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  • Azubis in der Coronakrise

Matching für die Ausbildung

Internetplattform soll Mangel an 3500 Ausbildungsplätzen beseitigen

  • Von Lola Zeller
  • Lesedauer: 3 Min.
Nicht alle jungen Menschen finden gleich ihren Traumberuf, aber viel zu viele finden nicht mal einen Ausbildungsplatz.
Nicht alle jungen Menschen finden gleich ihren Traumberuf, aber viel zu viele finden nicht mal einen Ausbildungsplatz.

»Es geht um den wichtigsten Rohstoff der Stadt«, sagt Beatrice Kramm. Die Präsidentin der Industrie- und Handelskammer Berlin (IHK) meint damit Jugendliche, die in betrieblichen Berufsausbildungen untergebracht werden sollen - die künftigen Fachkräfte. »Das zentrale Thema ist ein Mangel an Berufsorientierung«, meint Kramm. Ihrer Ansicht nach fehlt bisher ein zentraler Anlaufpunkt für interessierte Schüler*innen, die sich aktuell auf zu vielen verschiedenen Webseiten die relevanten Informationen über Ausbildungsplätze heraussuchen müssen und dabei vor allem auf die großen Unternehmen stoßen. Dem soll nun die neu entwickelte Internetplattform ausbildung.berlin entgegenwirken, die am Mittwoch vorgestellt wurde.

»Das ist eine zentrale Seite, die alle Informationen bündelt und von der aus man dann in die betrieblichen Angebote hineinfinden oder sich anschauen kann, was es denn noch für Ausbildungsmöglichkeiten gibt«, erläutert die IHK-Präsidentin. Die Webseite umfasse Berlin und einen Umkreis von 30 Kilometern über die Stadtgrenze hinaus, perspektivisch soll ganz Brandenburg hinzukommen. Dort können Jugendliche nach ihrem gewünschten Ausbildungsberuf in ihrer Nähe suchen und sich außerdem über Beratungsangebote und Informationsveranstaltungen wie zum Beispiel Ausbildungsmessen informieren.

Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) sieht das Problem der letzten Jahre beim »Zusammenführen der Interessen der Unternehmerinnen und Unternehmer und der Ausbildungswilligen«. Das sogenannte »Matching« müsse besser funktionieren. Dazu sollen die Internetplattform und eine Ausbildungskampagne beitragen. Organisiert wird das Ganze von einem neu gegründeten Netzwerk aus Vertreter*innen von Kammern, Verbänden und Senatsverwaltungen.

Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) freut sich über die Zusammenarbeit von Wirtschaft und Politik. »Es ist eine Zukunftsfrage, dass Jugendliche und Betriebe zusammenfinden«, sagt sie. Durch die Pandemie sei es noch schwieriger geworden, Schüler*innen über mögliche Berufswege zu beraten. Die Webseite sei ein neuer Baustein der Berufsorientierung und die dazugehörige Kampagne suchenfindenstarten soll die Zielgruppe auf die Webseite und die Vielfalt der betrieblichen Ausbildungen aufmerksam machen. 200 000 Euro aus ihrem Etat stellt die Bildungsverwaltung für die Kampagne zur Verfügung, sagt die Senatorin. Die Kampagne sei im Juni über verschiedene Soziale Medien wie Instagram und Spotify gestartet und laufe noch bis September diesen Jahres.

Ein Partner des Netzwerks ist der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) Berlin-Brandenburg. »Wir finden es sehr wichtig, dass es eine Plattform gibt, die alle Angebote bündelt, und das auf eine Art und Weise, die zugänglich ist für Jugendliche«, sagt Astrid Oelpenich, Bildungsreferentin der DGB Jugend Berlin-Brandenburg, zu »nd«. Auch in der Gewerkschaftsarbeit habe man bemerkt, dass Berufsorientierungsangebote seit Pandemiebeginn fehlen. »Praktika sind weggefallen, da ist es natürlich schwierig für junge Menschen herauszufinden, ob ein bestimmter Beruf der richtige Weg ist. Berufsorientierungsmessen wurden abgesagt und finden erst seit diesem Jahr zumindest digital statt und die Jugendberufsagenturen haben sehr lange keine Präsenztermine für Beratungen vergeben«, so Oelpenich.

Weiterhin gebe es nicht genug Ausbildungsplätze. »Es fehlen etwa 3500 Stellen«, erklärt Oelpenich. Durch die Pandemie seien Ausbildungsangebote weggefallen. Waren es im Mai 2019 noch 15 072 Plätze, sind es im Mai diesen Jahres nur 12 713, sagt sie. Die Zahlen bestätigt auch Sandra Scheeres. Von knapp 13 000 Stellen seien aktuell 6142 unbesetzt. Gleichzeitig gebe es aber 9271 unversorgte Bewerber*innen.

Die DGB-Referentin sagt mit Blick auf die ausbildenden Betriebe: »Die Ansprüche sind oft zu hoch. Betriebe sagen, sie finden keine passenden Jugendlichen. Da müssen sie ihre Kriterien mit der Realität abgleichen.«

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