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Ökonomie für Kinder II

Sieben Tage, sieben Nächte

  • Von Stephan Kaufmann
  • Lesedauer: 3 Min.

Deutschen Schüler*innen werden in regelmäßigen Tests nicht nur klaffende Wissenslücken attestiert, was ihr Humankapital mindert, was wiederum Ökonomen betrübt. Beklagt wird auch ihre Ahnungslosigkeit in Wirtschaftsdingen, weswegen ein reguläres Schulfach »Wirtschaft« gefordert wird. Um die Lücken zu füllen, soll an dieser Stelle Nachhilfe geliefert werden. Heute dran: »Kryptowährungen«!

Kryptowährungen sollen eine Form von Geld sein. Was Geld ist, das wissen Ökonomen heute nicht mehr so genau. Aber eins wissen sie: Geld ist nützlich! Mit ihm kann man sich Sachen kaufen, die man braucht oder will. Die Sachen kann man aber nicht nur kaufen, man muss sie auch kaufen. Einfach nehmen geht nicht, das lernt man von klein auf an der Supermarktkasse (»Leg die Gummibärchen schön aufs Band, Elsa, dann darfst du auch bezahlen.«)

Kaufen müssen nicht nur Kinder, sondern auch Papa und Mama. Zwar haben sie in der Fabrik und im Büro die Sachen hergestellt. Aber die Sachen, die sie hergestellt haben, gehören dem Unternehmer. Das nennen wir »Privateigentum«. Mama und Papa produzieren also jeden Tag Sachen für jemand anders. Das nennen wir »Lohnarbeit«. Dafür kriegen sie Geld. Mit dem Geld können sie dann die Sachen, die sie produziert haben, dem Unternehmer wieder abkaufen. Der Unternehmer verlangt dafür aber mehr Geld, als er Papa und Mama gegeben hat. Deswegen hat er hinterher mehr Geld als vorher, und Papa und Mama haben keines mehr, weswegen sie wieder arbeiten gehen müssen. Man sieht: Geld ist nützlich!

In Deutschland ist das Geld der »Euro«. Den gibt es in Papierscheinen und Münzen in Manteltaschen oder Portemonnaies und auf dem »Konto« bei der Bank, aber da kommt ihr nicht ran. Hat man genug Geld, kann man damit alles kaufen. Deswegen wollen alle Euro haben. »Kryptowährungen« wie den Bitcoin wollen derzeit auch alle haben. Denn er soll auch Geld sein. Allerdings »Kryptogeld«. »Krypto« bedeutet soviel wie »geheim« oder »verborgen«. Bitcoins sind unsichtbar und derart geheim, dass man damit im Laden gar nichts kaufen kann. Sie sind also eigentlich gar kein Geld. Und das weiß auch jeder, hält es aber geheim.

Mit »Kryptogeld« ist es wie mit dem Weihnachtsmann: Eigentlich weiß jeder, dass es ihn nicht gibt. Trotzdem tun alle so, als käme er regelmäßig vorbei.

Leute mit viel Euro kaufen sich daher Bitcoin, der kostet gerade 33 000 Euro. Jetzt fragt ihr euch: Warum geben Leute Geld aus, um Geld zu kaufen, das auch noch keines ist? Gute Frage. Antwort: Zwar wissen alle, dass Bitcoin kein Geld ist. Aber alle tun so als ob und deswegen werden Bitcoins immer teurer. Und wenn etwas immer teurer wird, dann lohnt es sich, es heute zu kaufen und es morgen zum höheren Preis wieder zu verkaufen. Denn dann hat man mehr echtes Geld als vorher und kann sich mehr von den Sachen kaufen, die Mama und Papa produziert haben. Reicher werden ohne selbst zu arbeiten, das ist schön! Das nennen wir »Geldanlage« und kommt nächstes Mal dran.

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