Massensterben in Myanmar befürchtet

Ärzte ohne Grenzen muss Arbeit in südlichem Landesteil einstellen

Washington. Wegen der Kämpfe zwischen Rebellengruppen und Militärjunta in Myanmar hat der UN-Sonderberichterstatter für Menschenrechte in dem südostasiatischen Land vor einem »Massensterben« durch Hunger und Krankheiten gewarnt. Die »brutalen, wahllosen Angriffe der Junta« bedrohten das Leben vieler Menschen im östlichen Kayah-Staat, schrieb Tom Andrews am Dienstag auf Twitter. »Ein Massensterben in einem Ausmaß, das wir noch nicht gesehen haben, könnte im Kayah-Staat eintreten, wenn nicht sofort gehandelt wird«, so Andrews. Seit dem Militärputsch gegen De-Facto-Regierungschefin Aung San Suu Kyi im Februar herrscht Chaos. Die Armee geht mit brutaler Gewalt gegen Demonstranten vor, die eine Rückkehr zur Demokratie fordern. Nach Angaben von Aktivisten wurden seit dem Putsch über 800 Zivilisten getötet. In vielen Orten bildeten Einwohner »Verteidigungsgruppen«.

In den vergangenen Wochen sind die Zusammenstöße im Bundesstaat Kayah nahe der thailändischen Grenze eskaliert. Einheimische beschuldigten die Armee, Granaten auf Dörfer gefeuert zu haben. Bilder zeigen Dorfbewohner, die behelfsmäßige Waffen herstellen, während sich örtliche Verteidigungseinheiten gegen das Militär zur Wehr setzen. Die UNO geht von schätzungsweise 100 000 Vertriebenen aus.

Derweil schlug die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen Alarm. Die Behörden in der Region Tanintharyi im Süden Myanmars forderten die Organisation am Dienstag auf, alle Aktivitäten vor Ort einzustellen. »Unsere Arbeit einzustellen könnte für die Patienten lebensbedrohlich sein, wenn zugleich die öffentliche Gesundheitsversorgung stark eingeschränkt ist«, sagte Adrian Guadarrama, Programmleiter von Ärzte ohne Grenzen in Genf. Teams der Organisation sind dort seit fast 20 Jahren aktiv und versorgen aktuell 2162 Patienten mit HIV sowie Tuberkulose, wie Ärzte ohne Grenzen mitteilte.AFP/nd

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