts zu suchen«, erklärte Kiesel. Dass neben den friedenspolitischen Anliegen auch Natur und Landschaft nicht zu kurz kommen, machen die Texte deutlich, welche die Friedensbewegten auf ihrem Blog veröffentlichen. So hieß es am 16. Mai: »Die Wander*innen haben heute den Hohen Asch bezwungen und sind gut im beschaulichen Bösingfeld im Extertal angekommen. Morgen wird die Wanderung in Richtung Lemgo fortgesetzt.«

Mittlerweile sind die Stationen in Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen fast durchwandert. Am Dienstag geht es von Bad Berleburg im Rothaargebirge über Bad Laasphe weiter nach Biedenkopf in Hessen. Auf den Etappen wechseln sich die Teilnehmenden in den Regionen ab. In jeder Stadt am Weg gibt es Gespräche mit Bürgermeister*innen und Politiker*innen.

Der Friedensmarsch fällt in eine Zeit, in der über veränderte Formen des Reisens nachgedacht wird. Statt umweltschädliche Fernreisen mit Flugzeug rückt er Erkundungen der näheren Umgebung in den Fokus. Die Pandemie schränkt das Programm allerdings ein. So sind aktuell Übernachtungen nicht möglich, so dass die Teilnehmer*innen abends mit dem Zug zurück in ihre Heimatstädte fahren. Dadurch musste die Route der Wanderung gekürzt werden.

Der Marsch steht in einer Tradition, die nahezu in Vergessenheit geraten war. So beteiligten sich vor 60 Jahren im Kalten Krieg Menschen aus aller Welt an einem legendären Protestmarsch, dem »Walk of Peace«, der im Dezember 1960 in San Francisco begann und Anfang Oktober 1961 in Moskau endete. Während die Bundesrepublik damals die Teilnehmenden überwachte, bedrohte und kriminalisierte, wurden sie in der DDR gefeiert. Probleme mit der Staatsmacht hatten die Friedensaktivist*innen im Jahr 2021 bisher nicht.

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