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Panzer-Sammler auf der Anklagebank

84-Jähriger muss sich in Kiel wegen unerlaubten Besitzes von Kriegswaffen vor Gericht verantworten

  • Von Dieter Hanisch, Kiel
  • Lesedauer: 4 Min.

Der Fall aus dem Sommer des Jahres 2015 machte weltweit Schlagzeilen, weil bei einem Militaria-Fan in Heikendorf bei Kiel neben unzähligen Waffen auch ein Weltkriegspanzer in der Kellergarage entdeckt wurde. Ab Freitag muss sich der 84-jährige Klaus-Dieter F. nun wegen unerlaubten Besitzes von Kriegswaffen vor dem Kieler Landgericht verantworten.

Als Ermittler auf der Suche nach NS-Kunst auf dem Heikendorfer Grundstück ein Waffenarsenal samt gewaltigen Munitionsbeständen entdeckten, staunten sie nicht schlecht, weil sich unter den Kriegsutensilien auch ein »Panther«-Panzer befand. Für die Beschlagnahmung musste eigens ein Pioniertrupp der Bundeswehr helfen, den 44 Tonnen schweren Koloss zu bergen. Diese Bilder gingen dann um die Welt. Darüber berichteten unter anderem die »New York Times«, die BBC, »Le Parisien« und der »New Zealand Herald«.

Was da bei dem wohlhabenden früheren Finanzmanager gefunden wurde, war schweres Kriegsgerät. Neben dem Panzer wurden ein Flakgeschütz (Kaliber 8,8 cm), ein Granatwerfer (Kaliber 5 cm) und ein Torpedo in der Tiefgarage des Hauses sichergestellt. Bei der Razzia vor knapp sechs Jahren war auch der Nachbau einer V1-Rakete im Besitz des Rentners.

Das schleswig-holsteinische Landgericht muss nun prüfen, ob der Angeklagte für all die Geräte überhaupt Genehmigungen nach dem Kriegswaffenkontrollgesetz vorlegen kann. Es geht vor allem darum, ob der Panzer noch voll funktionstüchtig war oder ob er als demilitarisiert anzusehen ist, wie F. behauptet. Der Anwalt des 84-Jährigen spricht von historisch-musealen Objekten. Aber auch über ein entdecktes Depot mit 70 Maschinen- und Sturmgewehren sowie halb- und vollautomatischen Pistolen muss von der 7. Strafkammer befunden werden. Diese waren zwar wohl alle in der zuständigen Waffenbehörde in Plön registriert, aber teilweise nicht bestimmungsgerecht aufbewahrt worden.

Den Kampfpanzer will der Waffensammler im Jahr 1977 günstig auf einem Schrottplatz in Großbritannien erworben haben. Das Gefährt kam dann über die Niederlande in eine Werkstatt nach Solingen, in der es mehrere Jahre lang restauriert wurde. Mitte der 1980er Jahre findet der »Panther« dann den Weg in die Heikendorfer Tiefgarage.

Spätestens seit 2005 weiß auch die Plöner Waffenbehörde von dem Weltkriegspanzer. Die Behörde weist F. nach Rücksprache mit dem Innenministerium in der Landeshauptstadt Kiel darauf hin, dass für den Panzer eine Demilitarisierungsbescheinigung des Wirtschaftsministeriums beziehungsweise der Bundeswehr nötig sei. Diese Bescheinigung wird in der Plöner Amtsstube aber nie vorgelegt. Stattdessen hat F. der Behörde lediglich alte Fotos des »Panther« geschickt, die sich damit offenbar zufrieden gab.

Zu hinterfragen sind nun vor dem Landgericht zudem die Instandsetzungsarbeiten, die die Bundeswehr zwischen 2011 und 2014 an dem »Panther«-Panzer vornahm. Zivilangestellte des Wehrtechnischen Dienstes 41 (WTD) aus Trier machten sich an dem Motor des »Oldtimers« zu schaffen. So wurde der Motor in Heikendorf von WTD-Beschäftigten aus- und eingebaut. Dafür wurden dem Rentner 28 317 Euro in Rechnung gestellt und ordnungsgemäß beglichen, wie offizielle Stellen bestätigten. F. besaß also offenbar gute Drähte in Behörden und zur Bundeswehr. In Sachen WTD räumten Verantwortliche mittlerweile ein, dass F. schon lange Mitglied im Verein der Freunde und Förderer des Wehrtechnischen Museums Koblenz ist und diese Einrichtung mit Geld- und Sachspenden unterstützte.

Die von den Strafverfolgern in Heikendorf im Juli 2015 vorgefundenen verwinkelten Räumlichkeiten ähnelten Beschreibungen zufolge einem »Führerbunker«, andere sprachen von einer Art unterirdischer »Ruhmeshalle«.

In seinem Wohnort Heikendorf war das NS-Faible des Mitbewohners im Villenviertel, der seinen Luxuswohnsitz an der Kieler Förde mit Stacheldraht abgesichert hat, durchaus bekannt. Schon zu Zeiten der Schneekatastrophe im Jahr 1978 sei er mit einem Panzer durch den Ort gefahren, erinnert sich der frühere Bürgermeister Alexander Orth. Der nun im Fokus stehende »Panther« konnte das aber noch nicht gewesen sein, denn der rollte ja erst 1984 auf das Villengrundstück. Andere Heikendorfer berichten, dass F. bei Baumfällarbeiten mit seinem Militaria-Fahrzeugbestand behilflich gewesen sei. Zeitweise hisste F. bei sich aber auch die Reichsflagge, und an seinem Mauerwerk prangte ein Schild »Deutsches Schutzgebiet«, ganz so, wie es in Kreisen von Reichsbürgern üblich ist.

Es bleibt nun abzuwarten, ob der Prozess vor dem Kieler Landgericht aufzuklären hilft, ob es sich bei dem 84-Jährigen um einen Eigenbrötler mit besonderem Spleen, einen Ewiggestrigen, einen leidenschaftlichen international vernetzten Militaria-Sammler oder alles zusammen handelt. Zunächst sind fünf Verhandlungstage bis Anfang Juli anberaumt. Verstöße gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz werden mit mindestens einem Jahr und maximal mit fünf Jahren Gefängnis geahndet.

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