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Ausnahmefall Urlaubsgeld

Weniger als die Hälfte der Beschäftigten erhält zusätzliches Entgelt für die Ferien - im Osten sind es noch weniger

  • Lesedauer: 2 Min.

Düsseldorf. In Deutschland erhält derzeit etwas weniger als die Hälfte (46 Prozent) aller Beschäftigten in der Privatwirtschaft Urlaubsgeld. Zu diesem Ergebnis kommt eine Online-Befragung des Internet-Portals Lohnspiegel.de, die das Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Institut (WSI) der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung am Freitag in Düsseldorf präsentierte. Für die Analyse wurden die Angaben von mehr als 57.000 Beschäftigten von Mai 2020 bis April 2021 ausgewertet.

In Ostdeutschland erhalten die Beschäftigten den Angaben zufolge nach wie vor deutlich seltener Urlaubsgeld (33 Prozent) gezahlt als im Westen der Republik (48 Prozent). Diese Unterschiede könnten in erster Linie auf die deutlich geringere Tarifbindung im Osten Deutschlands zurückgeführt werden, erklärte das WSI. Ein weiterer wichtiger Faktor sei die Größe des Unternehmens, da die Chance auf Urlaubsgeld mit zunehmender Beschäftigtenzahl steige. Zudem erhielten Männer (49 Prozent) häufiger Urlaubsgeld als Frauen (41 Prozent).

Bei der Frage, ob ein Beschäftigter Urlaubsgeld erhält oder nicht, sei die Tarifbindung der Unternehmen die »mit Abstand wichtigste«, hieß es. So erhielten 73 Prozent der Beschäftigten in tarifgebundenen Unternehmen Urlaubsgeld, gegenüber nur 35 Prozent der Beschäftigten in Unternehmen ohne Tarifvertrag. Die Höhe des tarifvertraglich vereinbarten Urlaubsgeldes fällt je nach Branche sehr unterschiedlich aus: Zwischen 155 und 2.558 Euro bekommen Beschäftigte in der mittleren Vergütungsgruppe dieses Jahr als tarifliches Urlaubsgeld.

Gegenüber dem Vorjahr hat sich das tarifliche Urlaubsgeld in sieben von 22 untersuchten Branchen erhöht. Die Erhöhungen des Urlaubsgeldes folgten demnach den allgemeinen Tariferhöhungen und lagen meistens zwischen 1,7 und drei Prozent.

Unter den Bedingungen der Coronakrise sei das Urlaubsgeld in diesem Jahr zudem für viele Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer besonders wichtig geworden, sagte der Leiter des WSI-Tarifarchivs, Thorsten Schulten. »Gerade im Niedriglohnsektor haben viele Beschäftigte in Kurzarbeit teilweise empfindliche Einkommenseinbußen hinnehmen müssen. Wer da jetzt Urlaubsgeld bekommt, kann sich glücklich schätzen.« epd/nd

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