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  • Messerattacke in Würzburg

Motiv nach Würzburger Messerattacke weiter unklar

Islamistischer Hintergrund vermutet, Ermittler fanden bislang aber keine Beweise

  • Lesedauer: 3 Min.

München. Nach der Messerattacke in Würzburg mit drei Toten und sieben Verletzten suchen die Ermittler weiter nach einem Motiv des 24-jährigen Tatverdächtigen. Zwar liege »ein islamistischer Hintergrund für die Taten« nahe, teilten die Generalstaatsanwaltschaft München und das Landeskriminalamt am Dienstag gemeinsam mit. Hinweise auf Propagandamaterial oder sonstige extremistische Inhalte wurden bei dem Tatverdächtigen bislang aber nicht gefunden.

Die Ermittler gehen von einem islamistischen Tatmotiv aus, weil der tatverdächtige Somalier nach Aussagen von Augenzeugen während der Tat zwei Mal »Allahu Akbar« (»Gott ist am Größten«) gerufen haben soll. In einer Würzburger Klinik soll er die Tat als seinen »Dschihad« (»Heiligen Krieg«) bezeichnet haben. Die Zentralstelle für Extremismus und Terrorismus (ZET) bei der Generalstaatsanwaltschaft werde ein gerichtspsychiatrisches Gutachten in Auftrag geben. Damit soll auch die Frage der Schuldfähigkeit und der Unterbringung in der Psychiatrie geklärt werden. Der Tatverdächtige wirkte nach Angaben von Augenzeugen verwirrt, zugleich stach er mit dem 33 Zentimeter langen Küchenmesser gezielt zu. Terrorexperte Peter Neumann vom Londoner King’s College sagte dem Bayerischen Rundfunk, die Grenze zwischen psychischer Auffälligkeit und islamistischem Motiv sei schwer zu ziehen.

Der Islamismusexperte Ahmad Mansour schätzt die Gefahr weiterer Anschläge als sehr hoch ein. Eine Mischung aus Labilität, gepaart mit ideologischen Zügen und vielleicht einer persönlichen Krise könne »dazu führen, dass diese Leute auch bereit wären, im Namen dieser Ideologie und Labilität andere Menschen zu verletzen«, sagte Mansour am Dienstag dem Radiosender Bayern 2. In den vergangenen Jahren seien Anschläge zu beobachten, bei denen die Täter keinen Kontakt zu Terrororganisationen hatten.

Bereits am Samstag hatte die Generalstaatsanwaltschaft München das Ermittlungsverfahren gegen den Mann übernommen, das Landeskriminalamt richtete die Sonderkommission »Main« ein und ermittelt derzeit mit dem Polizeipräsidium Unterfranken zur Tat. Unterstützung erhalten sie von Experten des Bundeskriminalamtes, von Übersetzern sowie Islamwissenschaftlern.

In der städtischen Obdachlosenunterkunft, in der der Mann zuletzt gewohnt hatte, stellten die Ermittler am Wochenende zahlreiche Gegenstände sicher - darunter zwei Handys. Der Mann reiste laut Landeskriminalamt am 6. Mai 2015 nach Deutschland ein, in Würzburg ist er seit 4. September 2019 ansässig. In seinem Asylantrag gab er an, vor der Terrororganisation Al-Shabaab in Somalia geflohen zu sein. Deshalb hat er sogenannten subsidiären Schutz erhalten. Im Januar 2021 sagte ein Zeuge gegen den wegen mehrerer Gewaltdelikte polizeibekannten 24-Jährigen aus, er habe 2015 ein Telefonat mitgehört. Demnach soll der Somalier 2008 und 2009 selbst als Elf- oder Zwölfjähriger für die Terrormiliz Al-Shabaab Zivilisten, Journalisten und Polizisten in Somalia getötet haben. Mangels konkreter Tatsachen leitete weder die Generalbundesanwaltschaft noch die bayerische ZET ein Ermittlungsverfahren ein.

Der Somalier hatte am Freitag in einem Kaufhaus ein Messer an sich genommen und drei Frauen im Alter von 82, 49 und 24 Jahren erstochen. Im Anschluss verletzte er in der Innenstadt vier weitere Frauen, ein elfjähriges Mädchen und einen 16-Jährigen schwer. Alle sind außer Lebensgefahr, so das LKA. Ein Mann wurde leicht verletzt.epd/nd

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