Präsenz ist prima

Ines Wallrodt begrüßt die vollständige Öffnung der Schulen

  • Ines Wallrodt
  • Lesedauer: 2 Min.

Was bringt denn das, zwei Wochen vor den Ferien? Stimmt, es ist spät. Berlins Schulen hätten schon früher wieder geöffnet werden sollen. Vielleicht nicht für alle, vielleicht nur für Grundschüler wie nach Pfingsten in Brandenburg oder für Siebt- und Achtklässler, die die Schule in den letzten anderthalb Jahren am wenigsten von innen gesehen haben. Doch Senat, Schulverwaltung und Lehrer hatten sich schön eingerichtet mit der Behauptung, das Wechselmodell funktioniere doch prima. Dabei hatten Pädagogen eben noch zu Recht darauf bestanden, Schule sei mehr als nackte Wissensvermittlung. Dabei war eben erst dem Letzten bewusst geworden, was Lehrer jeden Tag leisten. Plötzlich wird ausgeblendet: Wechselmodell bedeutet, dass Väter und vor allem Mütter seit Monaten zu Hause neben ihren Kindern sitzen und Lehrer spielen. Ist der Lehrerberuf also etwa doch überschätzt? Wohl kaum, aber plötzlich kam jedes Argument gelegen, um das Recht auf Bildung beiseite schieben zu können.

Das Infektionsrisiko ist deutlich gesunken. Bei Inzidenzen um die 30 ist es mit Masken, Abstand und Tests deshalb richtig, die Schulen vollständig zu öffnen. Es ist schlichtweg ungerecht, wenn ausgerechnet die Kinder weiter im Lockdown leben sollen, obwohl sie durch die Pandemie so wenig gefährdet sind, dass für sie nicht einmal eine generelle Impfung empfohlen wird. Kinder haben nach dem zweiten Schuljahr unter Corona-Bedingungen vieles nachzuholen. Nicht nur Schulstoff, sondern wenigstens etwas Normalität zum Abschluss. Zeit, in der sie ihre Mitschüler wiedersehen können, in der sie sich erinnern, was tägliches Lernen in der Schule bedeutet und was es heißt, Teil einer Gruppe zu sein.

Die Berliner Schulverwaltung wollte alles weiterlaufen lassen, in der Hoffnung, dass vielleicht nach diesen Sommerferien die Pandemie erledigt sein würde. Die Gerichtsurteile haben sie aus dieser Behäbigkeit aufgeschreckt. Falls die Zahlen nach den Ferien hochgehen, sollte den Verantwortlichen etwas besseres einfallen, als die Kinder das dritte Schuljahr nach Hause zu schicken. Bis zum 8. August sind es nur noch acht Wochen. Es ist viel nachzuholen!

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